Mittwoch , 21. Oktober 2020
Wenn wie beim Schlaganfall die Blutversorgung im Gehirn gestört wird, zählt jede Minute. Darauf wollen in einer gemeinsamen Präventionskampagne das Klinikum, die Sparkassenstiftung und die LZ hinweisen. Foto: peterschreiber.media

Schnelles Handeln ist entscheidend

Lüneburg. Erst sind es nur zwei Sänger und ein Musiker, die am Marktplatz ein Lied anstimmen. Scheinbar zufällig stoßen weitere dazu – ein Ensemble entsteht. Es wird aber nicht nur gesungen, sondern mit dem Sound-Mob am Sonnabend, 11. Mai, gegen 12 Uhr an der Ecke An der Münze/Tourist-Info sollen auch Passanten mit einem Thema konfrontiert werden: Schlaganfall – schnelles Handeln ist wichtig. Mitarbeiter der Klinik für Neurologie am Lüneburger Klinikum sowie Vertreter von ASB und DRK werden Info-Blätter verteilen und sind Ansprechpartner.

Die Lüneburger Aktion findet einen Tag nach dem bundesweiten „Tag gegen den Schlaganfall“ statt. Laut der Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe erleiden bundesweit pro Jahr 270.000 Menschen einen Schlaganfall, er ist häufigste Ursache für lebenslange Behinderungen im Erwachsenenalter. „Um diese zu verhindern oder zu reduzieren, ist schnelles Handeln wichtig“, sagt Prof. Dr. Henning Henningsen, Chefarzt der Klinik für Neurologie am Städtischen Klinikum. „Das zentrale Problem ist aber, dass viele Menschen die Symptome für einen Schlaganfall nicht kennen. Deshalb ist es wichtig, auf diese immer wieder aufmerksam zu machen.“

Rasches, koordiniertes Handeln ist entscheidend

Ein weiteres Kernproblem ist, dass die Vorboten wie vorübergehende Taubheit einer Körperhälfte oder jähe Sprach- und Sehstörungen nicht weh tun. Deshalb werden diese Alarmzeichen nicht von jedem Patienten ernst genommen. „Anders als beim Herzinfarkt, bei dem der Patient einen starken Schmerz in der Brust empfindet und deshalb sofort den Notarzt ruft. Dieses sofortige Handeln wünschen wir uns auch bei Vorboten des Schlaganfalls“, appelliert der Mediziner.

Denn bei der akuten Schlaganfallbehandlung ist rasches, koordiniertes Handeln entscheidend. Nur wenn innerhalb der ersten Stunden nach dem Ereignis eine Behandlung in der Klinik eingeleitet wird, besteht die Chance, dass es nicht zu lebenslangen Behinderungen kommt. „Es gilt der Leitsatz ‚Time is brain‘ (Zeit ist Hirn): Je später die Behandlung eingeleitet wird, desto mehr Hirngewebe geht verloren.“

Initiative ,,Lüneburg gegen Schlaganfall“

Im Schlaganfall-Zentrum der Neurologischen Klinik in Lüneburg werden jährlich 850 Patienten behandelt. Um verstopfte Gefäße wieder zu öffnen, wird auch die Blutgerinnsel-auflösende systemische Thrombolyse – auch kurz Lyse genannt – eingesetzt. Diese muss allerdings möglichst innerhalb von viereinhalb Stunden nach Auftreten der ersten Schlaganfallsymptome beginnen. „Inzwischen sind wir auch in der Lage, sehr große verstopfte Hirngefäße mit einer neuen Behandlungsmethode zu öffnen. Dabei verwenden wir einen sehr dünnen Katheter, der an die Stelle des Gefäßverschlusses geführt wird. Mit dem Katheter wird das Blutgerinnsel dann mechanisch entfernt und abgesaugt“, erläutert Chefarzt Henningsen.

Um die Lüneburger Bürger aufzuklären, wurde bereits vor 15 Jahren die Initiative ,,Lüneburg gegen Schlaganfall“ gegründet. Niedergelassene Neurologen, Hausärzte und Internisten sowie das DRK und der ASB veranstalteten schon öfter Aktionen rund um den Tag des Schlaganfalls. Henningsen: ,,In den ersten Monaten nach solchen Info-Aktionen steigt der Anteil der Patienten, die sich rechtzeitig nach Auftreten der Symptome in der Klinik melden, jeweils an. Leider hält dieser Effekt nicht auf Dauer an. Wir müssen die Bevölkerung deshalb immer wieder neu informieren und über die Symptome des Schlaganfalls aufklären.“

Von Antje Schäfer

Hintergrund

Symptome des Schlaganfalls

  • Betroffene sollten bei folgenden Symptomen – auch wenn sie nur vorübergehend auftreten – sofort die Notrufnummer 112 wählen:
  • Lähmungserscheinungen an Arm, Gesicht oder Bein (besonders halbseitig)
  • Sehstörungen mit plötzlicher Erblindung eines Auges, Verlust eines Gesichtsfeldes, Sehen von Doppelbildern
  • Sprach- oder Sprechstörungen (Gesprochenes wird nicht verstanden, Silben werden verdreht, falsche Laute werden verwendet, verwaschene Sprache)
  • Taubheit auf einer Körperseite (vollständig oder teilweise)
  • Gleichgewichtsstörungen, starker Schwindel oder Koordinationsschwäche
  • Unsicherheit beim Gehen mit/ohne Fallneigung
  • Bewusstseinsveränderungen, Übelkeit mit Schläfrigkeit