Dienstag , 22. September 2020
Busse aus der Innenstadt zu verbannen, ist eine Idee, die beim Mobilitätsforum der SPD diskutiert wurde. Foto: t&w

Lust zu handeln

Lüneburg. „Lust auf Mobilität – Lust auf Morgen?“ – unter diesem Motto hatten Lüneburgs Sozialdemokraten zu ihrem Forum eingeladen. Ob das eher angelockt oder a bgeschreckt hat, ließ Ortsvereinsvorsitzender Friedrich von Mansberg am Sonnabendvormittag vor gut 50 Interessierten im Ausbildungszen­trum der Handwerkskammer augenzwinkernd offen. Er unterstrich jedoch den Ansatz, den die Partei damit verfolgt: „Wir wollen das Themenfeld nicht nur unter dem Blickwinkel von Angst, Verzicht oder Rückschritt diskutieren, sondern den Fortschritt und die Chancen wählen.“

Seit einem Jahr nehmen Lüneburgs Sozialdemokraten das Thema Mobilität in den Fokus. Nach einem Bürgerempfang und einem internen Workshop war das Forum nun der dritte Schritt. Für die Zukunft der Stadt gelte es, die zentralen Fragen zu definieren, um dann nach Lösungen zu suchen. Hier würden derzeit mehrere wichtige Initiativen angestoßen, betonte von Mansberg mit Blick auf das integrierte Stadtentwicklungskonzept, die Zukunftsstadt-Projekte im Rahmen von „Lüneburg 2030+“ und die Bildung eines Zukunftsrates.

Bürgerbeteiligung sei dabei entscheidend.

„Nicht Angst, sondern Lust darauf haben, Verbesserungen zu planen“, beschrieb es der SPD-Chef. Der Austausch stand neben drei Impulsreferaten – unter anderem von Verkehrsdezernent Markus Moßmann – im Mittelpunkt der vierstündigen Veranstaltung. An fünf Tischen diskutierten die Teilnehmer jeweils mit einem Schwerpunkt: Stadt, Region, Kaufleute/Handel, Handwerk und Stadtelternrat.

Die wesentlichen Aspekte und Impulse wurden anschließend im Plenum zusammengefasst und diskutiert. Eine Auswahl der Ideen und Hinweise:

▶ Busverkehr : Diesel-Busse raus aus der Innenstadt wird begrüßt. Eine Anbindung vom ZOB in die City müsse aber auch gewährleistet sein – etwa mit kleineren Bussen oder Sammeltaxen. Die Preise müssten bei Kurzstrecken günstiger werden.

▶ Nahverkehrsplan : Mit Spannung wird erwartet, ob die erhofften Verbesserungen des ab Dezember gültigen Planes (kürzerer Takt, bessere Anbindung an den Metronom, Linien auch bis abends und an Wochenenden, Umstieg auf das Rufbussystem im ländlichen Raum) auch greifen. Hier müsse zudem noch viel Aufklärungsarbeit in der Bevölkerung geleistet werden, damit das neue Angebot auch bekannt wird.

▶ Radverkehr : Radwege sollten besser gekennzeichnet sein, etwa in roter Farbe. Das System der Radwege ist oftmals zu kompliziert. Durch eigene Straßen würde dem Radverkehr eine höhere Priorität eingeräumt.

▶ Situation in der Innenstadt : Mehr Parkplätze für Fahrräder und Lastenräder, auch damit Fußgänger nicht behindert werden. Park und Ride von den Parkplätzen am Rande der Stadt in die Innenstadt – etwa durch Kleinbusse und neue Stellplätze für Mieträder. Neue Lieferkonzepte über Elektromobile und Lastenfahrräder. Abschließbare Boxen, um Einkäufe zwischenzulagern.

▶ Schülerbeförderung : Angeregt wird eine generelle Kostenfreiheit – auch außerhalb der Unterrichtszeit, ohne Fahrstreckenbegrenzung und auch für Auszubildende und Oberstufenschüler.

„Das sind viele interessante Ideen“

Leuphana-Professor Daniel Lang, der die Initiative „Zukunftsstadt Lüneburg 2030+“ mit koordiniert, freute sich über „die Lust zu handeln“. Es gelte, Projekte auszuprobieren, daraus Erfahrungen für weitere Konzepte zu sammeln und die Bürger direkt zu beteiligen. Dieser Ansatz sei oft wertvoller als ein großer Plan. „Etwa mit kleinen Veränderungen in der Innenstadt. Warum sollte man nicht an einem Wochenende mal ein paar Lastenräder zur Verfügung stellen, damit es Interessierte ausprobieren können“, regte er an.

Ostheides Samtgemeindebürgermeister und SPD-Landratskandidat Norbert Meyer hatte sich einige Notizen gemacht. „Das sind viele interessante Ideen, die ich aufnehme und über die es sich lohnt, nachzudenken“, sagte er in seinem Schlusswort. Neben den Verbesserungen durch den ab Dezember gültigen Nahverkehrsplan setzt er auf die Reaktivierung der Eisenbahnlinien von Lüneburg nach Amelinghausen und Bleckede.

Friedrich von Mansberg hofft, dass die Beteiligung nicht abreißt: „Eine Veranstaltung ist nur so gut, wie die Inhalte weiter wirken.“ Die Sozialdemokraten wollen den Dialog fortsetzen und die Ergebnisse des Forums jetzt in die Stadtpolitik einbringen.

Von Marc Rath