Donnerstag , 1. Oktober 2020
Der Bäckerei-Verkaufswagen vor dem Edeka-Supermarkt blockierte zwischenzeitlich zwei Behindertenparkplätze. Foto: t&w

„Keiner fühlte sich zuständig“

Hohnstorf/Elbe. Seit einigen Tagen verkauft die Bäckerei Harms Brötchen und Kuchen aus einem mobilen Verkaufswagen neben dem Hohnstorfer Edeka Lange. Zurzeit werden nämlich Umbauten vorgenommen, damit am 12. April das neue Café im Supermarkt eröffnen kann. Doch wer genau hinschaut, sieht, dass der Bäcker zwei von nur drei Behindertenparkplätzen blockiert. Wer zwei funktionierende Beine hat, mag sich vielleicht gar nicht der Folgen dieses Falschparkens bewusst sein.

Angewiesen auf breitere Parkplätze

Doch für Kunden wie Andreas Neubert und seine Lebensgefährtin, die ihren Namen in der Zeitung nicht lesen möchte, ist das Einkaufen oft eine Tortur. Die Lebensgefährtin des 56-Jährigen ist zu 90 Prozent schwerbehindert. Um leichter durch den Alltag zu kommen, wie etwa beim Einkaufen, hat sie einen Parkausweis für Behindertenparkplätze bekommen.

Kann ein betroffener Mensch nicht selbst Auto fahren, können auch Angehörige einen Parkausweis beantragen. Ehepartner, Eltern und Kinder dürfen den Ausweis aber nur nutzen, wenn sie den Menschen mit Schwerbehinderung fahren. Diese speziellen Parkplätze sind so eingerichtet, dass sich die Fahrer- oder Beifahrertür ganz öffnen lässt.

Viele behinderte Menschen, insbesondere Rollstuhlfahrer, benötigen zum Ein- und Aussteigen mehr Platz als andere Menschen. Außerdem haben Menschen mit Gehbehinderung einen kürzeren Weg vom Parkplatz zum Eingang. Wenn jedoch mehr als ein berechtigtes Fahrzeug nun vor dem Supermarkt parken möchte, fehlt diese Parkfläche.

Ein Fehler wurde bestritten

„Bei Nachfragen fühlte sich keiner zuständig und ein Fehler wurde bestritten. Schließlich könnten Menschen mit Behinderung einfach die normalen Parkplätze benutzen, wie jeder andere auch“, erzählt Andreas Neubert.

Wenn kein Behindertenparkplatz vorhanden ist, könne seine Frau aber nicht mehr gleichberechtigt am Leben in der Gesellschaft teilnehmen, sagt er. „Sie kann normal breite Parkplätze nicht nutzen oder muss Angst haben, dass jemand ihr einfach die Tür zuparkt“, fügt er hinzu. Wer auf Behindertenparkplätzen unrechtmäßig parkt, behindert diese Menschen und schränkt sie massiv ein.

Inzwischen äußerte sich Jannik Harms, Geschäftsführer der Bäckerei Harms, zu dem Vorfall: „Wir waren uns gar nicht bewusst über den Standort des Bäckermobils. Uns wurde ein ruhiger Bereich neben dem Supermarkt zugesprochen.“ Inzwischen sei die Bäckerei selbst eingeschritten und der Wagen steht ein paar Meter weiter rechts, sodass die Behindertenparkplätze frei zugänglich sind.

Von Malin Mennrich