Samstag , 19. September 2020
Der Rangierbahnhof in Maschen ist der größte seiner Art in Europa. Damit der steigende Güterverkehr aus den norddeutschen Seehäfen nach Süd- und Ostdeutschland abgefahren werden kann, soll das Schienennetz ausgebaut werden. (Foto: dth)

Immer mehr Züge rollen auf Lüneburg zu

Lüneburg/Hannover. Wie kann ein dreigleisiger Ausbau der Bahnstrecke Lüneburg-Uelzen technisch umgesetzt werden? Zusätzlich zu einem neuen Gleis bräuchte es eine Vielzahl neuer Weichen sowie weiterer Überholgleise beispielsweise in den Bahnhöfen Lüneburg, Deutsch Evern, Bienenbüttel oder Bad Bevensen. Das haben Gutachter von Bahn und Bund gestern im Tagungshotel Dormero in Hannover Vertretern aus der Region vorgestellt.

Dabei wurde auch deutlich, dass ein dreigleisiger Ausbau nicht ausreicht, um den weiter steigenden Zugverkehr zu bewältigen. Die einen sehen das als Ergebnis eines Kompromisses, die anderen als Sargnagel für den dreigleisigen Ausbau, der Teil des Eisenbahn-Großprojekte „optimiertes Alpha-E + Bremen“ ist. Anlass der Planung ist die Bewältigung des steigenden Güterverkehrs aus den Seehäfen.

Drei Varianten zum Schienenausbau

Insgesamt sollen die Gutachterbüros „Schüßler Plan“ und „Intraplan Consult“ drei Varianten zum Schienenausbau zwischen Lüneburg und Uelzen betrachten. Gestern war Variante 1 dran, die ohne Fahrtzeitgewinn für den Fernverkehr gerechnet wurde. Armin Skierlo, Sprecher Großprojekte bei der Deutschen Bahn, sagt: „Diese Variante wird in einem zweiten Schritt auf ihre verkehrliche Leistungsfähigkeit hin geprüft und optimiert.“ Und weiter: „Erst im dritten Schritt können die dafür notwendigen Kosten dem verkehrlichen Nutzen gegenübergestellt und Aussagen zur Wirtschaftlichkeit getroffen werden.“

„Es wurde erneut deutlich, … dass drei Gleise nicht ausreichen werden. “ – Jürgen Krumböhmer , Erster Kreisrat

Bei dem Treffen wurden auch neue Zugzahlen für die Zeit nach 2030 vorgestellt, die das neue Schienennetz aufnehmen soll. Dabei wurden auch die neuen Prognosen des Landes Niedersachsen für den Personennahverkehr auf der Schiene aktualisiert. Auf der Strecke Lüneburg-Uelzen wird mit insgesamt 525 Zügen pro Tag gerechnet, davon allein 391 Güterzüge. Auf der Strecke Hamburg-Lüneburg sind es mit 376 Güterzügen etwas weniger, doch durch die hohe Zahl von Nahverkehrszügen (134) steigt die Summe insgesamt aber sogar auf 592 Züge. Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge kritisiert, dass die Zugzahlen damit deutlich über dem lägen, was bisher bekannt gewesen sei.

Zusätzliche zweigleisige Trasse entlang der A7

Auch Lüneburgs Erster Kreisrat Jürgen Krumböhmer sieht sich in seiner Ablehnung des dritten Gleises bestätigt. Er sagt: „Es wurde erneut deutlich, dass es technische Probleme bei der Umsetzung geben wird und dass drei Gleise nicht ausreichen, um die steigenden Zugzahlen aufzunehmen.“ Die notwendigen Kapazitäten seien vielmehr mit vier Gleisen möglich. Doch in dem Zusammenhang sagt Krumböhmer: „Unsere Variante ist klar: eine zusätzliche zweigleisige Trasse entlang der A7.“ Zudem wollte er wissen, wann die Bahn erste Aussagen über alternative Ortsumfahrungen, beispielsweise von Lüneburg oder Deutsch Evern, treffen könne? Bis zum Sommer müsse man sich noch gedulden, hieß es.

Zu einer anderen Einschätzung kommt hingegen Peter Dörsam, Vorstand des Projektbeirats Alpha-E: „Die Dreigleisigkeit ist ja der Kompromiss, damit nicht alle Gützerzüge auf die Strecke gehen, sondern auch alternative Strecken genutzt werden, wie bisher.“ Die Leistungsfähigkeit sei zudem noch gar nicht abschließend geklärt worden. Eine fahrplanbasierte Betrachtung solle noch folgen.

Von Dennis Thomas