Samstag , 19. September 2020
Die Visualisierung zeigt, wie der Gebäudekomplex an der Ecke Barckhausenstraße/Lindenstraße aussehen soll. Foto: Dipl.-Ing. J. Nitschke

„Ein Stück Stadtreparatur“

Lüneburg. Es ist eine markante Stelle am Eingangstor zum Roten Feld, doch die Ecke Barckhausenstraße/Lindenstraße ist seit 1979 mit einem hässlichen Klotz besetzt. Der soll nun weichen, anstelle dessen ein Gebäudekomplex mit Gartenhaus entstehen. „Ein Stück Stadtreparatur“ solle hier erfolgen, sagte Stadtbaurätin Heike Gundermann im Bauausschuss. Dort wurden die Planungen vorgestellt und sorgten für große Zustimmung. Mehrheitlich votierte der Ausschuss für den Bebauungsplan, Grüne und Linke enthielten sich.

Das Grundstück hatte 2016 ein Lüneburger Investor gekauft und das Rotenburger Büro Lohmann Architekten mit einem Entwurf beauftragt. Anfang 2017 beschloss der Verwaltungsausschuss die Aufstellung des Bebauungsplanes, Ende des Jahres stellte Architekt Jürgen Lohmann erstmals einen Entwurf für den Gebäudekomplex im Bauausschuss vor. Schon damals war die Politik begeistert. Anfang 2018 sei der Entwurf ausgelegt worden zwecks frühzeitiger Beteiligung der Öffentlichkeit, Anregungen flossen in den Entwurf des Bebauungsplanes ein, erläuterte Matthias Eberhard, Bereichsleiter Stadtplanung, jetzt im Ausschuss. Entstehen soll ein Gebäudekomplex aus miteinander verbundenen Häusern, bei denen die unterschiedlichen Fassaden für ein lebendiges Bild sorgen sollen, erläuterte Architekt Jürgen Lohmann. Aufgenommen werden solle damit die „feingliedrige Parzellierung“ des Umfelds. Entlang der Barckhausen- sowie der Lindenstraße sei eine Viergeschossigkeit mit Dachgeschoss geplant, zum Teil mit den für Lüneburg typischen Gauben. Zu den angrenzenden Gebäuden wird der Komplex drei Geschosse haben.

Zufahrt zu einer Tiefgarage geplant

50 Wohnungen unterschiedlicher Größe finden insgesamt Platz. Die Fassaden zeichnet ein Mix aus Mauerwerk und Putz aus. Markanter Punkt ist der Eckbereich, wo ein Durchgang zum Innenhof entsteht.

An der Barckhausenstraße hält der Komplex Abstand zum nächsten Haus. Hier ist die Zufahrt zu einer Tiefgarage geplant mit Stellplätzen für Autos und Räder.

Im Innenhof soll ein zweigeschossiges Wohngebäude mit Staffelgeschoss entstehen. Gegen diese Planung hatte sich im Februar Widerstand von Eigentümern angrenzender Grundstücke geregt (LZ berichtete). Sie kritisierten, dass es durch die Innenhof-Bebauung zu einer Verschattung ihrer Wohnungen käme. Grundsätzlich seien sie aber nicht gegen das Projekt. Im Ausschuss hieß es nun, dass ein Gutachten erstellt worden sei. Dies belege, dass es durch das Gartenhaus zu keinen Beeinträchtigungen für die Nachbargrundstücke käme. Nach Informationen der LZ wird allerdings ein Nachbar juristisch gegen den Bebauungsplan vorgehen.

30-Prozent-Regel für bezahlbaren Wohnraum

„Großartig“ sei, dass der grässliche Klotz bald Vergangenheit sei „und der Architekt so einen hervorragenden Entwurf vorgelegt hat“, meinte Bauausschussvorsitzender Eberhard Manzke (CDU). „Gut, dass der Schandfleck wegkommt. Da entsteht wirklich ein Gewinn“, lobten Stefan Minks und Heiko Meyer (beide SPD). Und Birte Schellmann (FDP) empfindet es als „wohltuend, dass hier etwas Neues passiert“.

Ulrich Blanck (Grüne) hakte nach, ob denn auch bei diesem Projekt die 30-Prozent-Regel für bezahlbaren Wohnraum gelte. Oberbürgermeister Ulrich Mädge erläuterte: Wenn einem Investor bei einem Bauprojekt hohe Kosten entstünden, müsse dennoch eine Rentierlichkeit gewährleistet sein. Deshalb gebe es die Möglichkeit, dass der Investor entsprechenden bezahlbaren Wohnraum an anderer Stelle im Stadtgebiet schafft und damit nachweist. So auch in diesem Fall.

Für die Grünen ist das „unbefriedigend“, machte Blanck deutlich. Die 30-Prozent-Regelung müsse auch an attraktiven Standorten gelten.

Von Antje Schäfer

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