Montag , 19. Oktober 2020
Auch pädagogisch wertvolle Projekte können womöglich nur noch auf freiwilliger Basis angeboten werden. (Foto: t&w)

Schulausflüge sind tabu

Lüneburg. Ob eine Theateraufführung, ein Zirkusprojekt oder der Besuch des Umweltbildungszentrums „Schubz“ – unterrichtbegleitende Aktivitäten sind bei Schülern beliebt und auch pädagogisch wertvoll. Sie vermitteln Wissen, das im Unterricht allein nicht geboten werden kann. Doch mit diesen Aktivitäten könnte es nun vorbei sein, sorgen sich Lüneburgs Schulleiter.

„Wir wurden von der Landesschulbehörde darüber informiert, dass solche Projekte künftig nur noch auf freiwilliger Basis stattfinden können“, sagt Frank Stöber, Vorsitzender des Schulleitungsverbands Niedersachsen. Was das konkret bedeutet und welche Auswirkungen es für Schulen und Schüler hat, wollte er vom Kultusministerium wissen, doch ein Gesprächstermin, um den er bereits im Januar gebeten hatte, wurde ihm bislang noch nicht angeboten.

Auslöser waren Beschwerden von Eltern

Die Landesschulbehörde in Lüneburg bestätigt, die Schulleiter bei Dienstbesprechungen entsprechend informiert zu haben. „Anlass waren Beschwerden von Eltern, die sich darauf beriefen, dass Unterricht für Schüler grundsätzlich kostenfrei sein müsse“, erläutert Pressesprecherin Bianca Schöneich. Dieser Grundsatz, wonach Pflichtunterricht auch in Form von Projektunterricht grundsätzlich schulgeldfrei zu erfolgen habe, sei aber „nicht neu“. Lediglich für freiwillige Angebote könnten Elternbeiträge erhoben werden.

Frank Stöber sieht aber genau darin ein Problem: „Wenn wir unterrichtsbegleitende Projekte wie englischsprachige Theateraufführungen oder Autorenlesungen nur noch auf freiwilliger Basis machen können, können wir unser Unterrichtsprogramm einstellen.“

Warten auf Direktive des Ministers

Für viele seiner Lehrerkollegen sei diese Regelung ohnehin neu, „davon haben viele noch nichts gehört“. Sie seien nun verunsichert, wie es weitergehen soll. „Und heißt das, dass wir bisher rechtswidrig gehandelt haben?“ Von Kultusminister Grant Hendrik Tonne erwartet er deshalb eine „klare Direktive“.

Welche Auswirkungen eine konsequente Umsetzung auf die betroffenen Einrichtungen haben könnte, wird am Beispiel des Schubz deutlich. „Rund 500 Schulklassen besuchen uns pro Jahr, finanziell entspricht das etwa einem Volumen von 50 000 Euro“, sagt Schubz-Leiter Dr. Frank Corleis. Er weist aber auch darauf hin, dass es beim Landkreis Lüneburg einen Kultur- und Bildungsfonds gebe, den Schulen in Anspruch nehmen könnten. „Andernfalls gäbe es aber auch die Möglichkeit, dass uns Stadt und Kreis als Träger des Schubz ein Budget für die pädagogische Arbeit zur Verfügung stellen. Dann müssten die Schulen gar nichts bezahlen.“

Die Unsicherheit ist groß

Aus der Landesschulbehörde heißt es, Schulen, die nicht wissen, wie es mit ihren Projekten weitergehen soll, könnten sich in den Fachbereichen Schulrecht der Behörde beraten lassen. Bianca Schöneich: „Lösungen wie eine Finanzierung über das Schulbudget, Fördervereine oder Spenden beziehungsweise freiwillige Zahlungen von Eltern sind grundsätzlich möglich.“

Was diese Regelung für Schulen in Stadt und Kreis nun genau bedeutet, bleibt zunächst unklar, die Unsicherheit ist groß. Die von der LZ kontaktierten Schulen waren nicht bereit, zum Thema Stellung zu nehmen, verwiesen im besten Fall auf die Landesschulbehörde.

Kostenpflichtiger Projektunterricht

Sponsoren können einspringen

Nicht immer muss ein Projekt ausfallen, wenn die dafür erforderlichen finanziellen Mittel nicht aufgebracht werden. Die Landesschulbehörde in Lüneburg sagt: „Unterricht und von der Schule angebotene Veranstaltungen wie Arbeitsgemeinschaft sind im Rahmen der Stundentafel oder des Ganztags für die Eltern grundsätzlich kostenfrei. Elternbeiträge können lediglich für Material erhoben werden, das für die Schüler bestimmt ist. Sofern solche Angebote durch Externe unterstützt oder angeboten werden sollen und dafür Kosten entstehen, können diese Kosten aus dem Schulbudget, gegebenenfalls aus Sponsorenzuwendungen, Spenden oder freiwilligen Leistungen der Eltern finanziert werden. Erfolgt die Finanzierung über Spenden oder Sponsoring, sollte die vorgeschriebene Zustimmung der Landesschulbehörde vor der Annahme der Geldleistung erfolgen.“

Von Ulf Stüwe