Dienstag , 22. September 2020
Dr. Carola Rudnick steht vor dem alten Gärtnerhaus, das mal zum Bildungszentrum werden soll. (Foto: t&w)

Gärtnerhaus wird Bildungszentrum

Lüneburg. Die Euthanasie-Gedenkstätte in Lüneburg wird um ein Bildungszentrum erweitert. Der erste Spatenstich für das Seminarhaus ist für den 22. März geplant. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz unterstützt das Vorhaben mit 100 000 Euro.

Die Gedenkstätte auf dem Gelände der Psychiatrischen Klinik Am Wienebütteler Weg erinnert an die Opfer der NS-Psychiatrie in der damaligen „Kinderfachabteilung“, in der zwischen 1941 und 1945 rund 350 geistig oder körperlich behinderte Kinder aus ganz Norddeutschland ermordet worden sind.

In dem Bildungszentrum können Besucher künftig nach Themen und Einzelschicksalen recherchieren. Für die Sanierung eines ehemaligen Gärtnerhauses, das 1832 errichtet worden war, hatte die Gedenkstätte, die von einem Verein getragen wird, in den vergangenen Monaten rund 730 000 Euro zusammengetragen. Die jetzt zugesagten 100 000 Euro schließen die Förderlücke für die Umsetzung. „Wir sind überwältigt von der breiten Unterstützung unserer Arbeit. Der denkmalgerechten Sanierung steht jetzt nichts mehr im Wege“, sagt Dr. Carola Rudnick, wissenschaftliche und pädagogische Leiterin der Gedenkstätte.

Viele Geldgeber machen den Ausbau möglich

An der Finanzierung des Bildungszentrums beteiligen sich auch die Psychiatrische Klinik Lüneburg mit 220 000 Euro, der Landkreis Lüneburg mit 107 000 Euro, die Hermann-Reemtsma-Stiftung mit 100 000 Euro, die Klosterkammer Hannover mit 51 000 Euro, die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung mit 50 000 Euro, das Landesdenkmalamt mit 30 000 Euro sowie die Sparkassen- und die VGH-Stiftung mit jeweils 20 000 Euro. Das Zentrum soll künftig auf einer Fläche von rund 130 Quadratmetern Seminar- und Arbeitsräume in zwei Geschossen sowie ein pädagogisches Archiv beherbergen. Der Umbau ist bis August 2020 geplant.

Die Erweiterung sei dringend notwendig, weil die Besucher- und Teilnehmerzahlen der ein- bis mehrtägigen Seminare ständig steigen. „Im Jahr 2018 waren es mehr als 1000“, betont Dr. Sebastian Stierl, ehrenamtlicher Vorsitzender des Trägervereins.

Für die Umsetzung des Projekts erhält die Gedenkstätte Unterstützung vom Lüneburger Architekturbüro Henschke Schulze Reimers. Die Gesundheitsholding Lüneburg trägt seit Januar 2019 zudem die Personalkosten für eine Verwaltungskraft und einen Archivar, der in Vorbereitung des pädagogischen Archivs bereits im vergangenen Jahr mit der Erfassung der Sammlungsbestände der Gedenkstätte begonnen hat. lz