Freitag , 18. September 2020
Im Februar 2018 wurde in einigen Forsten wie hier in Öchtringen bei Hankensbüttel Holz versteigert. Die Erlöse sind aber deutlich niedriger gewesen als in den Vorjahren. Foto: phs

Problemjahr für die Waldbesitzer

Lüneburg. Wald gehört zu den prägenden elementen der Landschaft in Niedersachsen. Auf insgesamt 1,2 Millionen Hektar (ha) und damit auf rund einem Viertel der g esamten Landesfläche stehen Laub- und Nadelgehölze. Niedersachsen hat damit die drittgrößte Waldfläche in Deutschland.

Auffallend ist der hohe Anteil an Wald in privater Hand: Rund 60.000 Privatwaldbesitzer bewirtschaften mehr als 700.000 Hektar, also 59 Prozent des niedersächsischen Waldes. Der Rest entfällt auf das Land (29 Prozent), Körperschaften wie Landkreise oder Gemeinden (7 Prozent) und den Bund (5 Prozent), teilte die Landwirtschaftskammer Niedersachsen mit.

Im Landkreis Lüneburg liegt der Privatwald-Anteil bei 57,7 Prozent. 29,8 Prozent entfallen auf Landesforst, 7,5 Prozent auf Bundes-, 3,7 Prozent auf Kommunal- und 1,3 Prozent auf Klosterforst. Das teilte der Landkreis mit.

Manche Privatwald-Besitzer haben Flächen geerbt, andere gekauft. Beide einen Sorgen. Ein Überblick:

Wie teuer ist heute ein Hektar Wald?

Die schwere Finanzkrise und die Null-Zins-Phase hatten in den vergangenen Jahren einen regelrechten Hype um Wald entstehen lassen. Die Preise stiegen schnell. 2017 mussten Interessenten in Niedersachsen durchschnittlich noch 12.916 Euro pro Hektar bezahlen. Dies ist jedoch nur ein Durchschnittswert mit einer sehr großen Spreizung. Vorrangig hängt der Preis von dem jeweiligen Waldbestand ab. So ist ein Wald mit starken, alten Bäumen deutlich wertvoller als eine junge Kultur. Nach Angaben des Waldbesitzerverbandes Niedersachsen e.V. sind die Preise aber deutlich gesunken.

Wie haben sich die Preise für Holz entwickelt?

Für gutes Nadelholz wie Fichte wurden vor zwei Jahren noch 80 bis 90 Euro pro Kubikmeter erzielt. Heute – nach den Stürmen, der Dürreperiode und dem in einigen Regionen starken Schäden durch Käfer – sind es nur noch rund 50 Euro. Die Bunker der Sägewerke seien voll, es gebe derzeit Schwierigkeiten, überhaupt Käufer zu finden, bestätigen sowohl der Waldbesitzerverband als auch ein Mitarbeiter der Landesforsten.

Welche Kosten kommen auf Waldbesitzer zu?

Nach Angaben des Waldbesitzerverbandes muss mit rund 100 Euro pro Hektar und Jahr im Kleinprivatwald gerechnet werden. Darin enthalten sind zum Beispiel die Kosten für Steuern, Berufsgenossenschaften oder mögliche Verbandsbeiträge. Mit zunehmender Größe des Waldbesitzes entfallen die relativen Kosten pro Hektar wegen des konstanten Grundbeitrages an die Berufsgenossenschaft unabhängig davon, wie groß der Waldbesitz ist, sagt Larissa Schulz-Trieglaff, Pressesprecherin der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzer.

Wieviel Holz liefert ein Wald durchschnittlich pro Jahr?

Das hängt natürlich vom Zustand und den gepflanzten Holzsorten ab. Der Holzvorrat von Mischwald liegt im Durchschnitt bei über 250 Festmeter pro Hektar. Der Zuwachs kann pro Hektar und Jahr bis zu 10 Festmeter erreichen. Ein älterer Wald könnte also an Holzmasse zulegen, selbst wenn man von einem Hektar Jahr für Jahr fünf bis sieben Festmeter Brennholz entnimmt. Holzarten werden in Leistungsklassen eingeordnet. Kiefer der Leistungsklasse 6 bedeutet, dass pro Jahr und Hek-tar 6 Festmeter geerntet werden könnten.

Wie privat ist der Wald eigentlich?

Jeder Bürger darf Wald zum Zweck der Erholung betreten. Dieses allgemeine Betretungsrecht kann den Aktionsspielraum der Waldeigentümer einschränken. Allerdings hat sich jeder Wald-Besucher so zu verhalten, dass der Wald so wenig wie möglich beeinträchtigt und seine Bewirtschaftung nicht behindert wird. Je nach Bundesland kann dieses Betretungsrecht auf bestimmte Wege oder gewisse Tageszeiten beschränkt sein. Für die Sperrung von Waldflächen bedarf es in der Regel einer Genehmigung durch eine Forstbehörde.

Grundsätzlich gilt: Das Betreten eines Waldes geschieht auf eigene Gefahr. Waldeigentümer können also in den meisten Fällen nicht für Schäden durch herabfallende Äste, umstürzende Bäume oder den Zustand von Wirtschaftswegen in ihrem Wald zur Verantwortung gezogen werden.

Gibt es Versicherungen für Waldbesitzer?

Es gibt zum Beispiel Haftpflichtversicherungen für private Waldbesitzer und forstliche Zusammenschlüsse. Die meisten Besitzer haben eine solche Versicherung abgeschlossen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit sich gegen Sturm und Feuer zu versichern.

Rechnet sich Waldbesitz noch?

Das hängt sehr stark davon ab, aus welchen Baumarten ein Wald besteht, wie die Bodenbeschaffenheit und das Klima ist. Ein gesunder Wald mit Beständen von Douglasie und Fichte könnte rund 200 Euro pro Hektar und Jahr einbringen. Nach Abzug der geschätzten Kosten würden als Gewinn rund 100 Euro pro Hektar und Jahr übrigbleiben. In der Heideregion hingegen können viele Waldbesitzer gerade so die Kosten ausgleichen. Hinzu kommen Probleme durch Stürme wie Kyrill, Herwarth oder Friederike in den vergangenen Jahren, Dürreperioden wie in 2018 oder der daraus entstehende Schädlingsbefall etwa durch den Borkenkäfer: Das lässt die Erlöse zum Teil drastisch sinken. Für manche Besitzer dürfte das vergangene Jahr ein Zuschussgeschäft gewesen sein. Aber: Auch das hängt wieder stark von der Größe des Betriebes ab. Laut Testbetriebsnetz des Bundes sind im Fichtenbetrieb die Gewinne deutlich höher. Im Kleinstprivatwald ist ein kontinuierlicher Gewinn von 100 Euro pro Hektar eher nicht möglich. Von Werner Kolbe

Zur Sache

Kleine Flächen und Kooperationen

Im Bund wie im Land ist der Privatwald überwiegend klein strukturiert. Rund 42 Prozent der niedersächsischen Privatwaldbesitzer haben weniger als 20 Hektar (ha) Wald. Bundesweit sind es 57 Prozent. Durchschnittlich hat ein Privatwaldeigentümer in Niedersachsen rund 11,5 ha Wald (Bund: 2,5 ha). Um trotzdem schlagkräftig agieren zu können, haben sich die meisten Privatwaldbesitzer in forstwirtschaftlichen Zusammenschlüssen wie Forstbetriebsgemeinschaften organisiert. Sie unterstützen den Waldbesitzer bei Waldpflege, Holzeinschlag und Vermarktung. Den Erfolg der Zusammenschlüsse zeigt die Entwicklung des Holzeinschlages: Er konnte in den zurückliegenden zehn Jahren nahezu verdoppelt werden und beträgt laut Landwirtschaftskammer jetzt knapp 40 Prozent der Holzernte.

Zur Sache

Rheinland-Pfalz an der Spitze

Deutschland ist zu 31 Prozent beziehungsweise auf gut 11 Millionen Hektar bewaldet. Spitzenreiter in der Bewaldung sind Rheinland-Pfalz mit 42 Prozent, gefolgt von Hessen (41), Baden-Württemberg und dem Saarland (je 38). Waldarm ist Schleswig-Holstein, wo auf nur zehn Prozent der Landesfläche Bäume stehen. Bundesweit gibt es zwei Millionen private Waldbesitzer, die 44 Prozent der Waldfläche ihr Eigen nennen. Den Rest teilen sich das Land (29 Prozent), der Bund (3), Körperschaften (19) und Treuhänder (5 Prozent).