Mittwoch , 28. Oktober 2020
Die "Fridays for Future"-Bewegung hat am Montag einen Forderungskatalog mit sechs Punkten veröffentlicht. Auch die Lüneburgerin Lisa Steinwandel (auf diesem Archivfoto von der Demonstration am 15. März mit gelber Jacke) hat daran mitgearbeitet. (Foto: A/t&w)

„Fridays for Future“ veröffentlichen Forderungen

Lüneburg/Berlin. Die Schüler- und Studenteninitiative „Fridays for Future“ hat nach mehrmonatigen Schulstreiks erstmals ein Forderungspapier vorgestellt.

Darin wird unter anderem ein „Ende der Subventionen für fossile Energieträger“ wie Kohle, Öl und Gas noch in diesem Jahr verlangt. Außerdem solle 2019 ein Viertel der derzeitigen Kohlekraftkapazitäten abgeschaltet und eine Kohlendioxid-Steuer auf alle Treibhausgasemissionen erhoben werden, erklärten Vertreter der Initiative am Montag in Berlin.

Das Papier enthalte bewusst keine Maßnahmen, sondern nur Ziele, sagte Linus Steinmetz von „Fridays for Future“. Den geeignetsten Weg zu finden, sei jetzt Aufgabe der Politik in enger Zusammenarbeit mit der Wissenschaft.

Steinmetz kündigte an, dass die Schülerstreiks weiter gehen werden, bis ersichtlich sei, dass die Ziele des Pariser Klimaabkommens tatsächlich angestrebt würden.

Das Abkommen setzt das Ziel, die Erderwärmung auf unter zwei Grad, wenn möglich sogar auf 1,5 Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen.

Die Forderungen von „Fridays for Future“

Im einzelnen mahnt „Fridays for Future“ folgende Ziele an:

  •  Reduktion der Emissionen auf „Nettonull“ bis 2035
  •  Kohleausstieg bis 2030
  •  zu hundert Prozent erneuerbare Energieversorgung bis 2035

Schon bis Ende 2019 fordert die Initiative:

  •  das Ende der Subventionen für fossile Energieträger
  •  ¼ der Kohlekraft abzuschalten
  •  eine Steuer auf alle Treibhausgasemissionen. Der Preis müsse so hoch sein wie die Kosten für diese und alle kommenden Generationen, steht in dem Katalog. Laut Umweltbundesamt seien das 180 Euro pro Tonne CO2. 

„Fridays for Future“ ist nach eigenen Angaben bewusst, „dass diese Forderungen ambitioniert sind“. Doch wenn jetzt nicht entschlossen gehandelt werde, werde das 1,5-Grad-Ziel verfehlt, heißt es. Die Schäden seien dann irreparabel.

Ausgearbeitet wurde der Forderungskatalog von einer bundesweiten Arbeitsgruppe, zu der auch die Lüneburger Studentin Lisa Steinwandel gehört. Über WhatsApp und Telefonkonferenzen habe die Gruppe einen Entwurf ausgearbeitet, der dann den regionalen Ortsgruppen bundesweit zur Durchsicht gegeben wurden, berichtet sie. „Diese konnten Anmerkungen und Korrekturwünsche an uns geben, die wir  dann eingearbeitet haben.“ Außerdem wurden sie von zahlreichen Wissenschaftlern sowie der Gruppe „Scientists for Future“ unterstützt und beraten. „Damit unsere Ziele nicht angreifbar sind“, sagt Steinwandel.

Mehrfach seien die Entwürfe korrigiert, an die Ortsgruppen zurückgegeben und überarbeitet worden, bis sie heute schließlich veröffentlicht wurden. Ein Ziel sei es auch gewesen, damit eine große Öffentlichkeit zu erreichen, sagt Steinwandels Mitstreiter Moritz Meister, ebenfalls aus Lüneburg. „Wir wollten mit #FFFfordert Top-Trending Hashtag bei Twitter werden, das ist uns gelungen“, sagt der Leuphana-Student. Ein Ziel sei es jetzt auch, den Katalog weiter zu verbreiten und gleichzeitig damit ein Grundsatzprogramm zu haben, auf dessen Basis Diskussionen geführt werden können, sagt Meister.

Das Hauptaugenmerk liegt aber auf die Erfüllung der sechs Forderungen, sagt Steinwandel. „Die Ziele müssen so schnell wie es geht durchgesetzt werden. Unsere Arbeit ist hier noch nicht erledigt.“

Den kompletten Katalog finden Sie hier. 

RND/row