Samstag , 24. Oktober 2020
Maren Rama und Dr. Friedhelm Marciniak erkunden die Welt mit dem Fahrrad. Foto: t&w

Bella Italia mit dem Fahrrad

Deutsch Evern. 3940 Kilometer sind es von Deutsch Evern bis ins sizilianische Palermo. Maren Rama und ihr Mann Dr. Friedhelm Marciniak, 60 und 70 Jahre alt, haben die Strecke mit dem Drahtesel bestritten – 104 Tage waren sie unterwegs. „Im April 2017 hat meine Frau ihre Rente beantragt, aus einem Impuls heraus sagte ich ‚Wenn der Bescheid da ist, fahren wir mit dem Fahrrad nach Palermo‘. Das Ziel war willkürlich gewählt und die Idee nicht wirklich ernst gemeint“, erzählt Friedhelm Marciniak. Als der Bescheid im August ins Haus flatterte, sei ihm klar geworden, dass seine Frau den Spontaneinfall für bare Münze genommen hatte. Die ehemalige Kita-Leiterin wollte mit der Reise nicht nur einen Strich unter ihr Arbeitsleben setzen: Rama hatte just eine Krebserkrankung besiegt, kräftezehrende Jahre mit Chemotherapien hinter sich. „Für mich ging es darum, den Weg zurück ins Leben zu finden, meinen Körper wahrzunehmen und wieder Vertrauen zu ihm zu fassen“, sagt sie.

Ihr sei die Pilgerreise von Hape Kerkeling auf dem Jakobsweg durch den Kopf gegeistert. Die eigene Reise sei ihr dann zum innersten Bedürfnis geworden. So fing das Paar an, alles vorzubereiten. Am 2. Mai 2018 ging es los, mit jeweils 20 Kilogramm Gepäck. „Wir haben nichts vorab gebucht, jeden Tag neu geguckt, uns Unterkünfte empfehlen lassen“, erzählt Rama. Für sie ein Gefühl von Freiheit. Auf der Reise seien sie an ihre Grenzen gekommen, räumen die beiden Rentner ein. „Wir sind immer viel Rad gefahren, durch ganz Europa. Aber noch nie mehr als 1000 Kilometer“, so Marciniak. „Manchmal dachten wir, wir würden nie ankommen – Italien schien für uns nur aus Bergen zu bestehen.“ Tatsächlich erklomm das Ehepaar über 28.000 Höhenmeter.

Viele Wege führen nach Rom

Aufgeben habe aber nie zur Debatte gestanden, trotz schwerer Etappen. „Viele Wege führen nach Rom. Wir mussten ab und zu zurück auf den richtigen Weg, teils im wörtlichen Sinne, teils, weil wir uns zusammenraufen mussten“, erinnert sich Marciniak. Sie hielten durch und schwärmen: von Deutschlands wunderschöner Natur, den guten Straßen und Radwegen, den hilfsbereiten Italienern, rücksichtsvollen Autofahrern, der Verständigung mit Händen und Füßen, dem unglaublichen Gefühl des Ankommens, „da sind Tränen geflossen“. Vor allem aber von der neuen Ebene ihrer Beziehung. „Wären wir nicht schon verheiratet gewesen, ich hätte Maren auf der Zielgeraden einen Antrag gemacht“, glaubt Sozialökonom Marciniak.

Gerade weil sie nicht nur gute Tage gehabt, sich noch einmal auf ganz andere Weise kennengelernt haben. Das Gefühl „gemeinsam“, „wir“, hat seither eine andere Bedeutung für die beiden. „Auch wenn man nicht immer einer Meinung ist, kann man zusammen alles schaffen“, hat Rama gelernt. „Ich glaube, Männer und Frauen können sich nicht 100-prozentig verstehen“, vermutet sie schmunzelnd.

Vorfreude auf Zuhause

Aber gerade das unterschiedliche Angehen von Herausforderungen, das sich gegenseitige Ergänzen habe dieses Abenteuer so reizvoll gemacht. „Wir haben uns auf Dinge aufmerksam gemacht, die dem anderen gar nicht aufgefallen wären.“ Den Rückflug hatten sie vorher gebucht, großzügig geplant. So blieb auf Sizilien viel Zeit, um sich zu erholen.

Da wuchs schon die Vorfreude auf Zuhause. Auch ein Highlight der Reise: „Wir wussten plötzlich, hier ist unser Platz, hier sind wir richtig“, beschreibt Rama das Gefühl des Heimkehrens. Für sie hat die Reise ihren Zweck erfüllt, aus der Erfahrung schöpft sie viel Kraft. „Eines Tages werden wir alle sterben, aber an allen anderen Tagen nicht.“ Das Zitat hat das Paar vor Kurzem in der LZ gelesen – und verinnerlicht.

Von Lea Schulze

Termin

Reisebericht

Über ihre Reise berichten Maren Rama und Friedhelm Marciniak am Sonntag, 24. März, im Café-Restaurant Alter Uhu, Eulenbusch 4 in Reppenstedt. Die Veranstaltung „Lüneburg bis Palermo – ganz schön weit mit dem Rad“ beginnt um 15.30 Uhr, der Eintritt ist frei, Spenden sind erwünscht.