Die Bleckeder Zeitung wird mit der heutigen Ausgabe eingestellt, damit schrumpft die Vielfalt der regionalen Zeitungslandschaft um einen weiteren Titel. (Foto: t&w)

Tradition endet nach 140 Jahren

Bleckede. Eine 140-jährige Zeitungstradition geht in der Elb­stadt Bleckede zu Ende: Mit der heutigen Ausgabe erscheint die „Bleckeder Zeitung“ (BZ) zum letzten Mal. Verleger und Chefredakteur Christian Schötteldreyer stellt den Titel ein.

„Die Zeitung war für die Stadt etwas Besonderes, sie wird fehlen“, ist Bleckedes Bürgermeister Jens Böther (CDU) überzeugt, sagt aber auch: „Nur die Zeitung wird eingestellt, das Druckhaus bleibt bestehen.“ Die BZ ist damit die zweite Heimatzeitung in Bleckede, die aufgibt. Vor einigen Jahren hatte bereits die „Elbmarschpost“ ihr Erscheinen eingestellt.

Mehrere Gründe hätten den Ausschlag dafür gegeben, dass die BZ vom Zeitungsmarkt verschwindet: Verleger und Chefredakteur Christian Schötteldreyer will eigentlich gar nicht über seine unternehmerische Entscheidung sprechen. Nur soviel. Ein wichtiger Anzeigenkunde sei weggebrochen. Dann sagt er aber doch, dass er sich die Entscheidung nicht leicht gemacht habe.

Konkurrenz durch digitale Medien

Digitale Medien wie Facebook und Twitter machten auch der Bleckeder Zeitung zunehmend Konkurrenz. Ein Problem, mit dem auch andere Zeitungen zu kämpfen haben. Nichtsdestotrotz habe die BZ jeden Montag und jeden Donnerstag stets ihre treue Leserschaft gefunden.

Dass eine große Hamburger Zeitung vor einigen Jahren in einer Reportage die Bleckeder Zeitung als „kleinste Tageszeitung Deutschlands“ mit gerade mal 1000 Abonnenten betitelte, ärgert Schötteldreyer noch heute. Denn die Zahl 1000 geistere bis heute durch das Internet. Allen Bemühungen zum Trotz, diese Zahl zu korrigieren. „Fake-News“, die für Schötteldreyer auch negative Folgen hatten. Welcher Kunde inseriert schon in einer Zeitung, die nur 1000 Abonnenten hat?

Verwirrung um Auflagenhöhe

Im aktuellen Verzeichnis des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger ist die Bleckeder Zeitung mit einer Auflage von 3500 angegeben. Deutlich mehr, als die Hamburger Redakteurin den Bleckeder Kollegen zugestehen wollte. Schötteldreyer selbst spricht sogar von einer Auflage von 5800 im Verbreitungsgebiet Bleckede, Neuhaus und Dahlenburg. Letztlich aber spiele das keine Rolle mehr.

„Die Einstellung der Zeitung ist ein Stück Kulturverlust. “ – Jens Lohmann , Kultur- und Heimatkreis

Jens Lohmann, zweiter Vorsitzender des Kultur- und Heimatkreises, bedauert, dass die Bleckeder Zeitung nach 140 Jahren nicht mehr über Geschichten schreibt, sondern jetzt selbst Geschichte ist. „Wer sich für überregionale Ereignisse interessiert, kauft sich FAZ oder Welt. Aber in der Berichterstattung über das, was direkt vor der Haustür passiert, war die BZ als Heimatzeitung näher dran“, lobt Lohmann. „Die Einstellung der Zeitung ist ein Stück Kulturverlust.“

Dem kann Herbert Beusch, Präsident der Bleckeder Schützengilde, nur zustimmen. „Da geht ein Stück Tradition verloren“, glaubt Beusch – „auch wenn wir uns das eine oder andere Mal vielleicht über die BZ geärgert haben – sie wird fehlen!“

Als „Neuhauser Wochenblatt“ gegründet

Gegründet worden war die „Bleckeder Zeitung“ als „Neuhauser Wochenblatt“– nachzulesen auf der Internetseite der BZ: Als 1885 Bleckede und Neuhaus zum Kreis Bleckede zusammengelegt wurden, verlegte Gründer Carl Grosse den Sitz nach Bleckede. 1933 übernahm Franz Schötteldreyer sen. den Betrieb, sein Sohn Franz war von 1957 bis 2001 Verleger, übergab das Unternehmen 2001 an seinen Sohn Christian, der jetzt nach dem Wegfall des wichtigsten Anzeigenkunden die Reißleine zog.

„Ich hätte noch zwei, drei Monate weitermachen können,“ sagt er. Gebracht hätte das aber nichts mehr. Jetzt wollen sich Schötteldreyer und dessen Frau Kirsten voll auf das Druckereigeschäft konzentrieren.

Von Klaus Reschke