Freitag , 25. September 2020
Eine Brennblase für Whisky auf dem Grundstück an der Egerstorffstraße kündigt den Bau der Destille neben dem Hotel an. Foto: t&w

Hotel soll Ende des Jahres eröffnen

Lüneburg. Für den Syndicus der Stadt war einst das Haus am sogenannten Windberg errichtet worden, dessen Ursprung auf das Jahr 1438 zurück geht. Im Laufe der Jahrhunderte unterschiedlich genutzt, war dort auch viele Jahre das Schulamt der Stadt untergebracht. Zuletzt verfiel das Gebäude an der Egerstorffstraße zunehmend – bis es der Bleckeder Unternehmer Stephan Scheer vor sechs Jahren erwarb. Die Sanierung des denkmalgeschützen Gebäudes ist inzwischen weit vorangeschritten. „Ende 2019/Anfang 2020 wollen wir mit dem Hotelbetrieb und der angeschlossenen Whisky-Destille starten“, sagt Scheer. Mit Blick auf die historischen Wurzeln hat er mit Marc Blancke, der das Hotel betreiben wird, auch schon einen Namen gefunden: Hotel Wyndberg.

Historisches bewahren, sensibel sanieren und neues Leben ins Gebäude einziehen lassen, dem sieht sich Scheer verpflichtet. Auch in seiner Heimatgemeinde Bleckede hat er bereits mehrere anspruchsvolle Projekte umgesetzt. Das Haus an der Egers­torffstraße stellte ihn vor manche Herausforderung. Da es an der Abbruchkante zum Senkungsgebiet steht, musste eine Sohle unters Haus gebracht werden.

Historisches wird sensibel saniert

Die alten Kellergewölbe, die freigelegt wurden, mussten mit Fundamenten unterbaut werden, „damit die Räume eine entsprechende Höhe bekommen“, sagt Scheer in einem der Gewölberäume stehend. Die historischen Steine wurden aufgearbeitet, zum Teil auch 8000 alte Klosterformatsteine eingesetzt. Da kam Marc Blancke ins Spiel, der wie Scheer ein Faible für historische Gebäude hat und unter anderem Besitzer des Hotels „Anno 1433“ an der Neuen Sülze ist.

Beim „Tag des Denkmals“ im vergangenen September hatte er sich das Projekt von Scheer angeschaut, war dabei mit ihm ins Gespräch gekommen. Scheer berichtete, dass es schwierig sei, ausreichend historische Klosterformatsteine zu finden. Blancke hatte noch größere Mengen aus anderen Bauvorhaben, die nun den Besitzer wechselten. Und man kam weiter ins Gespräch über die Erfahrung mit der Sanierung von historischer Bausubstanz. „Wir haben schnell gemerkt, dass wir auf gleicher Wellenlänge sind“, sagen die beiden. Das sowie auch Blanckes Hotelerfahrungen waren schließlich ausschlaggebend dafür, dass er den Zuschlag als Pächter bekam. Immerhin 70 Bewerber hatte Scheer in petto.

Alte eichene Deckenbalken im Obergeschoss

Beim Gang durchs Gebäude merkt man beiden die Freude an, wenn es um Details bei der Sanierung der historischen Bausubstanz geht. Gemeinsam zeigen sie auf alte Pfeilerreste, die aus dem Mauerwerk hervorragen und Hinweis darauf sind, wie sich das Gebäude gesenkt hat. Oder auf Fingerabdrücke in alten Steinen, die im Vorfeld des Brennens entstanden sind. Hoch geht der Blick zu alten eichenen Deckenbalken im Obergeschoss, an denen noch Stroh haftet von alten Verputzungen und die zum Erhalt für die Zukunft aufgearbeitet werden. Schmuckstücke aus der Vergangenheit sind auch eichene Decken mit reichhaltiger Bemalung im Ober- sowie im Erdgeschoss. Restauratoren sollen sie in den kommenden Monaten überarbeiten. Das braucht nicht nur Zeit, sondern kostet auch, weiß Scheer. Doch unter dem Aspekt des Bewahrens für ihn gut angelegtes Geld.

Wie auch für die vielen Fenster, die nach historischem Vorbild maßangefertigt werden mussten. „Da sich das Gebäude im Laufe der Zeit verzogen hat, sind manche schief, und das soll man auch ruhig sehen“, sagt der Bauherr, der die gute Zusammenarbeit mit der Stadt und Denkmalpflege bei dem Projekt lobt.

26 Zimmer bieten Platz für Gäste

Insgesamt 26 individuelle Zimmer entstehen. In die Gewölbenischen der Kellerflure werden Whisky-Fässer einziehen. Denn das Besondere am Hotel „Wyndberg“ wird die Whisky-Destille sein, die direkt ans Gebäude angebaut wird. In den kommenden zwei Monaten will Scheer mit dem Bau beginnen. Mitte des Jahres könnte mit dem Brennen des Whiskys begonnen werden, der drei Jahre lagern muss, bevor Gäste des Hauses genießen können. Vielleicht mit dem Namen „Wyndberg“, haben Scheer und Blancke überlegt.

Von Antje Schäfer

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