Donnerstag , 22. Oktober 2020
Noch ist der Betriebshof in Embsen Heimat des kreiseigenen Betriebs für Straßenbau und -unterhaltung. Doch mit dem geplanten Umzug nach Scharnebeck wird das Gelände frei, kann anderweitig genutzt werden. Foto: t&w

Sozialer Wohnungsbau statt Salzlager

Embsen. Die Anfrage kommt für Jens-Michael Seegers überraschend: „Von diesen Überlegungen höre ich zum ersten Mal“, sagt der Chef des kreiseigenen Betriebs für Straßenbau und -unterhaltung (SBU) in Embsen. Wie berichtet, werden die Straßenwärter bald nach Scharnebeck umziehen, wo zurzeit ein neuer Betriebshof entsteht. Im März soll mit den Hochbauarbeiten begonnen werden. Wie die Nachnutzung des alten, rund ein Hektar großen Bauhof-Geländes in Embsen aussehen könnte, darüber haben sich jetzt Embsens Gemeindedirektor Peter Rowohlt und der Ostheider Samtgemeindebürgermeister Norbert Meyer (beide SPD) Gedanken gemacht. „Statt das Areal in Embsen zu verkaufen, wäre es sinnvoll, darüber nachzudenken, ob der Landkreis das Grundstück nicht als erstes Projekt zur Schaffung von bezahlbarem Wohnraum bereitstellt“, schlägt Meyer vor, der sich als Landratskandidat um die Nachfolge des Ende Oktober aus dem Amt scheidenden Landrates Manfred Nahrstedt (SPD) bewirbt.

Fläche soll planungsrechtlich geprüft werden

Für Seegers sind diese Planspiele neu: Für die Finanzierung des Neubaus in Scharnebeck sei der Verkauf des Areals in Embsen eingerechnet, macht er deutlich: „Wenn der Kreis mit der Fläche anderes plant, hat er den ersten Zugriff auf das Areal. Dann muss man darüber sprechen.“

Im Kreishaus hält man den Vorstoß für durchaus überlegenswert: „Grundsätzlich finde ich es sinnvoll und begrüßungswert, im Landkreis Lüneburg bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Deswegen werden wir die Fläche des Betriebshofes in Embsen auch planungsrechtlich prüfen. Wichtig ist außerdem, dass der SBU einen entsprechenden finanziellen Ausgleich erhält, falls der Landkreis Lüneburg die Fläche für den Wohnungsbau nutzen sollte. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Eine Variante wäre eine Umschichtung im Kreishaushalt“, sagt Kreisrätin Sigrid Vossers.

Anfangs hatte auch Peter Rowohlt – im Hauptamt Bürgermeister der Samtgemeinde Ilmenau – Interesse an dem rund ein Hektar großen Gelände, letztlich aber doch abgewunken. „Das Areal ist zwei Nummern zu groß für uns“, sagt der Rathauschef, der überlegt hatte den Bauhof seiner Samtgemeinde dort unterzubringen.

„Die Gebäude auf dem SBU-Gelände sind zum großen Teil alt, wirken in ihrer Kombination zusammengewürfelt und kaum alternativ nutzbar“, sind sich Meyer und Rowohlt einig. Die Büro- und Verwaltungsräume seien in einem umgebauten Wohnhaus im Siedlungsstil der 1950er-Jahre untergebracht, einige Schuppen und das Salzlager schon jetzt abgängig. „Einen Nachnutzer zu finden, dürfte also schwierig werden“, glaubt das Duo.

Kann das Eis gebrochen werden?

Anders stelle sich die Situation dar, wenn der Kreis die Fläche selbst nutze – für die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. „Damit wäre die bisherige Hürde vom Tisch, dass der Landkreis die Kreissiedlungsgesellschaft zwar massiv fördert und fordert, aber die Grundstücke dafür von den Gemeinden kommen sollen. Die können sich für dieses Konstrukt bisher überhaupt nicht begeistern“, geben die beiden Rathauschefs zu bedenken, und und Meyer fügt an: „Mit einem ersten gelungenen Projekt für bezahlbaren Wohnraum könnte dieses Eis gebrochen werden.“

Embsen bietet sich aus Meyers und Rowohlts Sicht dafür geradezu an: Im östlichen Teil von Embsen ist mehrgeschossige Bauweise aus den Zeiten der Werkssiedlung vollkommen etabliert. „Und im Ortskern haben wir als Gemeinde gerade ein Grundstück für Mehrfamilienhausbebauung verkauft – das ist kein Problem“, ergänzt Rowohlt in seiner Funktion als Gemeindedirektor.

Das Areal grenze an ein bestehendes Wohn- und Mischgebiet. Die Erschließung sei mithin gesichert, die Infrastruktur der Gemeinde mit Kindergarten, Schulzentrum und Einkaufsmöglichkeiten gerade auch für junge Familien bestens geeignet. „Der Landkreis hat es also selbst in der Hand, mit guten Beispiel voranzugehen“, sagt Meyer.

Sollte die Idee Unterstützer finden müsste die Gemeinde noch einen entsprechenden Bebauungsplan aufstellen.

von Klaus Reschke