Dienstag , 29. September 2020
Der wuchtige Komplex am Eingang zum Roten Feld soll verschwinden. Doch der geplante Neubau samt eines dreigeschossigen „Gartenhauses“ zwischen Linden- und Barckhausenstraße findet nicht nur Beifall. Foto: be

Ärgerlicher Schatten

Lüneburg. Der Klotz an der Ecke Linden-/Barckhausenstraße soll weichen, ein Investor will am Tor zum Roten Feld rund 60 Wohnungen errichten. Dagegen regt sich nun Widerstand in der Nachbarschaft. Anliegern geht es vor allem um einen Neubau, der auf dem hinteren Grundstück entstehen soll.

Jörn Schneider, dem die angrenzenden Gebäude an der Lindenstraße 29a und 30 gehören, zeigt Skizzen, die er als Anlieger von der Verwaltung erhalten hat. Sie zeigen einen Bau der inklusive Erdgeschoss über drei Etagen reicht: „Dann liegen unsere Wohnungen und Räume im Schatten.“ Das treffe nicht nur ihn, sondern auch seine Nachbarn, die zur Barckhausenstraße hin wohnen und arbeiten.

Im Rathaus kennt man die Bedenken. Dort sagt Suzanne Moenck: „Die Sorgen von Herrn Schneider sind der Stadt bekannt, wir nehmen sie ernst. So hat die Hansestadt, um beiden Seiten – also dem Bauherrn wie dem Nachbarn – gerecht werden zu können, auch eine mögliche Verschattung gutachterlich prüfen lassen. Das Ergebnis dieser sogenannten Verschattungsstudie wird bei der Abwägung des eigens für das Bauvorhaben erarbeiteten Bebauungsplans berücksichtigt.“

Dreigeschossiger Neubau geplant

Was dabei herausgekommen ist, verrät die Sprecherin der Stadt allerdings nicht. Kurz: Das Verfahren läuft, Wünsche und Kritik würden gesammelt und dann im Bauausschuss vorgestellt. Die Planung werde sich voraussichtlich noch über dieses Jahr hinziehen.

Schneider, der sein Geld selber in der Immobilienbranche verdient, ist nicht grundsätzlich gegen das Projekt, aber er sieht die Interessen der Nachbarschaft nicht ausreichend gewahrt. Er hat inzwischen einen renommierten Lüneburger Juristen für Verwaltungsrecht eingeschaltet und schließt nicht aus, im Zweifel vor Gericht zu ziehen. Denn er fürchtet auch finanziellen Schaden. Seine Mieter hätten bereits angekündigt, aufgrund der zu erwartenden Bauarbeiten und eben wegen des befürchteten Schattenwurfes möglicherweise die Miete kürzen zu wollen. Die Forderung: Der Bau auf dem hinteren Grundstück solle zumindest kleiner ausfallen. Die Nachbarschaft sehe es ähnlich.

Bowling-Center ein Dorn im Auge

Die LZ hatte in der Vergangenheit über die Pläne berichtet. Das sogenannte Bowlingcenter, das Ende der 1970er Jahre nach dem Abbruch der alten MTV-Halle errichtet worden war, hatte längere Zeit zu großen Teilen leer gestanden. Ein Unternehmer hatte den Komplex gekauft und seine Ideen der Stadt vorgestellt: eben rund 60 Wohnungen und eine Tiefgarage. Die Politik zeigte sich offen, als die beauftragten Architekten Entwürfe im November 2017 im Bauausschuss vorstellten, denn der jetzige Bau gilt schlicht als hässlich. Damals hieß es: „Im Innenhof sieht der Entwurf ein dreigeschossiges Gartenhaus vor, auch hier ist der Sockelbereich gemauert, die Fassade darüber mit hellem Putz versehen. Hohe Fenster sorgen für helle, lichte Wohnungen.“

Für das Projekt muss ein neuer „vorhabenbezogener Bebauungsplan“ aufgestellt werden. Das Verfahren sei im Januar 2017 eingeläutet worden, heißt es aus der Verwaltung. Ein Jahr später habe die „frühzeitige Beteiligung“ der Öffentlichkeit stattgefunden, also wurden Anlieger gehört. Suzanne Moenck erklärt: „Nach dem Abschluss weiterer Untersuchungen, insbesondere zu Schallbelastungen, zur Entwässerung, zum Kleinklima und zu Schattenwürfen ist die förmliche Beteiligung der Öffentlichkeit vorgesehen. Auch diese Planung soll voraussichtlich 2019 abgeschlossen werden.“ Sei alles zusammengetragen, werde der Entwurf des B-Planes erneut ausgelegt, dann könnten wieder Bedenken und Anregungen vorgetragen werden.

Von Carlo Eggeling

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