Dienstag , 29. September 2020
Feuerwehr und Rettungsdienst hatten am Tag des Brandes Menschen in Sicherheit gebracht und sie versorgt. Noch ist nicht für alle dauerhaft eine neue Unterkunft gefunden. Foto: be

Eine kurze Rückkehr

Lüneburg. Seinen vergangenen Geburtstag dürfte Hans-Peter Ment nicht vergessen: Als er 80 wurde, stand das Heiligengeiststift in Flammen, seine Wohnung war perdu. Das ist zweieinhalb Wochen her. Ment lobt zwar, dass er Hilfe erhielt. Doch er wünscht sich mehr: „Ich fühle mich alleingelassen. In meinem Alter und mit meiner Geschichte habe ich nicht die Power, die Sachen neu zu organisieren.“ Er ist durch Vermittlung der Stadt im Heim Alte Saline untergekommen, doch es gefällt ihm dort nicht: „Ich habe einen Mitbewohner, der ist unruhig.“ Überdies komme er nicht an seine Sachen in der Wohnung. Zumindest das soll sich ändern: Die Verwaltung will die ehemaligen Bewohner kurz und auf eigene Gefahr in das einsturzgefährdete Brandhaus lassen, bestätigt Sprecherin Suzanne Moenck.

„Die jüngsten Untersuchungen haben ergeben, dass die statische Sicherheit des Gebäudes soweit gegeben ist, dass die Bewohner mit Begleitung, Terminabsprache und mit entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen in den nächsten Tagen kurz ihre Wohnung besichtigen können“, sagt Suzanne Moenck. „Es kann dabei im ersten Schritt nur darum gehen, sich einen kurzen Überblick zu verschaffen und womöglich erhaltene persönliche Dinge rauszuholen. Wer das Haus betreten will, kann das auch nur auf eigene Gefahr tun.“

„Es ist schon eine Herausforderung für uns“

Von den insgesamt 13 Mietern im Stift hätten sich sieben selbst ein Ausweichquartier organisieren können, bilanziert sie. Sechs Personen seien von der Stadt in der Einrichtung Alte Saline untergebracht worden.

Dort sagt Leiter Rüdiger Seide: „Es ist schon eine Herausforderung für uns, die Menschen aus dem Stand aufzunehmen.“ Nach einem Moment der Eingewöhnung laufe es nun ganz gut. Doch nicht alle derjenigen seien in einer Senioreneinrichtung richtig untergebracht, denn Pflege und Betreuung sei für sie kein Thema: „Die können eigenständig leben. Die sind immer unterwegs und nur zum Schlafen hier.“

Noch nicht geklärt sei, wer für die Unterkunft der Menschen aufkomme. Die Rechtslage sei schwierig. Denn in einem Heim spielten Pflegekasse und ein eigener finanzieller Anteil der Bewohner eine Rolle. Man sei mit der Stadt im Gespräch, um offene Fragen zu klären. Auch die, wie lange die abgebrannten Heiligengeistler noch bleiben.

Neue Wohnung für 117 Euro Miete im Monat?

Darum geht es auch Hans-Peter Ment. Er habe im Stift in einer Eineinhalb-Zimmer-Wohnung mit einer Miete von 117 Euro im Monat sehr günstig gelebt. Er hat Sorge, dass er künftig mehr zahlen muss: „Man hat mir gesagt, ich bin verantwortlich, eine Wohnung zu suchen.“ Doch es sei in Lüneburg schwierig, vor allem in seiner Lage.

Suzanne Moenck sagt dazu: „Der Stadt liegen bereits einige Wohnungsangebote vor, von der Gesellschaft Lüwo und den Stiftungen, aber auch von privat. Wir freuen uns auch über weitere Offerten. Das Team des Seniorenstützpunktes hat bereits Besichtigungstermine organisiert und auf Wunsch auch begleitet. Denn der Aufenthalt im Heim soll keine Dauerlösung sein, es sei denn, jemand möchte dies. Unsere Vorstellung ist, dass die Bewohner bis zum Juni in eine der angebotenen Wohnungen umziehen können.“ Bei Wohngeld und anderen Leistungen berate man.

Doch offenbar ist es nicht einfach, mit allen Betroffenen eine Lösung zu finden: „Wir helfen, wo wir können. Aber wir sind auch darauf angewiesen, dass die Bewohner Hilfe annehmen und Kompromisse eingehen. Das lässt sich leider in einer Notlage nicht anders einrichten.“

Von Carlo Eggeling

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