Montag , 28. September 2020
Die geröteten Hautstellen und der Juckreiz können ein Anzeichen für Krätze sein. Foto: Miriam Doerr

Krätze-Fälle in Lüneburg häufen sich

Lüneburg. Lange galt die Krätze als Krankheit vergangener Jahrhunderte, doch im noch jungen Jahr 2019 häufen sich die Fälle wieder. Aktuell ist die Hautkrankhei t bei rund einer handvoll Kinder der Anne-Frank-Schule in Kaltenmoor diagnostiziert worden. Und sie sind keine Einzelfälle.

Es juckt und brennt, oft gibt es Hautrötungen: Die Krätze ist eine durch die zu den Spinnentieren zählende 0,2 bis 0,25 Millimeter große Krätzmilbe verursachte parasitäre Hautkrankheit. Die winzigen Tierchen bohren sich in die Oberhaut und legen dort ihre Kotbällchen und Eier ab. Das verursacht unter anderem den Juckreiz.

Für Einrichtungen wie Kitas, Schulen, Flüchtlingsunterkünfte und Seniorenheime ist die Erkrankung meldepflichtig. Denn Krätze ist ansteckend, wenn auch nur über intensiven Hautkontakt oder über gemeinsam genutzte Decken oder Kleidung. Das Gesundheitsamt des Landkreises kann für Lüneburg deshalb auch Fallzahlen nennen. Kreispressesprecherin Urte Modlich sagt: „Im Kalenderjahr 2018 gab es in Lüneburg 171 gemeldete Fälle.“ Zum Vergleich: 2017 waren es 65, im Jahr davor gar nur 33. Dieser Trend sei aber bundesweit festzustellen. „Alle 20 bis 30 Jahre gibt es eine entsprechende Zunahme.“

Meldepflicht für Kitas, Schulen und Seniorenheime

Ein Problem der Krätze ist die lange Inkubationszeit von 35 Tagen, innerhalb derer sich andere anstecken können, ohne dass der zuvor Erkrankte selbst überhaupt schon weiß, dass er die Krätze hat. Und auch wenn erstmal der Verdacht da ist, scheuen sich manche, zum Arzt zu gehen. Denn Krätze ist mit Scham verbunden, viele denken an mangelnde Hygiene als Ursache. Das sei mitnichten so, verdeutlicht Modlich. Die Krankheit könne jeden treffen. Es gibt aber Gruppen, die stärker gefährdet sind. „Kinder, pflegebedürftige Senioren und abwehrgeschwächte Menschen sind in Mitteleuropa häufiger betroffen“, heißt es auf einem Informationsblatt des Kreises, aus dem auch hervorgeht, dass sich Krätze-Fälle in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten – im Vorjahr war die Lüneburger Kita St. Marien betroffen (LZ berichtete) – und Seniorenheimen häufen.

An der Anne-Frank-Schule haben Daniela Tiesing-Neben und ihr Kollegium entsprechende Info-Zettel mit Handlungsempfehlungen an die Eltern und Kinder verteilt. Die Rektorin sagt: „Die Lehrer achten schon verstärkt darauf und raten den Eltern bei Auffälligkeiten, vorsichtshalber mal mit ihren Kindern zum Arzt zu gehen. Bei Verdachtsfällen ist das Vorgehen klar festgelegt: Erst wenn der Arzt die Bescheinigung ausstellt, dass das Kind dort war und Entwarnung gibt oder das Kind als nicht mehr ansteckend ausweist, darf es wieder zum Unterricht kommen.“ Manchmal sei das eine Angelegenheit von ein, zwei Tagen, manchmal dauere es auch etwas länger. „Wir informieren dann die Eltern der entsprechenden Klasse.“ Im Unterricht werde in solchen Fällen zum Beispiel darauf geachtet, dass im Sport nicht gerungen wird oder dass keine menschlichen Pyramiden gebaut werden, wo die Kinder in engen Kontakt kommen.

Schulleiterin hatte es als Kind ebenfalls erwischt

Auch die Schulleiterin weiß, dass die Erkrankung vielen peinlich ist, andere sogar Panik haben, wenn sie hören, dass es in der Schule Fälle gibt. Deshalb komme das Thema zum Beispiel im Sachunterricht zur Sprache. Da vermitteln die Lehrer, dass Krätze jedem passieren kann. Die Rektorin spricht da auch aus eigener Erfahrung: „Dann erzähle ich den Schülern schon mal, dass es mich als Kind ebenfalls erwischt hat.“

Von Alexander Hempelmann