Montag , 28. September 2020
Im Hafen an der Marina reihen sich mehrere Einhüllentanker aneinander. Für die Schiffe fehlt Ladung, eine Zukunftsperspektive haben sie nicht mehr. Foto: tja

Friedhof der Tanker

Lauenburg. Im Hafen an der Marina und am Lösch- und Ladeplatz vor der Altstadt von Lauenburg reihen sich derzeit gleich mehrere Frachtschiffe aneinander. Ein fü r Lauenburg ungewohntes Bild. Bei den Schiffen handelt es sich um Einhüllentanker, die seit 1. Januar 2019 keine Gefahrstoffe mehr transportieren dürfen und denen deshalb geeignete Ladung fehlt. Und die Besatzungen der Binnenschiffe am Lösch- und Ladeplatz sind alle deutlich älter als 60 Jahre und fahren nur noch sehr selten.

Noch herrscht kein Platzmangel

„Ein Problem sind die in Lauenburg liegenden Schiffe bisher nicht, es herrscht noch kein Platzmangel an den Liegestellen“, erklärt Tilman Treber, der Leiter des Lauenburger Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA). Es werde aber darauf geachtet, dass alle Schiffe zugelassen sind und dem Verkehr jederzeit Liegemöglichkeiten angeboten werden können.

Wie berichtet, wird auf der Hitzler-Werft gerade der frühere Einhüllentanker „Dettmer Tank 51“ zum 23,50 Meter langen Schub-Schlepper umgebaut. Das Mittelschiff mit den Tankkammern wurde von Bug und Heck getrennt, die beiden Enden neu zusammengesetzt. Eine sinnvolle Nachnutzung für einen Einhüllentanker, die die Firma Rüdebusch bei Hitzler beauftragt hat. Mit dem Umbau sollen Schubleichter gefahren werden.

Andere Tanker dürften wohl demnächst bei Heiko Miersen landen. Der Hamburger Unternehmer betreibt in Deutschland die einzige Abwrackwerft. Mit den Verantwortlichen der Hitzler-Werft und der Firma Rüdebusch steht er in Kontakt. „Wir stehen da in engem Austausch. Wir suchen nach Lösungen, die teilweise noch gut erhaltenen Schiffe irgendwie vernünftig umnutzen zu können“, berichtet Miersen.

300 Tonnen Stahl pro Tanker

Er ist sozusagen mit im Boot, weil er das Mittelschiff des alten „Dettmer Tank 51“ verwerten könnte. Sein Betriebsgelände in Hamburg befindet sich direkt neben dem Moorburger Kohlekraftwerk. Er schätzt, dass das Aus für die Einhüllentanker 100 bis 150 Schiffe betrifft. Die meisten davon dürften in Nord- und Mitteldeutschland unterwegs sein, weil das Verbot zum Gefahrstofftransport für diese Schiffstypen auf dem Rhein schon länger gilt.

Etwa 300 Tonnen Stahl fallen bei einem gut 80 Meter langen Binnenschiff beim Abwracken an. Vor dem Zerlegen werden sämtliche Tanks und Leitungen gereinigt, um die Elbe nicht zu verschmutzen. Etwa eineinhalb bis zwei Wochen dauert es, so einen Frachter zu zerlegen. Der alte Stahl geht dann in die Stahlwerke nach Hamburg und Bremen oder in den Export und wird bei der Produktion neuen Stahls eingesetzt. „Wir schneiden das Material zum Großteil kalt“, erklärt Miersen. Er setzt dazu eine dicke Hydraulikschere ein. Eine Arbeit, die er sich auch in Lauenburg vorstellen könnte.

Zusammenarbeit mit der Werft

„Mit der Werft hier arbeiten wir gut zusammen, das ist eine gute Partnerschaft. Da werden wir sicher neue Ideen entwickeln und unsere Kräfte bündeln“, meint Miersen. Voraussichtlich wird er den Rest der „Dettmer Tank 51“ zerlegen, um zu einer genauen Kostenkalkulation für das gesamte Umbauprojekt des Einhüllentankers zu kommen. Vorteil: Aktuell sind die Schrottpreise gut. Derweil hoffen die Reeder der betroffenen Schiffe noch auf kleine Wunder – etwa den Transport von Speiseöl, das noch in Einhüllentrankern verschifft werden dürfte. Da die Liegeplätze kostenlos sind, kostet der Unterhalt der Frachter wenig Geld.

von Timo Jann