Dienstag , 22. September 2020
Der Rangierbahnhof in Maschen ist der größte seiner Art in Europa. Damit der steigende Güterverkehr aus den norddeutschen Seehäfen nach Süd- und Ostdeutschland abgefahren werden kann, soll das Schienennetz ausgebaut werden. Foto: dth

Die Bahn kommt näher

Lüneburg/Hannover. Noch immer scheint völlig offen, wo in oder rund um die Stadt Lüneburg die Deutsche Bahn (DB) neue Schienentrassen plant. An der Bestandstras se entlang durch Lüneburg und Deutsch Evern? Quer durch die Dörfer westlich der Stadt? Oder doch parallel zur A7 durch die Heide? Es geht um die Umsetzung eines Teils des umstrittenen Schienenbauprojekts „optimiertes Alpha-E + Bremen“ – oder weniger sperrig: „Bahnprojekt Hamburg/Bremen – Hannover“.

Hinter den Kulissen laufe gerade die Grundlagenermittlung, ist von „DB Großprojekte“ zu vernehmen. Zudem hat Ende Januar ein Prüfprozess begonnen, ob ein dreigleisiger Ausbau der Strecke Lüneburg-Uelzen die gesetzlichen Zielvorgaben erfüllt. Parallel werden auch Alternativen untersucht.

Die konkreten Vorplanungen für die Trasse sollen voraussichtlich im zweiten Halbjahr beginnen, teilt DB Netze in einem öffentlichen Projektbrief „zum wichtigsten Bahnprojekt im Seehafenhinterland“ mit. Bei einer zentralen Infoveranstaltung am Dienstag in Hannover gaben die Projektverantwortlichen von der Bahn zusätzliche Einblicke in den aktuellen Stand des Verfahrens. Laut Armin Skierlo, Sprecher Großprojekte bei der DB, waren unter den rund 100 Teilnehmern Vertreter der Bundesländer Niedersachsen, Hamburg und Bremen, Land- und Bundestagsabgeordnete sowie Kommunalpolitiker und Vertreter von Bürgerinitiativen auch aus der Region Lüneburg.

Veranstaltung lässt noch viele Fragen offen

Die Veranstaltung nahm das Gesamtprojekt zur „Erweiterung von bestehenden Schienenwegen auf einer Länge von rund 400 Kilometern“ in den Blick, wobei der Abschnitt Lüneburg-Uelzen nur ein Teil davon ist – wenn auch der umstrittenste. Besonders im Fokus stand aber der Abschnitt Rotenburg-Verden. Der ist im Vergleich zum Lüneburger Abschnitt schon eine Leistungsphase weiter, nämlich in der Vorplanung. Die DB-Vertreter hatten in Hannover eine interaktive 3D-Visualisierung der Strecke Rotenburg-Verden sowie eine Schallvisualisierung vorgestellt. Die hat sich auch Dr. Karl-Heinz Rehbein, Nachhaltigkeitsbeauftragter der Stadt Lüneburg angesehen – und seine eigenen Schlüsse gezogen.

Laut Rehbein seien kritische Themen nicht ausreichend geklärt: „Gerade beim Thema Lärmschutz hat die Veranstaltung zu viele Fragen offen gelassen und zu wenig verbindliche Antworten geliefert. Insofern hat mich die Visualisierung eher beunruhigt, weil ich die Gefahr sehe, dass die schönen bunten Bilder von den eigentlichen Problemen ablenken.“

Die Strecke Lüneburg-Uelzen hingegen wurde bereits Ende Januar bei einer separaten Veranstaltung ausführlicher behandelt, beim nichtöffentlichen „Kick-off-Treffen zur umfänglichen Bewertung von Szenarien / Varianten eines dreigleisigen Ausbaus Lüneburg-Uelzen unter Berücksichtigung alternativer Laufwege“ in Hannover. Laut Lüneburgs Erstem Kreisrat Jürgen Krumböhmer haben dort Gutachter dargestellt, wie die Führung des Bahnverkehrs über die Hauptstrecke Hamburg-Hannover, also auch durch Lüneburg, eisenbahntechnisch aussehen könnte.

Gebäude müssten abgerissen werden

Krumböhmer: „Dabei stellte sich heraus, dass dies an einigen Stellen mit großen Problemen verbunden ist – vor allem in Lüneburg, aber auch in anderen Bahnhöfen. Zum Teil müssten auch Gebäude abgerissen werden. Zudem müsste auf den Reisezeitgewinn von elf Minuten zwischen Hamburg und Hannover verzichtet werden. Dies ist jedoch eine Forderung aus dem Deutschlandtakt.“ Er geht davon aus, dass in einem der nächsten Treffen mit der Bahn erste Pläne für zweigleisige Ortsumfahrungen vorgestellt werden.

Über die aktuellen Schritte beim Großprojekt „Hamburg/Bremen-Hannover“ will jetzt auch DB Netze regelmäßiger online informieren unter www.hamburg-bremen-hannover.de. Dort gibt es auch eine eigene Unterseite zum Abschnitt Lüneburg-Uelzen.

Von Dennis Thomas

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