Montag , 21. September 2020
Das eingespielte Duo Thomas Pumptow (l.) und Andreas Klingemann baut Stege und Anleger im Artlenburger Hafen auf. Foto: t&w

Klar Schiff an der Elbe

Artlenburg. Noch ist es überschaubar im Artlenburger Hafen. Bislang dümpelt erst eine Handvoll Boote im Wasser der Elbe. Sie liegen fest vertaut am gemeindeeigenen Steg und wiegen sanft hin und her im leicht böigen Nordostwind. Dass nach dem Saisonstart am vorigen Sonnabend noch nichts los ist, kommt Gemeindearbeiter Thomas Pumptow und seinem Kollegen Andreas Klingemann entgegen. Sie haben jetzt noch den nötigen Platz und wenig Gewusel um sich herum, damit sie ungestört weitere neun Stege und Anleger im Hafenbecken installieren können.

Landwirt Holger Freese aus der Nachbarschaft hilft den beiden Männern. „Er hievt mit dem verlängerten Frontlader seines Treckers die Stege ins Wasser. Ohne seine Hilfe ginge es nicht“, erzählt Thomas Pumptow. Schon ab Ende der Woche wäre es für ihn und Andreas Klingemann deutlich schwieriger, die Anleger aufzubauen, weil zahlreiche Skipper und Schiffe ihnen im Weg wären. „Am Wochenende geht es richtig los. Rechtzeitig vor Ostern wollen viele ihre Schiffe und Boote ins Wasser bringen, damit sie an den Feiertagen an Bord können“, sagt Andreas Klingemann.

„Es muss jetzt nur noch Kleinkram erledigt werden“

Im Winter ist er Gemeindearbeiter in Artlenburg, von Frühjahr bis Herbst bereits im siebten Jahr Hafenmeister sowie Camping- und Wohnmobilwart auf dem Campingplatz des Fleckens, der direkt an den Bootshafen angrenzt und wie die Marina im Deichvorland mit Blick auf die Elbe liegt. Die Lage macht es nötig, dass wegen der Hochwasser- und Eisgefahr jedes Jahr nach Saisonende abgebaut und zum nächsten Jahr wieder aufgebaut werden muss.

Unterstützt wird Andreas Klingemann seit vier Jahren von Udo Dabberdt, einem Rentner aus Lauenburg, der selber Wohnwagen und Vorzelt auf dem Platz schon bezogen hat. Die beiden haben in den vergangenen Tagen ordentlich reingehauen. „Es muss jetzt nur noch Kleinkram erledigt werden, wie Rasen mähen und den Flaggenmast mit Fahnen bestücken“, berichtet er. Die großen Dinge haben er und sein Assistent bereits erledigt: Acht Container haben sie aufgestellt, in denen sich Sanitäranlagen, Büro und Materiallager befinden, 33 Stromkästen aufgebaut, Dutzende Hecken geschnitten. Und sie haben nicht zu früh begonnen, den Platz herzurichten.

Insgesamt 90 Dauercampern

„Die ersten Wohnmobile kamen gleich am vergangenen Sonnabend zur Eröffnung angerollt“, sagt Klingemann. „Sie kamen aus Schweden, Norwegen, Hamburg und Lübeck“, ergänzt Udo Dabberdt. Und auch die ersten von insgesamt 90 Dauercampern sind bereits jetzt in ansehnlicher Zahl da. „Sie haben alle dem Start in die Saison entgegengefiebert und schon ordentlich mit den Hufen gescharrt“, sagt er lachend.

Ein Gefühl, das er und Andreas Klingemann gut kennen. „Auch wir freuen uns, dass es wieder losgeht“, sind sich die beiden einig. Schließlich verbringen sie und die Gäste, die vor allem aus Deutschland, Skandinavien, Frankreich und den Niederlanden kommen, ihre Zeit in einem echten Natur-Idyll an der Elbe, in vertrauter Nachbarschaft mit Bibern, Füchsen, Wildgänsen, Möwen und sogar schwarzen Minks, aus Nordamerika stammenden Nerzen.

Rund 40 Stellplätze für Wohnmobile

Bis zu 210 Liegeplätze für Boote bieten Flecken Artlenburg und die benachbarten Segel- und Bootsclubs an. Auf dem Campingareal gibt es rund 40 Stellplätze für Wohnmobile und Gespanne sowie weitere für Zelte. Schiffe gucken, Radfahren, Natur genießen: „Viele mögen das und kommen deshalb immer wieder gerne auch öfter zu uns“, sagt Klingemann.

Doch nicht nur in Artlenburg ist die Elbe angesagt. Im Zeitraum von 2009 bis 2018 stieg die Zahl der Übernachtungen in der Region Flusslandschaft Elbe mit den Kreisen Lüneburg und Harburg von rund 308 000 auf rund 468 300 pro Jahr und erreicht somit eine Steigerungsrate von 44 Prozent in nur zehn Jahren. Das berichtet die Tourismusgesellschaft Flusslandschaft Elbe GmbH. Deren Geschäftsführer Jens Kowald sagt: „Wir haben sehr gute Gastgeber in einer Region, die vor allem von der Natur geprägt ist.“ Auch die sehr gut aufgestellten Campingplätze in der Region trugen ihm zufolge ebenfalls zu diesem Ergebnis bei.

Von Stefan Bohlmann

Zur Sache

Feier am 28. April

Der Kurs.Elbe Tag in Hohns-torf und Lauenburg wird in diesem Jahr am Sonntag, 28. April, ab 11 Uhr gefeiert. Auf beiden Seiten der Elbe erwartet die großen und kleinen Gäste ein buntes Programm mit Schiffskorso, Live-Musik und maritimen Märkten. Höhepunkt des Tages ist der große Schiffskorso um 15 Uhr. Es lohnt sich, einen guten Platz direkt am Ufer der Elbe zu sichern, um den Raddampfer Kaiser Wilhelm, das Fahrgastschiff Lüneburger Heide, die Barkasse Piep, das Präsident-Schäfer-Museumsschiff aus Övelgönne oder den historischen Gemüse-Ewer aus Bergedorf zu bestaunen.

Außerdem dabei sind das Salonschiff Aurora, die Herzog von Lauenburg, der Hafenschlepper Elbe und die Barkasse Schröder aus Boizenburg, das Motorschiff Otto Lauffer, die beiden Barkassen Suhr und Consorten 2 und Sperber.