Samstag , 24. Oktober 2020
Schulleiter Norbert Stüven wird heute, Dienstag, in den Ruhestand verabschiedet. Foto: bau

Mann der ersten Stunde geht

Salzhausen. Heiße Debatten, politischer Gegenwind, Gerichtsurteile und noch einen Tag vor dem ersten Schultag keine Bauabnahme für das Gebäude: Stühle, Tische, Tafeln – das ganze Mobiliar stand auf der Straße am Kreuzweg 33, blockierte den Verkehr. Norbert Stüven erinnert sich genau an die turbulenten Anfänge des ab 2001 maßgeblich von ihm mit aufgebauten Gymnasiums Salzhausen. „Wir haben immer eine Lösung gefunden“, sagt er lachend. Jetzt, knapp zwei Jahrzehnte später, sitzt der 65-jährige Schulleiter angesichts der prächtigen Entwicklung „seiner“ Schule entspannt in seinem kleinen Arbeitszimmer. Für ihn endete am Dienstag, 29. Januar, der Schuldienst. „Mit Stolz, aber auch mit ein wenig Wehmut“ geht er in den Ruhestand.

Zertifikate dokumentieren Profil des Gymnasiums

An den Wänden in Stüvens Zimmer hängen Auszeichnungen und Zertifikate. Sie dokumentieren das unter seiner Regie geschärfte Profil des Gymnasiums: „Umweltschule in Europa“, „Internationale Agenda-21-Schule“, die Schülergenossenschaft „FairSalzen“ oder die Unterstützung des Waisenheims Watoto Wetu in Tansania: nachhaltige Entwicklung ist das Markenzeichen der Salzhäuser Schule geworden. „Das haben wir geschaffen, Kollegen, Schüler, Eltern“, sagt der Oberstudiendirektor, der ungern im Mittelpunkt steht, es qua Funktion aber oft tut.

So wie 2001: Damals war Stüven Studiendirektor und Oberstufenkoordinator am Johanneum in Lüneburg und bewarb sich für die Planungsgruppe des Gymnasiums Salzhausen. „Mich hat es gereizt, an dem Entstehen einer Schule mitzuarbeiten“, sagt der 65-Jährige. Nur fünf Monate nach seinem Einstieg wurde er zum Leiter der Gruppe berufen, war plötztlich deren Frontmann.

Heute hat die Einrichtung fast 800 Schüler

In unzähligen Debatten und Diskussionsrunden warb er für die Einrichtung – mit Erfolg. „Ich war mir immer sicher, dass das Gymnasium auch in einem Ort in ländlicher Region mit nur rund 4000 Einwohnern existieren kann.“ Sein Credo: „Jeder Schüler soll das Recht haben, zum nächstmöglich gelegenen Gymnasium zu fahren, unabhängig von kommunalen Gebietsgrenzen.“

Mit 188 Schülern, sieben Klassen und 16 Lehrkräften trat Stüven im August 2002 den Dienst als kommissarischer Schulleiter an, wurde am 1. Februar 2003 zum Schulleiter ernannt. Heute hat die Einrichtung fast 800 Schüler, 74 Lehrkräfte, ist durchgängig vierzügig besetzt – und aus der Region nicht mehr wegzudenken. 89 Schüler kommen aus dem Landkreis Lüneburg. Der größte Anteil stammt aus Westergellersen (36), gefolgt von Soderstorf (19), Rolfsen (12) und Amelinghausen (8).

„Mir wird nicht langweilig werden“

Zahlen, die dem Naturwissenschaftler und Informatiker Norbert Stüven gefallen. Er hat Mathematik, Physik und Erziehungswissenschaften an der Universität Hamburg studiert (1975 bis 1981). Schon während seines Studiums erhielt er einen Lehrauftrag am Gymnasium Hittfeld mit bis zu elf Wochenstunden. „Damals herrschte Lehrermangel, sodass ich als Student unterrichten durfte“, sagt Stüven. Er entwickelte dort aber auch ein Stundenplanunterstützungsprogramm. Das kam später als Weiterentwicklung auch am Johanneum Lüneburg und in Salzhausen zum Einsatz.

„Sein Gymnasium“ sieht der 65-Jährige für die Zukunft sehr gut aufgestellt. Als einen wesentlichen Grund nennt Stüven das große Engagement seiner Kollegen und der Schülerschaft bei den entwickelten Projekten und im Unterricht. „Das gemeinsame Arbeiten im Klassenzimmer entscheidet, ob eine Schule erfolgreich ist.“

Trotz „ein wenig Wehmut“ freut sich der scheidende Schulleiter auf den Ruhestand. „Mir wird nicht langweilig werden.“ Unter anderem will der ehemalige Geschäftsführer des Hamburger Schachverbands sein Schachspiel verbessern, vermehrt Turniere bestreiten. „Ansonsten werde ich als Hausmann tätig sein und beispielweise für meine Familie kochen.“ Lachend fügt er an: „Das muss ich aber erst noch lernen.“

Von Marcel Baukloh

Zur Sache

Zwei mögliche Nachfolger stehen bereit

Wer neuer Schulleiter am Gymnasium Salzhausen wird, ist noch nicht bekannt. Beworben haben sich auf die Stelle laut Stüven zwei Kandidaten. Einer davon ist sein langjähriger Stellvertreter Jens Peter. Er gehört wie Stüven zu den Lehrkräften der ersten Stunde, ist seit 2003 sein Vertreter. Peter wird die Schule ab dem 4. Februar bis zur endgültigen Entscheidung über den Nachfolger kommissarisch leiten.