Samstag , 26. September 2020

Die rabiaten Geschwister

Lüneburg. Der Streit eines rabiaten Geschwisterpaares mit einer gemeinsamen Freundin artete aus, das Duo ging auf die Frau (32) los, der Mann zückte sogar eine Pistole. Die 11. große Strafkammer am Landgericht Lüneburg hatte den damals 28-Jährigen im März 2018 wegen schweren Raubes, Freiheitsberaubung und Nötigung zu einem Jahr, sechs Monaten und zwei Wochen inklusive einer früher verhängten Geldstrafe verurteilt, die Strafe zur Bewährung ausgesprochen. Seine mehrfach vorbestrafte 33-jährige Schwester erhielt ein Jahr und zehn Monate. Dass auch bei dieser Strafe die Bewährung ziehen sollte, gefiel der Staatsanwaltschaft nicht, sie zog in die Revision – und unterlag: Der Bundesgerichtshof bestätigte jetzt das Lüneburger Urteil.

Zu den Ausrastern kam es am 21. Juni 2017 in der Wohnung des Opfers in Schneverdingen, die einst von beiden Frauen gemeinsam bewohnt wurde. Am Tattag hielt sich auch ein Gast der Freundin in den Räumen auf. Für die Taten gab es gleich zwei Gründe: Der Bruder hatte mit der Freundin Geschäfte mit Drogen gemacht, die allerdings war mit der Qualität des Gelieferten unzufrieden. Und der Schwester hatte es nun so gar nicht gepasst, dass es mit ihrem ehemaligen Freund ein „Treffen“ mit ihrer Freundin in der gemeinsamen Wohnung gab.

Er zückte plötzlich eine Pistole

Bei dem Streit zückte der Bruder plötzlich eine Pistole und jagte dem Opfer mit dem Spruch „Jetzt wirst Du abgefuckt“ eine Höllenangst ein, ohne allerdings direkt auf die Frau zu zielen. Ob es eine scharfe Waffe war, konnten die Lüneburger Richter nicht klären. Dann griffen sich die Geschwister 15 Euro aus der Handtasche der Freundin und steckten sich die beiden Handys von ihr und ihrem Gast ein. Und noch etwas nahm das Paar mit: den Hund der Frau. Das Motiv für diese rechtlich als Nötigung zu sehende Tat blieb in dem Prozess unklar, möglicherweise sollte das Opfer nur geärgert werden. Dann verließen Bruder und Schwester die Wohnung, schlossen die Freundin und ihren Gast darin ein – ein klarer Fall von Freiheitsberaubung. Mit seiner Entscheidung hat der Bundesgerichtshof nun einen Schlussstrich unter die Geschichte gezogen, eine weitere Instanz gibt es nicht.

Von Rainer Schubert