Sonntag , 20. September 2020
Ole (r.) und Lias sind mit ihrer Oma Birgit Weidemeier gekommen. Die Jungs sind begeistert vom Offshore-Unterstützungsschiff, das Christian Koch steuert. Foto: t&w

Das Schwimmbad wird zum Hafenbecken

Lüneburg. Ok, es ist nur das Freibad Hagen, aber das Schiff sieht aus, als wäre es für schwere See gemacht: Massiver Bug, an dem Wellen brechen, ein Körper, der nach harter Arbeit aussieht. Seit 2011 arbeitet Christian Koch dem „Offshore-Unterstützungsschiff“, dass als Versorger Bohrinseln ansteuert. Heute ist der 47-Jährige stolz, „zu zeigen, was ich geschafft habe“. Nur nach einem Foto habe er den Kraftprotz nachgebaut, lediglich die Steuerungstechnik habe er gekauft. Der Wert? „Was soll ich dazu sagen, Material 1500 Euro, ein bisschen mehr. Die Stunden darfst du nicht zählen. Ist ein Hobby.“

Der Hamburger Rohrleitungsbauer ist einer von 80 Teilnehmern, die ihre Modellboote und -autos traditionell am 1. Mai zum Saisonstart in Hagen präsentieren. Da ächzen dann fast zwei Meter lange martialische Kriegsschiffe neben eleganten Seglern durchs Bassin. Der Pool verwandelt sich in eine große Bühne, Hunderte Zuschauer staunen.

Wie Lias und Ole, die mit ihrer Großmutter gekommen sind. „Die beiden schwärmen für Schiffe“, sagt Birgit Weidemeier. „Und hier sind so viele zu sehen, je mehr da sind, desto begeisterter sind sie.“ Nicht nur die Schiffsschau sei klasse für die Dreijährigen: „Wir kommen wieder, wenn‘s wärmer wird, wollen wir ins Wasser rutschen.“

Hartgesottene Frühschwimmer stehen schon vor der Tür

Heute, Donnerstag, startet das Freibad mit seinen 40.000 Quadratmeter Fläche und dem 50-Meter Sportbecken in die Saison. SaLü-Geschäftsführer Dirk Günther ist sich sicher: „Die hartgesottenen Frühschwimmer stehen dann schon vor der Tür – egal wie das Wetter ist.“ Günther rechnete am Mittwoch mit rund 3000 Besuchern, die sich nicht nur für den Modellbau interessieren, sondern auch an den rund 140 Flohmarktständen stöbern.

Zufrieden ist Heiko Mummert vom Modellbau-Club: Es seien viele Modellbauer aus der Region gekommen, dazu die Besucher. Der Vereinschef hofft, Nachwuchs zu finden. Denn die 32 Mitglieder seien eher älter: „Junge Leute können wir gebrauchen.“ Er wirbt schon für den nächsten großen Streich seines Vereins: Am 20. und 21. Juli laden sie ins Walter-Maack-Stadion in Adendorf ein, da soll dann eine Miniaturwelt unter dem Motto Modell-Truck-Nord.de entstehen.

Christian Koch lässt derweil sein Schiff durchs Bassin ziehen. Er hat schon die nächsten Pläne für Um- und Ausbauten: „Wie gesagt, fertig wirst du nie mit so einem Teil.“

Von Carlo Eggeling