Sonntag , 27. September 2020
„Florian“ ist einer der ersten Rückkehrer. Der Weißstorch hat sein Nest in Erbstorf bezogen. Foto: Düllberg

Adi und seine Artgenossen sind wieder da

Artlenburg/Erbstorf. Der Frühling lockt seine gefiederten Boten in den Landkreis Lüneburg. Weißstorch „Florian“ hat in Erbs­torf sein Nest bezogen. Gleiches gil t für den Storch, der sich den Schornstein einer einstigen Bäckerei in der Bleckeder Innenstadt als Bleibe für den Sommer gewählt hat. Auch in Artlenburg ist „Adi“ aus seinem Winterquartier an die Elbe zurückgekehrt. Kinder haben ihn dabei beobachtet, wie er über ihrem Schulgebäude mit Nistmaterial im Schnabel kreist und auf dem benachbarten Sportplatz Nahrung aus dem Rasen pickt.

Zweisamkeit in Artlenburg

Adi ist nicht allein, inzwischen ist auch seine Partnerin in Artlen­burg angekommen. Bürgermeister Rolf Twesten hat am Dienstagmorgen beide Störche in ihrem Nest an der Großen Straße sitzen sehen. Und auch das rechts­elbische Ufer im Amt Neuhaus ist wieder Storchenland: Das Nest in Herrenhof nahe dem Fähranleger ist ebenfalls besetzt.

„Rechtzeitig zu seinem 16. Geburtstag ist der Erbstorfer Weißstorch ‚Florian‘ aus seinem spanischen Winterquartier zurückgekehrt“, sagt Heinz Georg Düllberg von der vogelkundlichen Arbeitsgemeinschaft Lüneburg. „Florian“ schlüpfte im Frühjahr 2003 im Horst auf dem Pfarrhaus der kleinen Ortschaft Donop im Kreis Lippe und bekam dort am 13. Juni 2003 einen Ring der Vogelwarte Helgoland.

Schon mehrfach wurde er von Ornithologen in verschiedenen spanischen Landesteilen beobachtet. „Im Horst auf der ehemaligen Feuerwehrsirene an der Erbstorfer Dorfstraße wurden zwischen 2004 und 2018 insgesamt 29 Jungstörche flügge. 26 Mal war ‚Florian‘ der Vater“, weiß der Experte. Nun warte der schwarz und weiß gefiederte Vogel auf seine inzwischen dritte Partnerin aus dem Vorjahr, die aus Berne in der Wesermarsch stammt und mit fünf Jahren wesentlich jünger ist, sagt Düllberg.

Noch vor Kurzem war das Storchennest in Artlenburg von Nilgänsen in Beschlag genommen. „Sie sind weg. Es gab daher glücklicherweise keinen Konflikt mit den Rückkehrern“, erzählt Rolf Twesten.

Männliche Tiere kommen meist zuerst zurück

Nach und nach werden jetzt bis Mitte April immer mehr Störche aus dem Süden zurückkommen und die Quartiere an der Elbe und in der Marsch beziehen. „Es gibt genügend Nester. Doch die Vögel besetzen lieber ihre alten Nester, als neue zu bauen“, sagt Heinz Georg Düllberg. Kein Wunder, müssen sie für den Bau der tonnenschweren Brutstätten doch jede Menge Material heranschaffen. Und daher sind es vor allem die männlichen Exemplare, die möglichst früh zurückkehren, um die Unterkunft zu sichern und dann einigermaßen entspannt auf eine Partnerin zu warten.

Von Stefan Bohlmann

Zur Sache

Den Weißstorch kennenlernen

Storchennester gibt es viele im Landkreis Lüneburg. Wer mit offenen Augen unterwegs ist, kann zum Beispiel Brutstätten in Artlenburg, Erbstorf, Echem, Hittbergen, Hohnstorf, Lüdersburg, Lüdershausen und Sassendorf entdecken. In den Regionen Bleckede und Amt Neuhaus hat fast jeder Ort an der Elbe ein Storchennest. Unterwegs zeigt auch die Deutsche Storchenstraße mit Hinweisschildern Menschen den Weg zu den Störchen. Nesttafeln an allen Horsten auf der Route informieren über den Bruterfolg der letzten Jahre. Informationstafeln an ausgewählten Standorten verraten mehr über Themen wie die Beringung von Störchen, Nahrung und Vogelzug. Bereits seit 1996 wird das Leben im Bleckeder Storchennest auf der ehemaligen Bäckerei mit einer Videokamera ins Biosphaerium übertragen.