Dienstag , 22. September 2020
Ausdrücken und einfach Schluss mit der Sucht? Das ist alles andere als leicht. Foto: ©sakura - stock.adobe.com

Die letzte Kippe

Lüneburg. Dennis Wegner ist ein rücksichtsvoller Mann. Wenn er nachts wach wurde, zog er sich an, rauchte vor der Tür eine Zigarette, ging Zähne putzen und legt e sich wieder hin. „Meine Freundin hat sonst gesagt, ich stinke wie ein Aschenbecher.“ Das ist vorbei. Wegner ist Nichtraucher. Geschafft hat er das auch mithilfe eines Kurses der Drogenberatungsstelle, kurz drobs.

Wegner ist mit Zigaretten aufgewachsen: „Meine Eltern haben geraucht.“ Daher gab es keine Diskussionen zu Hause, als er mit 16 anfing zu qualmen. Auf Feiern gehörten ein Bier und die Zigarette zusammen. Zu Schulzeiten traf man sich in der Raucherecke, später in der Ausbildung und im Job als Lagerist qualmte er mit Kollegen. Gerade wenn er mit Freunden loszog, gehörten die Kippen dazu. Damals reichten zwei Schachtel am Tag kaum aus.

Abhängigkeit systematisch angehen

Dass Rauchen furchtbare Folgen haben kann, weiß Wegner aus der Familiengeschichte: „Drei meiner Großeltern litten an Kehlkopfkrebs.“ Schließlich hörte Wegner mit dem Schmöken auf. „Das ging fünf Jahre. Dann habe ich mal am Wochenende geraucht, aber am Ende war‘s dann wieder eine Schachtel.“ Rückfall.

Das kennen viele. Der amerikanische Schriftsteller Mark Twain hat einmal sarkastisch gesagt: „Mit dem Rauchen aufzuhören ist kein Problem, ich habe das tausendmal geschafft.“ Es braucht offenbar mehr. Deshalb ist Wegner seine Abhängigkeit systematisch angegangen.

Sport treiben, Kurse besuchen

Sechsmal hat er einen Kursus besucht, den Nicole Schaar bei der drobs leitet. Die Sozialpädagogin umreißt den Fahrplan: Die Raucher machen sich bewusst, wann sie rauchen. „Stichworte sind Stress, Langeweile, Geselligkeit, aber auch Suchtdruck.“ Vor allem gehe es darum, Strategien zu entwickeln, das Verhalten zu verändern. Was mache ich, wenn Körper und Geist Nikotin fordern? Es gibt sozusagen das schnelle Reagieren, das man auch aus anderen Therapien kennt, nämlich einen: ein Knautschball in der Tasche oder beispielsweise auf eine Chilischote beißen. Dazu kommen generelle Änderungen: Sport treiben, Kurse der Volkshochschule besuchen.

Das hilft ebenfalls bei einer Sorge, die manchen umtreibt: „Wenn ich aufhöre, werde ich dicker.“ Nicole Schaar sagt: „Ja, das kann passieren, der Stoffwechsel stellt sich um, das kann zwei, drei Kilo auf der Waage ausmachen.“ Wer statt zur Zigarette in Massen zu Chips und Schokolade greift, den beuteln natürlich andere Ergebnisse. Die Kursleiterin sagt: „Viele stellen daher mit dem Aufhören des Rauchens auch ihre Ernährung um.“

„Es ist eine Leistung, nicht mehr zu rauchen“

Für Dennis Wegner wirkte das Angebot wie eine große Ausgangstür. Der 34-Jährige raucht seit Monaten nicht mehr. Das funktioniert auch deshalb, weil er gelernt hat, den eigenen Erfolg anzuerkennen: „Es ist eine Leistung, nicht mehr zu rauchen.“ Dafür darf er sich belohnen. Es sind Kleinigkeiten. So hat er sich ein Ladekabel für seinen Computer gekauft: „Sieben Euro, die hätte ich sonst in den Automaten gesteckt.“

Nicole Schaar schätzt, dass die Hälfte der Kursteilnehmer es langfristig schafft, rauchfrei zu leben. Dennis Wegner will dazu gehören. Dafür hat er einen schönen Grund: „Meine Freundin ist schwanger. Ich möchte meinem Kind vorleben, dass man nicht rauchen muss.“ Anders als seine Eltern.

Am 11. April beginnt um 17.30 Uhr eine Informationsveranstaltung zum Thema „Rauchfrei“ bei der drobs an der Heiligengeiststraße 31. Weitere Informationen unter (04131) 684460.

Von Carlo Eggeling