Mittwoch , 30. September 2020
Bürgermeister Jens Böther warb mit dem Biber-Maskottchen „Elbi“ für Bleckede. Foto: privat

Elbe-Wendland-Region stellt sich ins Schaufenster

Berlin. Schon am Hauptbahnhof in Hamburg wird klar, dass es am frühen Montagmorgen nicht nur die üblichen Pendler in die Hauptstadt zieht: Der ICE ist vollständ ig besetzt, für Fahrgäste ohne Reservierung bleibt nur der Boden. Der Grund: Die 84. Internationale Grüne Woche in Berlin hat ihre Tore geöffnet, die weltweit größte Messe für Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau. 400.000 Besucher werden erwartet, eine Bühne, die auch die Region Elbe-Wendland für sich nutzt. Schon zum 11. Mal ist sie hier vertreten. „Rad-Genuss – Lokales to go“, so der Werbeslogan, der den großzügigen Gemeinschaftsstand der LEADER-Regionen Achtern-Elbe-Diek und Elbtalaue ziert. Er soll Natururlauber ansprechen. „Wir sind vielleicht nicht die Haupttourismusregion, aber wir müssen uns auch nicht verstecken“, sagt Laars Gerstenkorn (CDU), Bürgermeister der Samtgemeinde Scharnebeck.

Sehr gefragt ist der Elbe-Radweg

Die Messe sei eine gute Plattform, um die Region zu bewerben. Besonders oft werde am Stand nach dem Elbe-Radweg gefragt. „Wir wollen die Leute neugierig auf das machen, was dahinter ist“, so Gerstenkorn. Das gelänge insbesondere mit den regionalen Produkten. Am Stand werden Leberwurst und Bierbeißer, Elbtal-Honig und Ziegenkäse verköstigt, Siegrun Högelücht vom Biosphärenreservat Elbtalaue spinnt in traditioneller Zunftkleidung Wolle von ihrem Merino-Langwoll-Schaf Lisa. Das kommt an und lässt die klassische Laufkundschaft am Stand verweilen.

Die Arche-Region ist ein Touristenmagnet

Ein Alleinstellungsmerkmal des Elbe-Wendland-Gebiets: Hier ist im Jahr 2011 länderübergreifend Deutschlands erste Arche-Region entstanden, von der Gesellschaft zum Erhalt alter Haustierrassen (GEH) zertifiziert. „Bei uns gibt es 35 landwirtschaftliche Betriebe, die vom Aussterben bedrohte Nutztierrassen halten“, erklärt Holger Hogelücht, Vorsitzender des Fördervereins Arche Region. Die industrielle Landwirtschaft habe sich zu sehr auf wenige Rassen spezialisiert, die Arche-Region setze nun alles daran, die Arten-Genvielfalt zu erhalten. Dass zum Beispiel das Angler Sattelschwein anders schmeckt als das normale Schwein, beweisen Hogelücht und sein Kollege Holger Belz beim Genuss-Quiz auf der großen Bühne der Niedersachsenhalle – eine Premiere, die beim Publikum sehr gut ankommt. „Wir verknüpfen Landwirtschaft und Tourismus mit Bildungsangeboten. Das interessiert die Leute“, ist Hogelücht überzeugt – Fahrrad fahren könne man schließlich auch anderswo. „Die Zahlen sind ansteigend, für ruhesuchende Naturliebhaber sind wir die richtige Destination.“

Auf naturgebundenen Tourismus setzt auch der Heidekreis, der die Besucher mit frisch gezapftem Schnucken-Bräu an den Stand lockt. Schon während der Grünen Woche gingen mehr Anrufe in den Tourismusbüros ein als sonst, erzählt Hjördis Fischer von der Erlebniswelt Lüneburger Heide. „Außerdem haben wir bei uns die größte Freizeitparkdichte Europas – auch das spielen wir hier natürlich aus.“

Der Messeauftritt zahlt sich aus

Zufrieden mit der Resonanz zeigt sich auch der parteilose Bürgermeister der Samtgemeinde Elbtalaue, Jürgen Meyer. „80 Prozent der Besucher hier sind Berliner und Brandenburger. Zu Zeiten des Ostvorhangs kamen die viel in unsere Region. Das wollten wir wiederbeleben – und merken langsam, dass es fruchtet.“ Am Wochenende habe sich Landwirtschaftsministerin Barbara Otte Kinast am Stand ein Bild zum Thema regionale Produkte gemacht und angekündigt, bei ihrer Sommerreise die Region zu besuchen. „Das haben wir unserer Präsenz hier zu verdanken“, ist Meyer sich sicher. Überhaupt ist Netzwerken das große Thema. „Hier ist alles was Rang und Namen hat aus den Bundesländern“ so der Samtgemeindebürgermeister.

Netzwerken, Schnacken, Schlemmen

Netzwerken möchte auch Andreas Gehrke, Leiter des Hauptamtes in Bleckede, der mit der Delegation aus Amt Neuhaus angereist ist. Er wird für die CDU als Bürgermeister in Amt Neuhaus kandidieren und nutzt den Tag, um sich anderen Gemeindemitgliedern vorzustellen. „Wenn man hier am Stand ins Schnacken kommt, lernt man sich ganz anders kennen“, so Gehrke. So sieht es auch Marko Puls, der seit sieben Jahren die Busfahrt aus Amt Neuhaus auf die Grüne Woche organisiert: „Es macht einfach immer wieder Spaß. Oft trifft man auf Leute, die zwar auch aus unserer Gegend kommen, lernt sie aber hier erst kennen. Man kann super Kontakte knüpfen, von denen man vielleicht zuhause irgendwann profitieren wird.“

Andere kommen auf die Grüne Woche, um einfach nur eine gute Zeit zu haben, so wie Klaus Niederhoff. „Das ist hier eine Verbrauchermesse. Für mich steht im Fokus ganz klar das Genüssliche“, sagt der Landwirt schmunzelnd. „Wenn ich mich über Fachliches informieren will, fahre ich eher auf die Agritechnica.“ Besonders gut sei die Stimmung immer in der Bayern-Halle, wo schon vormittags geschunkelt und getanzt wird. Mit seinen Kollegen habe Niederhoff sich wie üblich durch die Hallen gegessen und getrunken und nette Gespräche geführt. Das kulinarische Angebot auf der Messe ist unerschöpflich, von traditioneller Hausmannskost bis zum „Jump Food“, gebratenen Heuschrecken, oder Elch-Burgern ist alles dabei. Und auch wer gerne mal einen Schnaps trinkt, ist hier an der richtigen Adresse. Daneben wirken viele andere Themen der Messe zweitrangig – dafür blickt man ausschließlich in zufriedene Gesichter und fest steht: Hungrig oder durstig wird niemand nach Hause gehen müssen.

Von Lea Schulze