Donnerstag , 1. Oktober 2020
Im Mosaique gibt es sechs Teams, die sich ums Wesentliche kümmern. Manon Le Hir koordiniert seit April den Saaldienst, die Mittwochsschicht ist stets ihre. Foto: t&w

Ein bisschen wie eine große WG

Lüneburg. Wenn Manon Le Hir auf ein Jahr Mosaique zurückblickt, ist es vor allem die Erinnerung an einen Abend, die sie lächeln lässt. „Ein Amateurchor hat gesungen, da war eine krasse Energie im Saal“, erzählt die 25-jährige Französin, die auch an das Danach gern zurückdenkt. „Das Konzert ging bis 22 Uhr, danach sind aber alle geblieben. Bei Limo und Bier haben wir bis ein Uhr nachts gequatscht.“ Die Veranstaltung habe sich ganz spontan zu einer Art kleinen Hausparty entpuppt, allerdings mit Gästen, die man gar nicht kennt. „Genau das ist es, was wir wollen. Wir bieten im Mosaique nur den Anlass, alles andere muss passieren.“

Im März vergangenen Jahres hat das Haus der Kulturen an der Katzenstraße seine Türen geöffnet, vier Wochen lang haben Ehrenamtliche dort gewerkelt, Möbelspenden restauriert, Wände gestrichen und mit Kunstwerken verziert, musiziert und gekocht. Manon Le Hir zählt zu den Helfern der ersten Stunde. Weil sie die Bauwochen vor einem Jahr als große Bereicherung empfunden und viele neue Leute kennengelernt hat, freut sie sich darauf, diese Zeit jetzt bis Donnerstag, 7. März, wieder aufleben zu lassen. Das „Revival“ soll nicht nur dazu dienen, das Haus weiter zu gestalten, an fünf Tagen ist sowohl ein Frühstück in Form eines Mitbring-Buffets als auch ein gemeinsames Abendessen geplant. Ebenso stehen ein Konzert, eine Hausführung und eine musikalische Lesung auf dem Programm.

Knapp 20 Stunden pro Woche ehrenamtlich im Mosaique

Anfangs hat Le Hir, die für ihren Master vor zweieinhalb Jahren nach Lüneburg gezogen ist, dabei geholfen, die Homepage auf Französisch zu übersetzen. Inzwischen ist sie im Verein diejenige, die den Saaldienst koordiniert. Dem größten Team im Mosaique gehören zwischen 70 und 80 Leute an: Studenten, Berufstätige und Rentner, Deutsche, Mexikaner, Südamerikaner und Franzosen.
Wie der Name schon sagt, ist es ihre Aufgabe, abwechselnd in der Zeit von 14 bis 19 Uhr ein Auge auf das Herzstück des Hauses, den großen Saal im Erdgeschoss, zu werfen. Die Kulturwissenschaftsstudentin teilt nicht nur die Schichten ein, sie lädt auch zu monatlichen Treffen ein und informiert jede Woche in einer E-Mail über Aktuelles. „Wir tauschen uns darüber aus, was besser laufen kann, reagieren, wenn zum Beispiel ein Bücherregal zu voll oder etwas kaputtgegangen ist“, sagt die Lüneburgerin auf Zeit. Auch seien Projekte, um tagsüber für „noch mehr Stimmung“ zu sorgen, immer wieder Thema.

Es ist ein Ehrenamt, das Manon Le Hir in der Woche knapp 20 Stunden kostet. Doch sie empfindet die Arbeit nicht als Zeitfresser und auch nicht als Stress – ganz im Gegenteil. „Mir macht das Spaß. Klar, ist es manchmal schwierig, wir sind wie eine große WG. Jeder möchte sie so einrichten, wie er es mag.“ Das sei gleichzeitig aber auch das Schöne daran, „denn das zeigt ja, dass sich im Mosaique jeder wie zu Hause fühlt“.

Spielen, entspannen, Musik machen

Die Atmosphäre im Saal gefällt Le Hir nicht nur, weil es ihr Wirkungskreis ist. Sie erlebt ihn Tag für Tag als offene Begegnungsstätte, als Ort, den Menschen mit ganz unterschiedlichen Motivationen aufsuchen. „Manche spielen hier in kleinen Gruppen, die aber nie geschlossen sind, Schach, während parallel in einer anderen Ecke Gitarrenunterricht gegeben wird.“ Andere würden manchmal einfach nur dasitzen, der Musik lauschen, nebenbei einen Kaffee trinken oder ein Buch lesen, erzählt sie und erwähnt, dass sich im Mosaique längst auch der Deutschkurs als feste Größe etabliert habe.

Beliebt seien auch die Konzerte, „da kommen manchmal schon so 200 bis 300 Leute“, ebenso Jam-Sessions und Swing-Veranstaltungen, bei denen hin und wieder auch eine Live-Band spielt. Und auch auf Abende, bei denen gemeinsam gekocht wird, kommt sie zu sprechen. „Man sitzt nie neben den Leuten, mit denen man gekommen ist.“

Informationen zum aktuellen Bauwochen-Programm sind unter www.mosaique-lueneburg.de/kalender zu finden.

von Anna Paarmann

Ein Jahr „Mosaique – Haus der Kulturen“:

https://www.landeszeitung.de/a/30431-gelebte-vielfalt2

https://www.landeszeitung.de/a/31746-die-chance-auf-10-000-euro-preisgeld

https://www.landeszeitung.de/a/34085-wenn-die-herkunft-keine-rolle-spielt

https://www.landeszeitung.de/a/34295-ein-ort-der-begegnung

https://www.landeszeitung.de/a/35142-lueneburgs-groesstes-wohnzimmer