Samstag , 31. Oktober 2020
Markus Graff will für die Linkspartei als Kandidat bei der Landratswahl antreten. (Foto: be)

Graff peilt das Kreishaus an

Adendorf. Markus Graff wirft seinen Hut in den Ring. Der Kommunalpolitiker der Linkspartei will am 26. Mai Nachfolger von Landrat Manfred Nahrstedt (SPD) werden, der auf eigenen Wunsch am 31. Oktober vorzeitig aus dem Amt scheidet. Am Dienstag, 19. Februar, tagt der Kreisverband der Linkspartei im MTV-Vereinsheim in Lüneburg. Dann soll die offizielle Kandidatenkür erfolgen. Einen Gegenkandidaten hat Graff bislang nicht.

Der Adendorfer weiß, dass ihm als Kandidat der Linkspartei bei der Wahl zum Landrat wohl allenfalls Außenseiterchancen eingeräumt werden. Doch der 58-Jährige gibt sich kämpferisch: Auf die Frage nach seinen Siegchancen sagt er: „Das Spiel ist erst zu Ende, wenn der Schiedsrichter abpfeift.“ Das heißt: Solange will Graff für ein gutes Wahlergebnis kämpfen, linke Positionen mehrheitsfähig machen.

Grünen den Rücken gekehrt

Schließlich kennt sich der Adendorfer Ratsherr in der Kommunal- und in der Kreispolitik bestens aus. Er war Fraktionschef und stellvertretender Landrat – damals noch für die Grünen. Innerparteiliche Querelen waren es, die Graff schließlich dazu bewogen, den Grünen den Rücken zu kehren.

Nicht sein erster Wechsel des Parteibuchs: 1981 war der gelernte Verwaltungsangestellte und spätere Grund- und Hauptschullehrer als damals jüngster Ratsherr für die CDU in den Gemeinderat Adendorf eingezogen. 1990 kam es zum Bruch mit der CDU. Nicht wegen der Wiedervereinigung. Die begrüßt Graff nach eigenem Bekunden ausdrücklich, sondern wegen der aus seiner Sicht damals falschen Wirtschaftspolitik.

Scharfe Kritik an der Wirtschaftspolitik

Jetzt also engagiert sich der Adendorfer für die Linkspartei. Warum? „Man muss sich doch nur die ungute gesellschaftliche Entwicklung in Deutschland anschauen“, sagt der 58-Jährige: „Die Reichen werden immer reicher, während die Mittelschicht immer mehr zu kämpfen hat um überhaupt über die Runden zu kommen.“ Diesem Zustand wollte er nicht mehr länger tatenlos zusehen.

Seit 2016 sitzt Graff für die Linke im Adendorfer Gemeinderat.

Diese Parteizugehörigkeit erstaunt so manch politischen Gegner: Denn sein Geld verdient er inzwischen als Geschäftsführer einer Vermögensverwaltung. Sich trotzdem für linke Politik zu engagieren, ist für den Adendorfer aber kein Widerspruch.

Thema Elbbrücke: „Muss gebaut werden“, sagt Graff – „Bund und Land müssen das Projekt finanziell unterstützen.“ A39? „Überflüssig, unnütz und umweltpolitisch absurd.“ Dafür will Graff, das der ÖPNV ausgebaut und gefördert wird, ebenso die ländliche Region insgesamt. „Wir müssen das Stadt/Land-Gefälle endlich in den Griff bekommen, der Landkreis muss zukünftig gemacht werden.“ Und: „Es muss klar sein, dass Entscheidungen künftig wieder im Kreishaus und nicht im Lüneburger Rathaus gefällt werden.“ Bezahlbarer Wohnraum, kostenfreie Mittagsverpflegung in Kitas und Schulen sowie die Überarbeitung des Abfallwirtschaftskonzepts mit dem Ziel, Einweg-Geschirr zu verbannen, sind weitere Themen auf seiner Agenda.

Und zum Thema Arena Lüneburger Land hat Markus Graff auch eine Haltung: „Da hat die Spitze der Kreisverwaltung auf ganzer Linie versagt! Nicht nur, weil die Kosten für den Bau nicht feststehen, sie steht auch am falschen Platz!“ Doch wie sagt Graff über sich selbst? „Einen eingebauten Maulkorb gibt es bei mir nicht.“

Von Klaus Reschke