Mittwoch , 23. September 2020
Markus Graff zu seinem Lieblingsort: „In fußläufiger Enternung eine Gaststätte zu haben, ist ein großer Vorteil. Bei Wirt Tasso trifft man immer nette Leute und außerdem ist mein Sparklub „Zwanglos“ dort beheimatet.“ Foto: t&w

Mit Udo fängt der Tag gut an

Was bedeutet für Sie Heimat?
Die Definition „Heimat“ ist recht schwierig. Ich verstehe unter Heimat den Ort, an dem ich meinen Lebensmittelpunkt habe und mich w ohl fühle. Ich mache das nicht an Ländernamen fest.

Lassen Sie einmal Ihre Fantasie schweifen. Wie würde Ihr idealer Landkreis aussehen?
Wir hätten eine funktionierende Zugverbindung Lüneburg-Bleckede und Lüneburg-Amelinghausen. Der ÖPNV wäre kostenfrei für die Bürgerinnen und Bürger. In jedem Ort gibt es CarSharing Stationen und der ÖPNV ist mit den Bürgerbussen verwoben. Wir haben in den kleinen Orten Bürgerläden die sowohl als soziale Treffpunkte als auch der Grundversorgung dienen. Eine Verkehrs- und Energiewende muss geschafft werden. Eine Kreissiedlungsgesellschaft sorgt dafür, dass kreisweit bezahlbare Wohnungen gebaut werden.

Welchen Teil dieses Traums werden Sie verwirklichen können, wenn Sie Landrat sind?
Ein Landrat ist nicht Superman. Alles was verändert werden muss, geht nur in enger Zusammenarbeit mit dem Kreistag. Deshalb ist die Voraussetzung aller Veränderungen das Gespräch miteinander. Ich könnte mir aber vorstellen, dass die oben genannten Punkte durchzusetzen sind. Wobei die Zuständigkeit für die Zugverbindungen beim Land liegt.

Was schätzen Sie an einem Menschen im Besonderen?
Verlässlichkeit.

Wie verbringen Sie Ihre Freizeit am liebsten?
Ausgedehnte Spaziergänge im Landkreis Lüneburg sowie Heimspiele des FC St. Pauli.

Was ist das Verrückteste, das Sie je gemacht haben?
Meinen festen Arbeitsplatz bei der Kassenärztlichen Vereinigung zu kündigen und das Lehramtsstudium zu beginnen. Während des Studiums hat meine Frau die Familie ernährt.

Sind Sie auch manchmal politikverdrossen? Warum?
Ja, wenn ich feststellen muss, dass die Kinder- und Altersarmut immer weiter zunimmt und die anderen Parteien nichts dagegen tun. Wenn das Wort „Brexit“ auftaucht, höre ich weg. Dieses Thema lähmt Europa. Es gibt viele wichtigere Dinge, die anstehen. Großbritannien will raus aus der EU, dann sollen sie gehen. „Reisende soll man nicht aufhalten.“

Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?
„Die Hungrigen und die Satten“ von Timur Vermes. In diesem satirischen Roman dreht es sich um 150 000 Bewohner eines afrikanischen Flüchtlingscamps, die sich zu Fuß auf den Weg in ein abgeschottetes Europa machen und dabei hohe Wellen in Medien und Politik schlagen.

Welches ist Ihre Lieblingsspeise?
Rouladen mit Semmelknödel und Rotkohl sowie Grünkohl mit Bregenwurst.

Welches Ereignis hat Sie besonders geprägt?
Mein Schlaganfall vor 5 Jahren. So ein Ereignis ist eine Zäsur im Leben. Viele Dinge habe ich seitdem verändert. Ich habe meinen Lehrerberuf aufgegeben, bin wieder politisch aktiv geworden und mache (wenn möglich) nur noch die Dinge, die ich machen möchte. Landrat möchte ich sehr gerne werden.

Von wem haben Sie am meisten gelernt?
Kann ich nicht sagen. Es gibt prägende Menschen in meinem Leben. Von denen habe ich gelernt und lerne noch immer.

Welche Musik hören Sie gerne?
Morgens ein Lied von Udo Lindenberg und der Tag fängt gut an.

Haben Sie einen Lieblingsfilm? Welchen?
Ja, Avatar und ich warte schon seit Jahren auf eine Fortsetzung. James Cameron ist ein toller Regisseur.

Was ist Ihre schönste Kindheitserinnerung?
Ich hatte ein „Bonanzafahrrad“ mit Dreigangschaltung, Bananensattel und Fuchsschwanz.

Welches ist Ihr liebstes Reiseziel?
Spanien und Grömitz.

Wann und wohin sind Sie nach dem Mauerfall zunächst in die damalige DDR gefahren?
Meine Frau hat Verwandte in Strehlen bei Karstädt. Dorthin ging die erste Fahrt.

Welches ist die beeindruckendste Person, die Sie je getroffen haben?
Ich habe vor vielen Jahren einmal mit Jürgen Trittin allein im Zugabteil von Berlin nach Hamburg gesessen. Ich habe dabei viel gelernt, bin aber leider selten zu Wort gekommen. Er hatte wirklich auf alle Fragen eine ausführliche Antwort.

Als Sie das erste Mal wählen durften (wann war das, bei welcher Wahl), für wen haben Sie sich entschieden?
Das war die Kommunalwahl 1981. Dort konnte ich mich selbst wählen, denn ich habe erstmals für den Gemeinderat Adendorf kandidiert.

Warum sollte sich ein junger Mensch heute in der Kommunalpolitik engagieren?
Fridays for Future stellt berechtigte Forderungen auf. Die Umsetzung beginnt aber auf kommunaler Ebene. Im Ortsrat, Gemeinderat oder im Stadtrat. Hier kann großes Übel verhindert werden. Säßen im Stadtrat Lüneburg mehr Menschen mit ökologischem Sachverstand, wäre die Zerstörung des „Grüngürtel West“ kein Thema mehr. In zwei Jahren ist Kommunalwahl!

Nach welchem Motto leben Sie?
Carpe diem (genieße den Tag).

Die LZ lädt zum öffentlichen Wahlforum mit allen vier Landratskandidaten am Montag, 6. Mai, um 19 Uhr in die Domäne Scharnebeck. Der Eintritt ist frei.

Zur Person: Markus Graff

Von CDU über Grüne zu den Linken

Geboren: 1960 in Greven, aufgewachsen in Adendorf, Verheiratet, ein Kind (29)

Beruf: Verwaltungsangestellter, Lehrer, Geschäftsführer

Wichtige berufliche Stationen: Viele Jahre Lehrer an der Christianischule

Parteimitglied seit/frühere Mitgliedschaften: Das Leben ändert sich, die politischen Ansichten auch. 1981 bis 1989 CDU, 1989 bis 2006 Die Grünen, ab 2016 Die Linke

Ich kandidiere als Landrat, weil ich den Landkreis ökologisch und ökonomisch voran bringen möchte. Im Zukunftsatlas sind alle 402 Landkreise verzeichnet. Der Landkreis Lüneburg steht auf Platz 178. Mittelmaß darf nicht reichen.

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