Mittwoch , 23. September 2020
Im Lüneburger Bahnhof kaufen Reisende ihre Tickets am Automaten oder den Schaltern des DB-Reisezentrums. Wie lange Letztere noch dort bleiben, ist fraglich. (Foto: A/Be)

Zwei Brötchen und ein Ticket nach Hamburg, bitte

Lüneburg/Uelzen. Die Tage des DB-Reisezentrums im Lüneburger Bahnhof könnten gezählt sein. Aus einer Stellungnahme der Deutschen Bahn geht hervor, dass die Metronom-Eisenbahngesellschaft plant, zukünftig einen anderen Dienstleister für den Fahrkartenverkauf einzusetzen. Davon sei nicht nur Lüneburg betroffen, sagt Sprecher Egbert Meyer-Lovis: „In Alfeld wurde das Reisezentrum (…) bereits geschlossen, in Rotenburg/Wümme steht die Schließung für Ende Januar dieses Jahres an.“ Denn mit dem Zuschlag für den Betrieb des „Hanse-Netzes“ zwischen Göttingen und Hamburg ist der Metronom dazu verpflichtet, auch den Fahrkartenverkauf für den Nahverkehr zu übernehmen.

Dabei steht es der Eisenbahngesellschaft jedoch frei, ob sie selbst den Vertrieb übernimmt oder einen Dienstleister beauftragt. Nach jeder Ausschreibung wird dies neu verhandelt, in den letzten Jahren fiel die Wahl des Metronom dabei immer auf die Deutsche Bahn. Nahverkehrs-Tickets zu verkaufen ist ein lukratives Geschäft, weshalb sich der Betrieb von Fahrkartenschaltern und Reisezentren lohnt. Fällt dieser Bereich weg, bleibt also nur der Verkauf von Fernverkehrs-Tickets der DB erhalten. Und dies hat Folgen, sagt Meyer-Lovis: „Damit fehlt ein wesentlicher Teil der Einnahmen und somit kann DB Vertrieb eine Verkaufsstelle wirtschaftlich nicht betreiben.“

In Uelzen ist der Fahrkartenschalter schon Ende 2018 geschlossen worden, die Fahrkarten werden jetzt von den Mitarbeitern des DB-Service-Stores verkauft – neben Snacks, Getränken und Zeitschriften.

Gespräche mit DB Vertrieb und anderen Dienstleistern

Letzteres sorgte bei einigen Kunden für Unmut. Den auch SPD-Bundestagsabgeordnete und DB-Aufsichtsrätin Kirsten Lühmann aus Celle in einer schriftlichen Erklärung teilt, der der LZ vorliegt: „Leider haben die Verantwortlichen für die neue Fahrkartenverkaufsregelung (…) die tatsächlich rechtliche Situation in den letzten Monaten nicht klar und verständlich dargestellt.“ Für die Probleme im Fahrkartenverkauf sei die Deutsche Bahn verantwortlich gemacht worden. Das ging sogar so weit, dass einige Bürger für eine Besserung auf die Straße gegangen sind. „Jetzt muss Metronom zeigen, dass sie den Verkauf in Uelzen schnell in den Griff bekommt. Jegliche Gedankenspiele, dieses System auf Celle und Lüneburg auszuweiten, müssen sofort eingestellt werden.“

Wird das auch die Zukunft für den Lüneburger Bahnhof? Dazu sagt Metronom-Sprecher Björn Pamperin: „Laut Vorgaben liegt der Fahrkartenvertrieb in unserer Verantwortung.“ Ob das DB-Reisezentrum bestehen bleibt oder einen anderen Betreiber erhält, sei von Metronom-Seite aus noch völlig unklar. „Wir befinden uns bei den Gesprächen noch ganz am Anfang.“ Diese hätten bisher ausschließlich mit der DB Vertrieb stattgefunden, doch auch mit anderen Dienstleistern – wie etwa der Valora Retail, die auch den DB-Service-Store in Uelzen betreibt – soll verhandelt werden.

Sollte jemand anderes die Räumlichkeiten des Reisezentrums beziehen, würde das in den Jahren 2020 oder 2021 stattfinden. „Für die Fahrgäste soll sich sowohl am Angebot als auch an der Beratung nichts ändern.“ Zu den Äußerungen von Kirsten Lühmann sagt Pamperin: „Sie soll sich keine Sorgen machen. Der Metronom selbst hat ein hohes Interesse daran, seiner Verpflichtung im Fahkartenverkauf nachzukommen.“

Von Robin Williamson