Samstag , 26. September 2020
Sie gehören zu den „Vitaminis“: Lina (v.l.), Helena, Hanifa und Rebecca. (Foto: t&w)

Früh übt sich

Lüneburg. Den besten Überblick haben sich Sarah Lippek und Maja Rossol verschafft, sie stehen hinter einer schwarzen Leinwand, knapp drei Meter über dem Boden. Von dort oben verfolgen die beiden Schülerinnen das Gewusel im Foyer des Libeskind-Baus aufmerksam, sie können sehen, von welchem Stand der Duft nach frisch aufgebrühtem Kaffee ausgeht, wo es die Obstspieße und Apfeltaschen gibt, die sich viele Besucher gerade schmecken lassen. Sucht aber jemand ihren Stand auf, zeigen die beiden Mädels, was sie draufhaben.

Dabei geht es jedoch nicht um Kochkünste: Maja (12) lässt einen Bären in der Luft tanzen, ihre 13-jährige Freundin einen Schmetterling. Das Duo gehört dem Marionetten- und Figurentheater der Oberschule in Bardowick an – eine Schülerfirma, die im Werkunterricht angesiedelt ist. Neunt- und Zehntklässler fertigen die Puppen selbst, sie bieten Kurse und Aufführungen an, verkaufen die liebevoll gestalteten Figuren auch. Ein Fachmann ist inzwischen Nicholas Brandes. „Die Köpfe schnitzen wir aus Styrodur, die Körper sind meist aus Holz. Da kommt dann ein Gewicht rein“, erklärt der 14-Jährige. Warum er sich für diesen Wahlpflichtkurs entschieden hat? „Das ist mal was anderes, sowas macht man nicht alle Tage.“

40 Firmen aus 17 Schulen

Die Schülerfirmenmesse, die das Umweltbildungszentrum, kurz Schubz, bereits zum 5. Mal veranstaltet, ist beliebt. Es ist für die Jugendlichen eine Möglichkeit, der Öffentlichkeit zu zeigen, was sie im Schulalltag und oft auch in ihrer Freizeit so alles auf die Beine stellen. 40 Firmen aus 17 Schulen haben ihren Weg ins Zentralgebäude gefunden.

Zu den jüngsten Teilnehmern zählen die „Vitaminis“ der Heiligengeistschule. „Wir machen alles aus Obst und Gemüse“, erzählen die Dritt- und Viertklässler, die auf einen eigenen Schulgarten zum Anpflanzen zurückgreifen können und ihre Mitschüler regelmäßig mit Leckereien in den Pausen versorgen. Auf dem Uni-Campus verkaufen sie für kleines Geld Smoothies, Sandwiches und vieles mehr. Die Kartoffel-Möhren-Suppe haben die Grundschüler vorgekocht. „Gestern haben wir schon zwei Stunden gearbeitet“, sagt Rebecca (9). „Mir macht es richtig viel Spaß, zu kochen und zu verkaufen.“

Gewürzgurken und Röstzwiebeln

Nebenan reicht Fabio Wein einen Hotdog mit Gewürzgurken und Röstzwiebeln über den provisorischen Verkaufstresen. Der 16-Jährige, der die 10. Klasse der Oberschule Neuhaus besucht, gehört zur Schülerfirma „Felskrug“. Diese ist Teil des Fachs Politik/Wirtschaft, das die Schüler anstelle von Französisch belegen können. Zweimal in der Woche kümmern sich die 25 Schüler jeweils eineinhalb Stunden lang um alles, was es für das Betreiben eines Kiosks braucht: um Buchungen, Marketing, Produktion, Verkauf und das Lager.

Breit aufgestellt ist auch die Schülergenossenschaft der Integrierten Gesamtschule in Lüneburg, einen Namen hat sie jedoch noch nicht. 140 Jugendliche machen mit. Was die sieben Abteilungen alles so anbieten, erzählt Sarah Werner (15), die selbst im Eventteam aktiv ist und beispielsweise am Valentinstag gerade Rosen verschenkt hat. „Im Textilbereich werden alte Stoffe neu verarbeitet, unsere Fahrradgruppe repariert alte, kaputte Teile und baut sie wieder ein.“

Vogelhäuser und Spiele aus Holzpaletten

Neben einem Shop, in dem ausschließlich Bio-Produkte verkauft werden, bieten die Schüler ihren Lehrern auch Kinderbetreuung an, stellen zudem Vogelhäuser und Geschicklichkeitsspiele aus alten Holzpaletten her.

Aktiv werden, im Team arbeiten, Verantwortung übernehmen und sich beruflich orientieren – all diese Aspekte lernen junge Menschen, wenn sie sich bei einer Schülerfirma engagieren. Davon ist Jan ter Horst vom Kultusministerium überzeugt, er hat die Jungen und Mädchen jetzt im Audimax begrüßt. „Die Niedersachsen sind bekanntlich bescheidene Leute, hauen nicht gern auf die Trommel. Was nachhaltige Schülerfirmen betrifft, kann ich euch sagen, sind wir das Topland in der Bundesrepublik.“

Auszeichnung vom Kultusministerium

Diese Schulen wurden zertifiziert

  • Heiligengeistschule Lüneburg: Bronze
  • Integrierte Gesamtschule Lüneburg: Bronze
  • Gymnasium Salzhausen: Silber
  • Oberschule Jesteburg: Silber

Eine vierköpfige Jury hat außerdem bei der Messe die kreativsten und besten Stände begutachtet und drei von ihnen ausgezeichnet: gewonnen haben die Schülergenossenschaft „Genowa“ der Oberschule Walsrode, das Unternehmen „Modarema“ von der Oberschule Bardowick und der Bügelservice der Schule am Knieberg.

Von Anna Paarmann