Freitag , 25. September 2020
Spezialitäten aus der Heide und von der Elbe übergab Bauernverbandschef Thorsten Riggert an Gastrednerin Gitta Conneman – umrahmt von Bevensens Heidekartoffelkönigin Kristin Meyer. Foto: mr

Landwirte fordern mehr Mut von der Politik

Berlin. 2018 war kein leichtes Jahr für die Landwirte in der Region. Doch beim traditionellen Netzwerkabend des Bauernverbandes Nordostniedersachsen auf der Grünen Woche stimmte Vorsitzender Thorsten Riggert kein Klagelied an. Er forderte stattdessen mehr Mut von der Politik.

Die Große Koalition im Bund habe jetzt die Möglichkeit, Entscheidungen zu treffen. „Die Mehrheiten sind da, man muss sich nur trauen.“ Neben fachpolitischen Fragen sei für die Landwirte in der Region auch die A 39 und eine bessere Bahnverbindung zwischen Hamburg und Hannover wichtig, betonte Riggert vor rund 200 Gästen aus den Landkreisen Lüneburg, Uelzen und Lüchow-Dannenberg sowie Branchenvertretern.

Der Bauernverbands-Präsident kritisierte in seiner Begrüßung auch Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) für ihre Äußerung, dass man zurück zur „faktenbasierten Landwirtschaft“ und „weg von den Stammtischen“ wolle. „Wir leben von Land und Wirtschaft“, das sei in Berlin wohl nicht jedem so klar, hielt Riggert dagegen.

„Sie alle können stolz sein auf das, was Sie tun“

Dass ihr das bewusst sei, machte Gastrednerin Gitta Connemann klar. Impulsiv bekannte sich die aus einer ostfriesischen Landwirtefamilie stammende Vize-Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zum Berufsstand: „Sie alle können stolz sein auf das, was Sie tun“, rief sie in die Niedersachsenhalle und war sich des Beifalls sicher.

Connemann räumte ein, dass der Landwirtschaft in Berlin und in der Öffentlichkeit nicht die Bedeutung zukomme, die ihr als viertgrößter Wir tschaftszweig zustünde. Um dies zu ändern, sollte die Branche weiter für mehr Transparenz sorgen. So lobte sie Aktionen wie Webcams in Ställen. Engagiert geißelte sie „Stichwortgeber“, die ohne wissenschaftliche Basis „Stimmungsmache“ betreiben würden. Hier müssten Medien kritischer auf ihre Quellen schauen und die Politik für mehr Transparenz bei Organisationen wie der Deutschen Umwelthilfe sorgen.

„Wir brauchen Glasfaseranschlüsse“

Ganz klar bekannte sie sich zur Digitalisierung. „Wir brauchen Glasfaseranschlüsse – und das bis zur letzten Milchkanne“, formulierte sie einen Seitenhieb gegen die Bildungsministerin aus der eigenen Fraktion, die das jüngst in einem Interview ausgeschlossen hatte.

Riggert bekräftigte am Ende seinen Appell noch einmal direkt an Connemann: „Seien Sie mutig, trauen Sie sich was.“ Dies werde mehr honoriert, als das „Schielen auf Umfragen“.

Von Marc Rath

Mehr dazu:

Elbe-Wendland-Region stellt sich ins Schaufenster