Dienstag , 22. September 2020
Seit 2003 nehmen die Überschwemmungen im Ilmenautal zu. Damals wurde ein sogenannter Schutz-, Pflege- und Entwicklungsplan beschlossen, mit Folgen für die Artenvielfalt, aber auch die in diesem Bereich liegende Kleingartenkolonie. (Foto: A/be)

Management-Plan für die Ilmenau

Lüneburg. Wenn die MS Ilmenau in Lüneburg ablegt und stromaufwärts Kurs auf die Rote Schleuse nimmt, ist es nicht nur ein geselliger Ausflug per Schiff, sondern immer auch eine Fahrt in eine besonders geschützte Region. Denn der Fluss Ilmenau ist Teil des Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Gebiets Nummer 71, das die Ilmenau von ihrem Quellbereich bis zur Mündung in den Neetzekanal mitsamt ihren Nebenbächen umfasst. Ob sich beides, Motorschiff und FFH-Gebiet, miteinander verträgt, war eine der Fragen, die kürzlich im Umweltausschuss angesprochen wurden.

Pflegeplan sorgt für Schwund bei der Artenvielfalt

„Die darf da fahren“, sagte Volker Schulz vom Bereich Umwelt der Stadt, als er im Ausschuss auf die Konfliktlage zu sprechen kam. Denn laut Schulz hat das Motorschiff eine unbefristete Genehmigung, zwei Mal täglich übers ganze Jahr hindurch die Ilmenau befahren zu dürfen.

Dass dies womöglich nicht im Sinne der FFH-Richtlinien ist, machte Schulz deutlich, als er ankündigte, hierüber mit dem Landkreis Lüneburg als Untere Naturschutzbehörde sprechen zu wollen, die für die FFH-Gebiete im Kreis zuständig ist. Ihr kommt damit auch die Aufgabe zu, einen Management-Plan zu erstellen, mit dem die Erhaltung und Entwicklung des FFH-Gebiets nachzuweisen ist. Bis 2020 muss der Management-Plan, dessen Erstellung die Europäische Union (EU) bereits 2013 verpflichtend vorschrieb, bei der EU vorliegen.

„Eigentlich hätte er schon gestern fertig sein müssen.“
Volker Schulz, Leiter Umwelt der Stadt Lüneburg

Doch das ist nicht der einzige Punkt, zu dem die Verwaltung Gesprächsbedarf mit der Naturschutzbehörde hat. Ein weiterer Anlass ist die Zunahme von Überschwemmungen im Ilme­nautal, nachdem von der Stadt im Jahr 2003 ein sogenannter Schutz-, Pflege- und Entwicklungsplan für das südliche Ilme­nautal im Stadtgebiet beschlossen worden war. Ziel war es, das Gebiet ökologisch aufzuwerten, indem auf die Gewässerunterhaltung verzichtet wurde. Zwar führte dies zu der erhofften „Vernässung“ des Gebiets, die Maßnahme sorgte aber auch für einen Schwund bei der Artenvielfalt, vor allem bei den Pflanzen, wie Schulz ausführte.

Ein weiterer Effekt: Auch die Flächen der Kleingartenkolonie Düvelsbrook stehen seitdem häufig unter Wasser, weil es nicht mehr über die Wiesengräben der Ilmenau abgeleitet werden kann. Dies, so Schulz, könne die dort vorhandenen Bäume schädigen. Die Kleingärtner hätten zudem einen Anspruch darauf, ihre Gärten im Trockenen bearbeiten zu können.

Kleingartenkolonie steht unter Wasser

Ein drittes Thema, das Schulz im Ausschuss ansprach, betrifft den Lausebach, der von Osten kommend durch den Tiergarten in der Ilmenau mündet. Da dieser auch das Regenwasser vom Klosterkamp aufnimmt, komme es bei Starkregen bei dem geschützten Bach zu heftigen Ausspülungen des Uferbereichs – ebenfalls ein Effekt, der nicht im Einklang mit den FFH-Richtlinien stehe.

Wie der Landkreis sich den Erhalt und die Weiterentwicklung des FFH-Gebiets vorstellt, hat dieser jetzt in einem ersten Entwurf für den Management-Plan vorgestellt. Zwar wurde er dem Ausschuss auch zugeleitet, allerdings erst wenige Tage vor der Sitzung, was bei einigen Ausschussmitgliedern für Verstimmung sorgte.

Ralf Gros (Grüne) lehnte es daher auch ab, über den Entwurf beschließen zu wollen, eine Prüfung sei so nicht möglich gewesen. „Wir sollten vorab auch erst einmal unsere Interessenlage als Stadt definieren“, empfahl Gros.

„Wir sind selbst davon überrascht worden und wussten nicht, wie weit die schon sind“, versuchte Schulz die Situation zu erklären, obwohl auch ihm bewusst war, dass die Zeit für den Plan drängt: „Eigentlich hätte er schon gestern fertig sein müssen.“

Daraus wird so schnell wohl nichts, denn nun soll erst einmal der Landkreis gebeten werden, seinen Entwurf dem Umweltausschuss vorzustellen.

Von Ulf Stüwe