Sonntag , 27. September 2020
Die Vertreter von sieben FÖJ-Einsatzstellen kamen jetzt am Fähranleger Bleckede zusammen (h.v.l.): Anne Zetl (LBZ Echem), Andrea Schmidt (Biosphaerium), Holger Belz (Archezentrum), Julia Gerdsen (Konau 11), Anne Spiegel (Biosphärenreservatsverwaltung) und Steffen Hollerbach (Storkenkate). Für Enno Windeler, Marie Baldhoff, Paula Holz und Berit John (vorn, v.l.) endet das FÖJ. Foto: Michael Behns

Aktiv für den Klimaschutz

Bleckede. Jede zweite Woche steht Berit John mit Gummistiefeln im Schweinemist. Die 20-Jährige packt im Rahmen ihres Freiwilligen Ökologischen Jahres (FÖJ) im Landwirtschaftlichen Bildungszentrum Echem mit an. Sauen füttern, misten, Ferkel versorgen – die Arbeit im Schweinestall ist für die Abiturientin eine willkommene Abwechslung zur Büroarbeit, die auch zu ihren Aufgaben gehört. „Nicht nur sitzen und lernen“, das war im vergangenen Jahr auch ein Grund, warum sich Berit John nach ihrem Schulabschluss für ein FÖJ entschieden hat. „Ich wollte zwischen Schule und Studium bewusst ein Jahr Pause machen“, erzählt sie.

Die Gedanken, die sich Berit John vor einem Jahr machte, dürften dieser Tage viele Schülerinnen und Schüler beschäftigen, die mitten in ihren Abschlussprüfungen stecken: Was kommt danach? Für diejenigen, die sich für Natur und Umwelt engagieren und gleichzeitig praktische Erfahrungen sammeln wollen, ist das Freiwillige Ökologische Jahr eine Möglichkeit. Um auf diese Option aufmerksam zu machen, haben sich jetzt Anbieter und aktuelle Teilnehmer am Bleckeder Fähranleger getroffen. Ihre Botschaft: Alleine in der Biosphärenregion Elbtalaue-Wendland gibt es sieben Einsatzstellen – und fast alle haben noch Plätze frei.

Breite Palette an Themenfeldern

Interessierte, die mindestens neun Jahre eine allgemeinbildende Schule besucht haben und zu Beginn des FÖJ höchstens 25 Jahre alt sind, erwartet dabei eine breite Palette an Themenfeldern: für den Schutz von Umwelt und Natur, gegen Klimawandel und die Ausbeutung der Ressourcen, für globale Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit. Landesweit bieten 200 anerkannte Einsatzstellen 325 Plätze vom Harz bis zu den Ostfriesischen Inseln.

In der Biosphärenregion Elbtalaue-Wendland gibt es folgende Einsatzorte: das Archezentrum Amt Neuhaus, das Biosphaerium Elbtalaue in Bleckede, die in Hitzacker ansässige Biosphärenreservatsverwaltung Niedersächsische Elbtalaue, den Verein „Konau 11 – Natur“ mit Sitz in der Gemeinde Amt Neuhaus, das landwirtschaftliche Bildungszentrum Echem, das regionale Umweltbildungszentrum „Schubz“ in Lüneburg und die Storkenkate Preten. Die Aufgaben der FÖJler reichen in diesen Einrichtungen von Bäumepflanzen über Hühnerfüttern bis hin zu Bildungsarbeit und Veranstaltungsmanagement. Andrea Schmidt, Geschäftsführerin des Biosphaerium Elbtalaue, weiß: „Die Einsatzstellen sind sehr unterschiedlich. Bei einigen sitzt man viel am Schreibtisch, anderswo ist man fast nur draußen.“

Übersicht aller Einsatzstellen

Wer sich für die Umwelt einsetzen möchte, der kann das im FÖJ auf vielfältige Art und Weise tun. 20 Prozent ihrer Arbeitszeit steht den Teilnehmenden für die Planung und Verwirklichung eigener Ideen zur Verfügung. In Anspielung auf die Fridays-for-future-Demonstrationen, bei denen junge Menschen Politiker und Gesellschaft zum Einsatz für mehr Klimaschutz auffordern, sagt Schmidt: „Nicht nur fordern, sondern machen. Selber aktiv werden, genau das können Teilnehmende des FÖJ in den sieben anerkannten Einsatzstellen vor Ort.“

Berit Johns Einsatz im Landwirtschaftlichen Bildungszentrum Echem neigt sich dem Ende zu. Heute, zwei Monate vor Ablauf ihres ökologischen Bildungsjahres, weiß die 20-Jährige, dass die Entscheidung für das FÖJ richtig war. Denn sie hat endgültig festgestellt, dass sie in ihrem künftigen Job nicht nur am Schreibtisch sitzen will. Statt Architektur, wie ursprünglich geplant, will sie nun Agrarwissenschaften studieren.

Weitere Infos zum FÖJ und eine Übersicht aller Einsatzstellen in Niedersachsen gibt es auf www.nna.niedersachsen.de/foej.

Von Emilia Püschel