Donnerstag , 22. Oktober 2020
Patienten mit Demenz brauchen eine besondere Zuwendung – zumal in ungewohnter Umgebung. Das Lüneburger Klinikum plant deshalb eine Spezialstation mit etwa einem Dutzend Betten. Foto: Sandor Kacso

Memory-Station für Demente

Lüneburg. Die Zahl der an Demenz erkrankten Patienten, die wegen einer akuten Erkrankung im Lüneburger Klinikum behandelt werden, nimmt zu. Ihre individuelle Betreuung stellt Ärzte und Pflegekräfte vor eine besondere Herausforderung. Um diesen Patienten wie auch solchen, die an einer vorübergehenden Verwirrtheit leiden, eine bestmögliche krankheits- und altersgerechte medizinische Versorgung zu bieten, soll unter der Leitung von Prof. Dr. Christian Maaser, Chefarzt der Klinik für Geriatrie, eine Memory-Station für Menschen mit Gedächtnisstörungen entstehen.

Demenzerkrankte Menschen, die zum Beispiel aufgrund einer Lungenentzündung, eines Knochenbruchs oder eines Schlaganfalls im Klinikum behandelt werden, sind zurzeit noch auf unterschiedlichen Stationen untergebracht. „Für diese Patienten bedeutet ein Klinikaufenthalt eine besondere Stresssituation. Denn sie verstehen oft nicht, was mit ihnen passiert. Sie sind verwirrt und ängstlich, sind nicht in der Lage, ihre Beschwerden zu beschreiben. Und es besteht die Gefahr, dass sich die Demenz bei Entlassung aus dem Krankenhaus noch verschlechtert.“

Ein festes Stations-Team mit Spezialisten

Für Ärzte und Pflegekräfte, die auf Normalstationen durchschnittlich 37 Patienten betreuen, ist die individuelle Versorgung von Demenzerkrankten bisher nicht optimal leistbar. „Deshalb soll eine separate, kleine Station entstehen, die speziell auf die Bedürfnisse dieser Patienten sowie auf Patienten mit kognitiven Störungen – das sind zum Beispiel Gedächtnis- oder Orientierungsprobleme – abgestimmt ist“, erläutert Maaser. Elf bis zwölf Betten sind für die Station geplant, zu der ein festes Team aus Ärzten, Pflegekräften, Physio- sowie Ergotherapeuten, Logopäden sowie die Neuropsychologin Steffi Wiards gehört. Die Diagnostik und Therapie wird soweit wie möglich auf der Station erfolgen. „Denn wenn diese Patienten, wie sonst üblich auf anderen Stationen, zu Untersuchungen gebracht werden müssen, bedeutet das für sie Stress und Unsicherheiten. Das wollen wir mindern.“

Auch die Räumlichkeiten sollen auf die Bedürfnisse der Patienten abgestimmt sein. In die Mitte der Station kommt die Pflegezentrale sowie ein Gemeinschaftsraum, als Anlaufpunkt für die Patienten, die nicht isoliert in den Zimmern bleiben sollen. Eine bestimmte Farbgestaltung und bildhafte Darstellungen sollen Orientierung bieten, gemütliche Sitzecken ans häusliche Umfeld erinnern.

„Wichtig ist außerdem die Zusammenarbeit mit den Angehörigen, denn die sind häufig überfordert. Deshalb wollen wir Unterstützungsmöglichkeiten im ambulanten Bereich aufzeigen, wenn der Patient wieder zu Hause ist“, sagt Steffi Wiards. Die Memory-Station will deshalb die Zusammenarbeit mit der Alzheimer Gesellschaft, den Alterslotsen sowie zum Beispiel Tageseinrichtungen intensivieren.

Positive Ausstrahlung auch auf andere Abteilungen

Und die Station soll positiv auf die anderen Stationen ausstrahlen, damit auch dort die Betreuung von Demenzerkrankten weiter verbessert werden kann. „Dazu bedarf es weiterer spezieller Schulungen der Mitarbeiter im Verstehen und Umgang mit diesen Patienten, wie es sie bereits seit Sommer 2016 im Klinikum gibt“, sagt Steffi Wiards, die auch eine der bisher drei Demenzbeauftragten ist. Bis Ende 2019 sollen es fünf Kollegen werden, die im Klinikum informieren zum Thema Demenzerkrankung und was für diese Menschen im Klinikalltag wichtig ist.

Eröffnet werden soll die neue Station Anfang August im Erdgeschoss über der Geriatrischen Frührehabilitation, wo bereits seit 2010 ältere chronisch kranke Patienten zum Beispiel nach einem Schlaganfall durch spezielle Therapien wieder einen möglichst hohen Grad an Selbstständigkeit erhalten. In den Räumen waren bisher Patienten der Kardiologie untergebracht, die Anfang März in den Erweiterungsbau umziehen wird. Die Station wird laut Maaser komplett entkernt und neu gestaltet. Die Pflegerische Stationsleitung übernimmt Diana Schnitzer, die bisher stellvertretende Pflegeleiterin in der Geriatrie war. Zwölf Pflegekräfte sollen dort zum Einsatz kommen. Solche Fachkräfte zu finden sei nicht ganz leicht, sagt Prof. Maaser. Anfang März sollen die Stellen ausgeschrieben werden.

Von Antje Schäfer