Sonntag , 27. September 2020
So soll die Grundschule in Melbeck nach den Vorstellungen des Architektenbüros Oldenburg.Plesse nach dem Umbau aussehen, die Mensa im neu zu errichtenden Verbindungstrakt untergebracht werden. (Grafik: Oldenburg.Plesse)

Unaufgeregt und modern

Melbeck. „Eine tolle Sache“, lobte Architekt Frank Plesse, „die Appetit auf mehr macht“, bilanzierte Ilmenaus Rathauschef Peter Rowohlt, der denn auch gleich vieldeutig nachlegte: „Wir haben in der Samtgemeinde schließlich noch eine Schule, die wir machen wollen.“

Doch jetzt ging es erst einmal um die Grundschule in Melbeck, die zur Ganztagsschule um- und ausgebaut werden soll. Dafür hatte die Verwaltung einen Architektenwettbewerb ausgeschrieben, die eingereichten Entwürfe wurden nun im Rahmen einer kleinen Feierstunde im Rathaus der Öffentlichkeit vorgestellt. Am meisten überzeugt hatte die Jury dabei der Entwurf des Lüneburger Architektenbüros Oldenburg.Plesse. „Die architektonische Ausgestaltung spiegelt eine moderne, unaufgeregte Haltung wieder, die sich selbstbewusst gegenüber dem Bestand darstellt, wobei die Wahl der Materialien und der farblichen Differenzierung gegenüber dem Bestand eine hohe Bedeutung zukommt“, heißt es unter anderem in der Bewertung des Preisgerichts.

Vier Büros haben sich beteiligt

„Ich freue mich natürlich, dass unser Entwurf so gut angekommen ist“, betonte ein sichtlich zufriedener Frank Plesse. Lob kam aber auch von der Konkurrenz: „Dass die Samtgemeinde zu einem Architektenwettbewerb aufgerufen hatte, ist wirklich zu begrüßen“, findet auch Architekt Hartmut Czerlinski. Dass die Ideen seines Büros „nur“ auf dem zweiten Platz landeten, empfindet der Planungsexperte dabei gar nicht so dramatisch: „Wir haben ganz viel gelernt und nutzen solche Veranstaltungen auch zum Ideenaustausch.“

Vier Architektenbüros hatten sich an dem Verfahren beteiligt und ihre Entwürfe eingereicht. „Anonym natürlich“, machte Architekt Dietrich Hartwich deutlich, der im Auftrag der Samtgemeinde den Wettbewerb gemeinsam mit seiner Kollegin Anke Bartsch organisierte.

„Ein solches Vorgehen würden wir uns auch in anderen Kommunen wünschen. “ – Dietrich Hartwich , Architekt

Mit in der Jury saßen außerdem der Bauausschuss-Vorsitzende Karsten Fuhrhop (BLI), Samtgemeindebürgermeister Peter Rowohlt (SPD), sowie als beratende Mitglieder Ulrich Müller-Menzel (CDU), Peter Kukat (Grüne) und Martin Cohrs (UWI).

Jetzt, wo der Siegerentwurf feststeht, soll es nach den Worten von Rowohlt möglichst schnell an die Umsetzung gehen: Bauantrag, Ausschreibungen, Vergabe und Baubeginn. „Unsere Absicht ist es, noch in 2019 zu beginnen“, erklärte der Bürgermeister den Zeitplan, „das Geld für die Baukosten – rund zwei Millionen Euro – sind bereits im Haushalt eingestellt.“ Unter anderem für den Bau von vier neuen Räumen und den dazugehörigen Gruppenflächen, einer Mensa sowie die Umgestaltung des Verwaltungstrakts.

Das nächste Großprojekt steht an

Zufrieden mit dem Ergebnis ist auch Schulausschuss-Vorsitzender Ulrich Müller-Menzel: „Ich bin froh, dass wir uns dazu entschieden haben, einen Architekten-Wettbewerb durchzuführen.“ Ein Instrumentarium, das auch aus Sicht der Architektenbüros in Stadt und Landkreis noch viel zu selten bei öffentlichen Bauten zur Anwendung komme. „Ein solches Vorgehen würden wir uns auch in anderen Kommunen wünschen“, betonte Hartwich.

Das nächste Großprojekt in der Samtgemeinde Ilmenau – Rowohlt kündigte es schon an – steht mit dem Neubau der Grundschule in Deutsch Evern an: „Zunächst muss jetzt ein Raumkonzept erstellt werden“, erläuterte Rowohlt, dabei soll Architekt Dietrich Hartwich die Schule dieses Mal als Berater unterstützen.

Da man jetzt bereits in Melbeck mit dem Architektenwettbewerb gute Erfahrungen gemacht hat, könnten sich Politik und Verwaltung dieses Vorgehen auch gut für den Schulneubau in Deutsch Evern vorstellen. „Allerdings wird hier das vereinfachte Verfahren aufgrund der höheren Investitionssumme nicht mehr ausreichen, da werden wir den Wettbewerb europaweit ausschreiben müssen“, erklärte Samtgemeindebürgermeister Rowohlt.

Von Klaus Reschke