Sonntag , 20. September 2020
Jörg Henning und David Bay paddeln auf der Luhe Richtung Garstedt. Künftig soll das auch an Himmelfahrt verboten sein. (Foto: t&w)

Fahrverbote an Feiertagen

Lüneburg. Kanu- sowie Kajak-Fahrer und andere Freizeitpaddler müssen sich an Luhe, Lopau und Ilmenau im Landkreis Lüneburg auf neue Nutzungsregeln und Verbote einstellen.

Stefan Bartscht, Leiter der Unteren Wasserbehörde beim Landkreis, stellte dem Umweltausschuss des Kreistags jetzt den Entwurf der neuen Verordnung vor. Den Anstoß für die Neuregelung hat die Kanu-Initiative der Luhe-Anrainer gegeben: Im Rahmen eines gemeinsamen Projektes im Naturpark Lüneburger Heide haben die Samtgemeinden Amelinghausen, Salzhausen, die Stadt Winsen/Luhe sowie der Kreis Harburg ein Konzept entwickelt, das naturnahe Kanuwandern am Heidefluss Luhe zu fördern. Dazu gehört auch eine Anpassung der Befahrensregeln, mit denen der Kreis Lüneburg nun gleichziehen will.

Fischotter und Biber sollen profitieren

Analog zu den Regeln im Kreis Harburg schlägt nun auch die Lüneburger Kreisverwaltung vor, die Zeiten der Nutzung zu beschränken. So soll das Befahren von Luhe, Lopau und Ilmenau im Lüneburger Kreisgebiet zwischen 18 und 9 Uhr verboten werden. Damit soll gewährleistet werden, „dass tagaktive Tiere in den Morgen- und Abendstunden noch bei Tageslicht störungs- und stressfrei Wasser und Nahrung im Uferbereich der Gewässer zu sich nehmen können, bzw. allgemein Ruhezeiten haben“, heißt es in der schriftlichen Begründung des Verordnungsentwurfs. Vor allem Tiere wie Fischotter und Biber sollen davon profitieren.

Auch sollen die „Chaostage“ an den Heideflüssen ein Ende haben. Wie im Harburger Luhe-Bereich will auch der Kreis Lüneburg ein striktes Kanu-Fahrverbot an den Feiertagen Himmelfahrt und Pfingsten durchsetzen. „An diesen Tagen sind viele Ausflügler betrunken und mit lauter Musik unterwegs, sie verhalten sich leider alles andere als rücksichtsvoll,“ sagt Bartscht.

„An diesen Tagen sind viele Ausflügler betrunken und mit lauter Musik unterwegs. “ – Stefan Bartscht, Untere Wasserbehörde

Die Kanu-Verleiher hatten hingegen ihren Kunden klar gemacht, dass sie mit Schnaps und Bierkisten nichts in ihren Booten zu suchen haben. Und so hatte im vergangenen Herbst Matthias Schrenk von Heide-Kanu sogar ein behördliches Alkoholverbot und Kontrollen durch die Kommunen angeregt. Während die Luhe-Anrainer zuletzt über Kontrollinstrumente nachdenken wollten, steht aus Sicht des Landkreises Lüneburg fest, dass „jahrelange Informationskampagnen, die auf die Sensibilisierung der Ausflügler zielten“ trotz aller Bemühungen „keinen Erfolg“ brachten. Deshalb fiele die Wahl nun auf die generellen Fahrverbote an den Feiertagen im Frühjahr, um Schäden wie in der Vergangenheit, beispielsweise an Nistplätzen des geschützten Eisvogels, zu vermeiden.

Lüneburger Stadtgebiet bisher ausgenommen

Von den geplanten Regelungen an der Ilmenau ist bislang das Gebiet der Stadt Lüneburg ausgenommen, ebenso der Bereich im Kreis Uelzen. Im nächsten Schritt plant der Kreis Lüneburg ein Beteiligungsverfahren. Daran nehmen unter anderem Kommunen und Unterhaltungsverbände teil. Die endgültige Entscheidung über den Entwurf trifft der Kreistag Mitte Mai.

Während im Lüneburger Umweltausschuss jüngst nur noch die Rede von neuen Nutzungsregeln war, haben die Luhe-Anrainer im Naturpark hingegen ein Maßnahmenpaket zur Förderung des naturnahen Kanu-Wanderns auf den Weg gebracht. Dazu gehört die Überarbeitung der Beschilderung, wasserfeste Luhekarten mit einer Übersicht der Ein- und Ausstiege, die Verlängerung von einzelnen Stegstufen für Kajakfahrer, eine Kennzeichnungspflicht für alle Boote bis hin zu einer Selbstverpflichtung der fünf Kanuverleiher, die auch an der Luhe tätig sind, ihren Bootsbestand nicht weiter auszubauen.

Von Dennis Thomas