Donnerstag , 22. Oktober 2020
Hausmeister Jens Schulz ist der Herr über die Skiausrüstungen der Bleckeder Realschule – unter anderem mehr als 120 Paar Ski werden vorgehalten. (Foto: t&w)

Von der Elbe in den Schnee

Bleckede. Nach der Skifreizeit ist vor der Skifreizeit – für die Realschule Bleckede gilt das schon seit mehr als 40 Jahren. Seit 1977 geht es für die Kinder der siebten Klassen in jedem Jahr von der Elbe in die Berge. Vor einigen Wochen sind die Mädchen und Jungen aus drei Klassen der Realschule, dazu eine Gruppe von der Hauptschule, zurückgekehrt. „Und die Vorbereitungen für die nächste Skifreizeit sind schon in vollem Gange“, berichtet Malte Meyners. Er ist Lehrer an der Realschule und einer der Organisatoren.

1977 führte die erste Skifreizeit der Bleckeder Realschule nach Braunlage im Harz. Seitdem geht es Jahr für Jahr in Richtung Süden. Für einige Jahre in den Harz, dann nach Bischofsmais im Bayerischen Wald. Seit 2009 ins Allgäu, seit drei Jahren nach Jungholz in der Nähe von Sonthofen. Zeitweise wurden alpines Skilaufen oder Langlauf angeboten, seit 2008 geht es ausschließlich alpin die Berge hinunter.

Großes eigenes Materiallager aufgebaut

Schon 1978, bei der zweiten Skifreizeit der Bleckeder Realschule, war Jens Schulz als Schüler dabei. 2009, mehr als 30 Jahre später, kehrte er zurück, als Hausmeister am Schulzentrum. Und auch ohne Schulz sind die jährlichen Fahrten in den Schnee kaum denkbar – er ist unter anderem zuständig für Pflege und Wartung des Materials.

Und davon gibt es reichlich in Bleckede: Während die Teilnehmer anderer Anfängerskifreizeiten ihre Ausrüstung meist vor Ort ausleihen, hat die Realschule Bleckede über die Jahre ein großes Materiallager aufgebaut: 122 Paar Ski, 170 Paar Skischuhe in den Größen 34 bis 48, 89 Helme und viel Zubehör mehr, lagern in der Schule, werden gepflegt und gewartet.

Auch die Skilehrer bringen die Bleckeder mit

Und noch mehr ist anders bei den Skifreizeiten der Realschule, an denen sich die benachbarte Hauptschule seit 2008 beteiligt. Etwa, dass die Fahrten komplett von der Schule organisiert werden. Sogar die Skilehrer bringen die Bleckeder mit – sieben davon hat die Realschule, drei die Hauptschule. Der Förderverein des Schulzentrums, Firmen und Privatpersonen aus der Stadt unterstützen das Projekt, sodass der Preis mit 360 Euro erschwinglich bleibt.

Nach der Rückkehr von der diesjährigen Skifreizeit hat Jens Schulz gerade die Ausrüstung geprüft, die Skikanten geölt, Schuhe und Helme desinfiziert, nicht mehr Brauchbares aussortiert. Inzwischen liegt auch die Endabrechnung der Fahrt vor. Zugleich, erzählt Lehrer Meyners, seien Fahrt und Aufenthalt für 2020 schon gebucht.

„Auf den Elternabenden sind oft Eltern dabei, die selbst schon als Kind mit der Schule in die Skifreizeit gefahren sind. “ – Malte Meyners , Lehrer

Nach den Osterferien gibt es die erste Information für die sechsten Klassen, die im Februar 2020 in den Schnee fahren. Im Herbst folgt der große Informationsabend. „Lustig ist, dass wir da oft Eltern dabei haben, die selbst schon als Kind mit der Schule in die Skifreizeit gefahren sind“, erzählt Malte Meyners.

In den Monaten darauf werden von jedem Schüler und jeder Schülerin das Alter, Körpergröße, Gewicht, Sohlenlänge und Fahrertyp registriert, den Kindern werden die Ausrüstungsstücke zugewiesen, geklärt wird, ob für jeden das passende Stück vorrätig ist. Die Bindungen werden dann im Alpincenter Wittenburg, mit dem die Schule zusammenarbeitet, individuell eingestellt, damit die sich im Fall eines Sturzes öffnen. Lehrer Meyners: „Sicherheit geht absolut vor.“

Im Unterricht gewissenhaft vorbereitet

Auch im Unterricht wird die Skifreizeit gewissenhaft vorbereitet – beim Sport ebenso wie in Erdkunde oder in Physik. Meyners: „Und alle Schüler müssen, bevor es losgeht, die Pistenregeln des Weltverbands FIS kennen, werden darin geprüft.“

Ist es dann im Februar soweit, macht sich Hausmeister Schulz mit dem Material als Erster auf den Weg – er nimmt sich für die Woche im Allgäu Urlaub. Jeweils am Sonntag folgen per Bahn Schüler und Lehrer, jeweils etwa 90 Personen, am Sonnabend darauf geht es zurück. Malte Meyners: „So haben wir eine ganze Schulwoche zum Fahren.“

Auch pädagogische Effekte

Der gemeinsame Spaß im Schnee und das Skifahren sind den Verantwortlichen wichtig – aber die jährliche Skifreizeit habe auch pädagogische Effekte, erklären Realschulleiter Ulf Gerkensmeyer und Malte Meyners: „Das Gruppenerlebnis ist wichtig, sich gegenseitig helfen, Rücksichtnahme, das Einhalten von Regeln und Pflichten, zu merken, dass es sich lohnt, sich anzustrengen.“

Geht es nach einer Woche im Schnee zurück in den Norden, „liegt die Lernerfolgsquote immer bei fast 100 Prozent“, sagt Meyners. Fast alle Kinder beherrschen dann die blauen Pisten, mit einem Gefälle bis zu 25 Prozent. Aber mindestens genauso wichtig sei, findet Malte Meyners: „Die Kinder sind nach der Fahrt oft nicht wiederzuerkennen, haben sich in ihrer Persönlichkeit enorm entwickelt.“

Von Ingo Petersen