Der Mann, der zwei andere Patienten im PKL getötet haben soll, soll im Maßregelvollzug bleiben. Das beantragte jetzt die Staatsanwaltschaft in Lüneburg. (Foto: t&w)

Staatsanwaltschaft beantragt Sicherungsverfahren nach Todesfällen in Psychiatrischer Klinik

Lüneburg. Nach dem gewaltsamen Tod zweier Menschen in der Psychiatrischen Klinik Lüneburg im Februar hat die Staatsanwaltschaft Lüneburg beim Schwurgericht des Landgerichts Lüneburg einen Antrag auf Durchführung eines Sicherungsverfahrens zur Anordnung der Unterbringung des 21-jährigen Beschuldigten in einem psychiatrischen Krankenhaus gestellt. Der Mann steht in dem Verdacht, einen 54 Jahre alten Patienten erdrosselt sowie einen weiteren 56-jährigen Patienten zunächst gewürgt und anschließend durch "Einwirkung stumpfer Gewalt auf den Kopf" getötet zu haben.

Seit März bereits im Maßregelvollzug

Zudem soll er drei Klinikmitarbeiterinnen genötigt, eine davon auch verletzt sowie Gegenstände in Richtung der herbeigerufenen Polizeibeamten geworfen haben. Erst wenige Stunden vor der Tat hatte sich der 21-Jährige auf freiwilliger Basis in der Klinik aufnehmen lassen.

Nachdem noch am Tattag ein Haftbefehl gegen den Beschuldigten ergangen war, wurde bereits mit Beschluss des Amtsgerichts Lüneburg vom 16. März eine einstweilige Unterbringung des Beschuldigten angeordnet. Auf dieser Grundlage befindet sich der Mann derzeit bereits in einem Maßregelvollzugszentrum. Er wurde im Laufe des Ermittlungsverfahrens auch durch einen psychiatrischen Sachverständigen begutachtet.

Tat im Zustand der Schuldunfähigkeit

Ein Antrag auf Durchführung eines Sicherungsverfahrens wird gestellt, wenn feststeht, dass der Täter die Tat im Zustand der Schuldunfähigkeit begangen hat oder dies zumindest nicht auszuschließen ist, aber jedenfalls erheblich verminderte Schuldunfähigkeit besteht. In einem Sicherungsverfahren können Maßregeln der Besserung und Sicherung, insbesondere eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus angeordnet werden.

Ohne Schuld handelt nach Paragraf 20 Strafgesetzbuch, wer bei Begehung der Tat etwa wegen einer krankhaften seelischen Störung unfähig ist, das Unrecht der Tat einzusehen oder nach dieser Einsicht zu handeln.

Hintergrund:

21-jähriger Patient tötet zwei Menschen (19.2.2021)

Lange Rückkehr ins normale Leben (15.7.2019)

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