Mittwoch , 23. September 2020
Der Vorsitzende des TuS Hohnstorf, Peter Pfeffer, und Vorstandsmitglied sowie CDU-Ratsfrau Annette Kork möchten, dass die Samtgemeinde Scharnebeck die bestehende Regelung aktualisiert, den Verein von der weiteren Zahlung von Betriebskosten für die Sporthalle befreit. Gleiches gilt für den TuS Brietlingen. Foto: t&w

Schuld geleistet?

Hohnstorf/Elbe. Ein Arbeitskreis ist kein Ausschuss, und Anträge werden gerne mal geändert beschlossen, haben mit ihrem Ursprung dann gar nicht mehr viel gemein . Wenn es dann noch mit der Kommunikation hakt, ist die Verwirrung groß. Das musste jetzt auch Peter Pfeffer erfahren.

Seit Anfang 2017 ist der ehemalige Mitarbeiter der Landesschulbehörde Vorsitzender des TuS Hohnstorf, leitet einen Breitensportverein mit knapp 1000 Mitgliedern, Tendenz rückläufig: Neue Sportangebote sind vonnöten, Übungsleiter müssen eingestellt werden – das kostet Geld. Da müssen die Einnahmen gestärkt und die Kosten gesenkt werden. Und das war sein Plan.

Sporthalle größer als für Schulsport notwendig

Mit einem Antrag hatte sich der TuS Hohnstorf deshalb über sein Vorstandsmitglied Annette Kork, gleichzeitig CDU-Ratsfrau, Anfang Juli vergangenen Jahres an den Samtgemeinderat Scharnebeck gewendet, wollte eine seit 2006 geltende Vereinbarung auf den Prüfstand bringen. In dieser hatte sich der Verein damals verpflichtet, sich neben den Bau- auch an den Bewirtschaftungskosten für die neu gebaute Halle in Hohnstorf zu beteiligen. Im Gegenzug wurde dafür ein weitaus größeres Gebäude errichtet, als für den Schulsport notwendig. Seinen Beitrag sieht der Verein mittlerweile als geleistet an – ebenso wie der TuS Brietlingen, der seit 2012 vergleichbare Zahlungen leistet.

„Die CDU Fraktion ist der Meinung, dass … beide Vereine über Jahre eine finanzielle Beteiligung erbracht haben, die sicherlich der größeren Hallen geschuldet war, aber auch einem wesentlich höherem Sportangebot gedient haben, als das bei kleineren Gemeinden wie Echem und Artlenburg der Fall war“, heißt es in der Begründung. Diese würden, wie auch die SV Scharnebeck, öffentliche Hallen nutzen, ohne zu zahlen. „Die Samtgemeinde sollte diesen Tatbestand ändern und … auf die weitere Beteiligung an den Betriebskosten verzichten“, heißt es in dem Antrag, der im August 2018 zunächst im Fachausschuss Jugend, Sport und Soziales beraten wurde.

Antrag findet keine Mehrheit in Ausschuss und Rat

Eine Mehrheit fand das Anliegen dort nicht, stattdessen sollte ein „interfraktioneller Arbeitskreis aus Mitgliedern der Politik, der Sportvereine und der Verwaltung gebildet werden, um die geltende Vereinbarung zu überprüfen und zeitgemäße Regelungen auszuarbeiten“, so der weitergehende Antrag, der beschlossen und später im Samtgemeinderat von der Mehrheitsgruppe aus Grünen, SPD und FWGUBS/FDP/Jackmann abgenickt wurde. „Das wirkte für mich eher wie ein Trostpflaster“, so Pfeffer, „denn der Arbeitskreis hatte eigentlich eine ganz andere Stoßrichtung, sollte sich mit Zuschüssen an alle Vereine befassen.“

Zwischenzeitlich hatte der TuS Hohnstorf selber nochmal eine Petition an die Samtgemeinde gestellt, die zur Beratung im Sport- und Sozialausschuss landete. Auch Peter Pfeffer und Frank Hahn, Vorsitzender des TuS Brietlingen, waren dazu zunächst ein-, später wieder ausgeladen worden. „Es gab wohl Unstimmigkeiten, wer als Verein gebeten werden sollte“, so der TuS Hohnstorf-Vorsitzende. Während der Sitzung wurde die Bildung eines Arbeitskreises diskutiert, dieses dann laut Protokoll aber abgelehnt. Eine Entwicklung, die auch Ausschussvorsitzender Matthias Naß bedauert – allerdings aus anderen Gründen.

„Das wirkte für mich wie ein Trostpflaster, denn der Arbeitskreis hatte eigentlich eine ganz andere Stoßrichtung.“ – Peter Pfeffer, Vorsitzender TuS Hohnstorf

„Der Samtgemeinderat hatte auf Antrag der Mehrheitsfraktion eine Erhöhung der Sportförderung beschlossen“, erklärt er, „davon sollten 10 000 Euro allein als Zuschüsse für Übungsleiter bereitgestellt werden.“ Um diese nicht wahllos zu verteilen, sondern in Kooperation mit den Vereinen den eigentlichen Bedarf zu ermitteln, wollte er ein Gremium implementieren, das auch nicht-öffentlich tagen könne: einen Arbeitskreis.
Verstanden wurde sein Anliegen nicht: Einen gesonderten Arbeitskreis wollte der Ausschuss nicht gründen, stattdessen selber „anlassbezogen, unter Hinzuziehung von Externen, zu diversen Fragen beraten“. Die Vereinsvorsitzenden wurden aber doch noch gehört: „Mitte Februar nahm ich nach telefonischer Einladung an der Ausschuss-Sitzung teil“, berichtet Pfeffer, „und stellte überrascht fest, dass unser Antrag auf der Tagesordnung stand.“ Diskutiert wurde dieser dennoch nicht. „Vielmehr wollte man von uns einen Bericht über unsere Jugendarbeit und Übungsleiterbesorgung haben.“

TuS Hohnstorf hat seit 2006 über 300 000 Euro gezahlt

Dazu erklärt Naß: „Entgegen meiner Empfehlung wurden als erstes Herr Pfeffer und Herr Hahn eingeladen, um über die Zukunft ihrer Vereine und mögliche Hilfe durch die Samtgemeinde zu sprechen. Das suggerierte denen leider, dass es um die Diskussion der Betriebskosten gehe. Daher die Irritation.“

Gezahlt wird deshalb auch weiterhin: „Wir haben seit 2006 weit mehr als 300 000 Euro Bewirtschaftungskosten erbracht, Geld, das wir dringend benötigen, um unsere Aufgaben zu erfüllen und uns den neuen Herausforderungen stellen. Und dabei wird immer davon gesprochen, dass das Ehrenamt und die Vereine gefördert werden sollen“, sagt Pfeffer.

von Ute Lühr