Dienstag , 29. September 2020
Michael Braungart präsentiert die Ideen für das „Museum der Zukunft“. Wie berichtet, hat er das städtische Gebäude gekauft, um ein Forschungs- und Entwicklungslabor aufzubauen. Foto: fr

Zeitreise in eine erhoffte Welt ohne Müll

Lüneburg. Fahrrad fahren und Bio-Produkte kaufen, um ein bisschen weniger der Umwelt zu schaden? Klingt gut, aber Michael Braungart reicht das nicht. Er will sehr viel mehr tun: „Statt nur weniger schlecht, können wir nützlich sein.“ Der Chemiker und Verfahrenstechniker ist einer der Initiatoren des „Museums der Zukunft“, das in dem ehemaligen Hort an der Papenstraße entsteht. Zusammen mit dem pädagogischen Leiter Gerhard Cassens und den Architekten Stephan Seeger und Susanne Puschmann informierte er jetzt über den Stand der Ideen für das Museum; die Lüneburger Band Casino-Set lockerte dabei die Stimmung.

Das Institut wird anders werden, als man es von einem Museum erwartet: Interessierte werden nicht in die Vergangenheit reisen, sondern über die Zukunft forschen und diskutieren. Im Vordergrund steht der Ansatz „Cradle-to-Cradle“, der auch beim Umbau und bei der Gestaltung des Hauses eine große Rolle spielt. „Cradle-to-Cradle“ heißt auf deutsch „von der Wiege zu Wiege“.

Natürliche Kreisläufe als Vorbild

Das Konzept hat Braungart gemeinsam mit William McDonough entwickelt, es sieht vor, dass sich alle Rohstoffe in einem Kreislauf befinden sollen: Entweder in einem biologischen, in dem natürliche Materialien zur Natur zurückkehren und neues Wachstum anregen, oder in einem technischen, in dem Metalle oder Kunststoffe ständig weiterverwendet werden. Was dabei nicht entstehen soll: Abfall.

Wichtig ist für Cassens, dass Menschen in dem Haus ins Gespräch kommen: „Politiker und ihre Nicht-Wähler, Hersteller und ihre Nicht-Kunden sollen sich hier treffen, ebenso Initiativen und andere Gruppen. Sie sollen hierherkommen, um zusammen Veränderungen gegen die Klimabelastung hinzubekommen.“ Das Haus habe offene Türen und einen offenen Garten: „Auch wenn jemand einen Flohmarkt machen will oder Tomaten pflanzen, ist er willkommen“, sagt Braungart. In den Keller kommt ein Raum für Forschung: Hier werden Studenten Pilze züchten, aus denen natürliches Material für Dämmungen entsteht.

Keine Zeitfrist

Noch wärmt ein Holzofen die Räume, doch das soll nur eine Zwischenlösung sein: Braungart plant ein anspruchsvolles Heizungskonzept mit Algenöl sowie einen Teppichboden, der Feinstaub bindet. Stühle aus essbaren Bezugsstoffen gehören bereits zur Ausstattung. Beim Umbau des denkmalgeschützten Hauses helfen Lüneburger Architekten. „Wir werden schauen, wo wir technisch nachrüsten können und Materialien verwenden können, die ins Cradle-to-Cradle-Prinzip passen“, erklärt Stephan Seeger.

Michael Braungart setzt keine Zeitfrist. Das Museum sei ein Labor, das sich stetig weiterentwickelt, sagt er. Träger ist das Hamburger Umweltinstitut, ein gemeinnütziger Verein, der sich hauptsächlich aus Spenden finanziert.

Von Franziska Ruf