Donnerstag , 22. Oktober 2020
Dschungelcamp-Teilnehmerin Nathalie Volk (r.) und ihre Mutter. Foto: A/be

Jetzt soll es eine andere Krankheit gewesen sein

Lüneburg. Darf die Mutter der Dschungelcamp-Teilnehmerin Nathalie Volk weiter als Lehrerin arbeiten oder nicht? Um diese Frage ging es am Mittwoch vor dem Lüneburger Verwaltungsgericht. Es hatte über eine Klage der Landesschulbehörde zu entscheiden, die die Entlassung der Soltauer Lehrerin aus dem Schuldienst fordert, da sie unberechtigt dem Unterricht ferngeblieben war und stattdessen ihre Tochter zur RTL-Sendung nach Australien begleitete. Eine Entscheidung fasste das Gericht noch nicht, Grund war ein Hilfsbeweisantrag des Anwalts der Beklagten.

Unter einem „depressiven Erschöpfungszustand“ habe seine Mandantin im Januar 2016 gelitten, als sie dem Unterricht fernblieb, um dann mit ihrer Tochter nach Australien zu reisen, erklärte Anwalt Michael Gladow in der Verhandlung. Weil aber diese Erkrankung von dem Sachverständigen in der vorangegangenen Verhandlung vor dem Lüneburger Landgericht gar nicht in den Blick genommen worden sei – er hatte keine Erkankung erkennen können –, solle dies nun erneut zur Sprache kommen. Gladow: „Die Erkrankung, die damals attestiert wurde, gab es nicht. Aber eine andere.“

Rechtfertigt Vergehen den Verlust des Beamtenstatus‘?

Mit dieser Begründung für seinen Hilfsbeweisantrag rückte Anwalt Gladow nach gut einer Stunde heraus, nachdem er zuvor ausführlich die Situation und Motivation seiner Mandantin geschildert hatte. Dabei räumte er Fehler der 49-Jährigen ein, die wegen der erschlichenen Krankschreibung bereits vom Landgericht Lüneburg rechtskräftig verurteilt wurde. „Ja, sie hat sich strafbar gemacht“, sagte Gladow, doch ihr Vergehen rechtfertige eine Entlassung aus dem Schuldienst nicht. Dazu führte der Anwalt andere Gerichtsurteile an, die zwar anders gelagert seien, aber trotz der Härte der Vergehen nicht gleich zu einer Entlassung geführt hätten.

Die aber wird von der Landesschulbehörde gefordert – ungeachtet der ihr gegenüber zwischenzeitlich von der Lehrerin abgegebenen Entschuldigung. Zwar begrüße man die Entschuldigung, ebenso, dass sie ihre Fehler einräume, doch das ändere nichts daran, dass aus Sicht der Behörde das Dienstverhältnis „endgültig zerstört“ sei, wie der Anwalt der Klägerin erklärte. Dass sie als Lehrerin ihren Erziehungsauftrag noch erfüllen könne, sei nicht zu erkennen. Nicht zuletzt, weil sie auch nach dem Australien-Ausflug und trotz Ermahnung die Öffentlichkeit in Form von Interviews gesucht habe. Die charakterlichen Mängel seien so groß, dass es für sie im niedersächsischen Schuldienst „keinen Platz mehr“ gebe.

Schulbehörde hat Zweifel an ihrer charakterlichen Eignung

Dass die Dienstvergehen der Beklagten unstreitig sind, machte der Vorsitzende Richter Frank Hüsing in der Verhandlung deutlich. Hier gehe es aber um die Frage, „welche Sanktionen da­raus folgen sollen“ – eine Zurückstufung, Kürzung der Dienstbezüge, Geldstrafe oder der geforderte Verweis. Zu berücksichtigen sei dabei auch, dass sie auch nach 2016 weiterhin die Öffentlichkeit gesucht habe. „Irgendwann sollte das Nachdenken einsetzen“, sagte er.

„Es ist viel falsch gelaufen“, räumte Anwalt Gladow ein, der ohne seine Mandantin vor Gericht erschienen war, um ein erneutes „Blitzlichtgewitter der Medien“ zu vermeiden und als Ausdruck dafür, dass sie „aus ihren Fehlern gelernt“ habe. Er sagte aber auch, dass auch sie als Lehrerin das Recht habe, aus ihren Fehlern lernen zu dürfen, ohne gleich ihre berufliche Existenz zu verlieren. „Schließlich ist sie zuvor nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten.“

Noch steht die Entscheidung des Gerichts aus. Die Landesschulbehörde erklärte, eine Berufung prüfen zu wollen, sollte sie mit ihrer Klage scheitern. Der Anwalt der Lehrerin gab keine Erklärungen ab.

Von Ulf Stüwe

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