Wegen auffälliger Gerüche soll die Pausenhalle der Grundschule Lüne für Schüler derzeit gesperrt sein. (Foto: t&w)

Sind Schadstoffe im Spiel?

Lüneburg. Tanja Lange ist fassungslos. „Warum werden wir nicht informiert? Was ist da los?“, fragt die Lüneburgerin, deren Sohn die Grundschule Lüne besucht und kürzlich mit einer sie irritierenden Nachricht nach Hause kam. „Er dürfe nicht mehr durch die Pausenhalle laufen, weil man da Krebs kriegen kann, erzählte er“, berichtet die Mutter des Erstklässlers. Ihre Bemühungen, von der Schulleitung und der Stadt Näheres zu erfahren, seien aber fruchtlos geblieben. Inzwischen rief das Thema den Schulelternrat auf den Plan.

„Wir wissen lediglich, dass dort aktuell Bauarbeiten im Zuge der Sanierung der Schule stattfinden. Ob dabei aber Schadstoffe freigesetzt werden, wie von vielen Eltern befürchtet wird, darüber haben wir weder von der Schule noch von der Stadt bislang Auskunft erhalten“, sagt Timo Bleckwedel, Co-Vorsitzender des Schulelternrats der Grundschule Lüne. Ihm sei lediglich bekannt, dass Arbeiten in der Pausenhalle stattgefunden hätten.

Unzureichende Kommunikation

Dort seien zahlreiche Löcher in Decken und Wände gebohrt worden, um eine mögliche Schadstoffbelastung festzustellen. „Allerdings fanden diese Arbeiten ohne jegliche Schutzvorkehrungen statt. Schüler und Lehrer waren dem Staub und damit möglichen Schadstoffen frei ausgesetzt.“ Dass die Arbeiten zudem fortgesetzt wurden, ohne entsprechende Untersuchungsergebnisse abzuwarten, sei für ihn unverständlich. „Und warum wurde jetzt die Pausenhalle gesperrt?“

Auch Michael Grünwald, Vater eines Erstklässlers und früheres Mitglied des Schulelternrats, ist über die unzureichende Kommunikation der Schule irritiert. „Lehrer dürfen uns nichts sagen und die Stadt hält sich bedeckt. Es gibt keine klaren Infos, nur Gerüchte.“ Weil die Schule bereits eine „Asbest-Geschichte“ habe, wie Grünwald mit Bezug auf Schadstoff-Untersuchungen vor fünf Jahren erläutert, seien viele Eltern so verunsichert, dass einige ihre Kinder schon nicht mehr in die Schule schicken.

Schulelternrat legt Fragenkatalog vor

Der Schulelternrat, der Timo Bleckwedel zufolge selbst erst am Dienstag dieser Woche von einer Mutter von der Situation erfahren habe, wurde umgehend aktiv und bat bei der Stadt um Aufklärung. „Wir möchten wissen, auf welcher Grundlage eine aktuelle Schadstoffbelastung der Schüler ausgeschlossen werden kann, obwohl kein aktuelles Gutachten vorliegt“, erläutert Bleckwedel. Auch möchte er wissen, wann und wie die Ergebnisse der aktuellen Schadstoffuntersuchung kommuniziert werden und welche Maßnahmen getroffen werden, um eine Schadstoffbelastung der Schüler zu verhindern. Eine Antwort habe er aber noch nicht erhalten.

„Hier geht es offenbar gleich zu Beginn in die Hose.“ – Timo Bleckwedel, Schulelternrat

Auch eine Anfrage der LZ bei der Stadt blieb gestern unbeantwortet. Auskunft brachte lediglich die Einladung zu einem Informationsabend am Montag, 20. Mai, um 20 Uhr in der Sporthalle der Grundschule. Dort will die Stadt zum Thema berichten. In der Einladung erläutert sie zudem das Vorgehen und bestätigt die Entnahme von mehr als 100 Materialproben für die Erstellung eines Schadstoffkatasters. Weiter heißt es, dass aufgrund der „entstandenen Unruhe“ entschieden wurde, weitere Arbeiten zunächst zurückzustellen, bis die Materialproben analysiert sind. Und: „Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keinen Anlass, eine weitergehende Nutzungseinschränkung vorzunehmen.“

Vorsichtshalber nicht zur Schule

„Mir geht es nicht darum, Panik zu verbreiten, aber es reicht mir nicht aus, nur zu hören, dass alles in Ordnung ist“, sagt Michael Grünwald. Und für Timo Bleckwedel lässt der Start des geplanten Bauvorhabens „nichts Gutes“ vermuten: „Vor dem Hintergrund der Situation an der Schule Hasenburger Berg haben wir frühzeitig unsere Bedenken angemeldet, doch hier geht es offenbar gleich zu Beginn in die Hose.“

Auch Tanja Lange hat jetzt entschieden, ihren Sohn vorsichtshalber nicht in die Schule zu schicken, „auch, um mal ein Zeichen zu setzen“.

Von Ulf Stüwe