Sonntag , 27. September 2020
Der Angeklagte, hier mit seiner Verteidigerin Uta Petschull, versteckt sein Gesicht kurz vor Prozessauftakt hinter einem Aktendeckel. Foto: be

Trainer ordert Hasch bei jugendlichem Fußballer

Lüneburg. „Hab mal ne dumme Frage: Kannst mir was Leckeres besorgen?“ Diese Nachricht schickte ein 26-jähriger Fußballtrainer aus Soltau am 10. März 2017 einem seiner Schützlinge per WhatsApp, einem 15-jährigen Fußballer. Mit „Leckeres“ war Marihuana gemeint, das der Trainer noch am selben Tag geliefert bekam. Weil er einen Minderjährigen zu einem Drogendeal animierte, wurde der Mann am Donnerstag von der 1. großen Strafkammer am Landgericht Lüneburg zu zehn Monaten Freiheitsstrafe verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Zudem bekam er eine Geldauflage, muss 1500 Euro an den Kinderschutzbund Soltau zahlen.

Eine Unfallflucht bringt Ermittler auf seine Spur

Der Trainer, der hauptberuflich als Feinwerkmechaniker in einem großen Unternehmen arbeitet, zeigte Reue: „Es war ein sehr großer Fehler.“ Es sei ihm damals nicht gut gegangen. Er habe eine Freundin gehabt, die viel Drogen konsumiert habe: „Ich selbst habe ein oder zwei Mal pro Woche nach Feierabend etwa 0,4 Gramm geraucht. Das Hasch besorgte ein Freund per Sammelbestellung in Bremen.“

Alkohol habe er zu der Zeit nur wenig getrunken. Anders Ende April 2017: Bei der Silberhochzeit seiner Tante langte er zu, ließ sich mit einem Taxi nach Hause chauffieren, setzte sich dann aber wenig später um 3 Uhr morgens in seinen blauen Polo und fuhr los. Auf gerader Strecke kam er von der Straße ab, touchierte zwei Leitpfosten und zwei Bäume, dann kam der Wagen auf dem Dach zum Liegen. Der Mann flüchtete vom Unfallort zu Fuß nach Hause. Gegen 6 Uhr klingelten Polizisten an der Haustür, der junge Mann rastete aus, musste in Handschellen abgeführt werden. Er hatte 1,3 Promille und Cannabis intus. Später wurde er deswegen zu 1600 Euro Geldstrafe verurteilt, der Führerschein war weg.

„Es war für mich der einfachste Weg“

Im Zuge der Unfallermittlungen checkten die Ermittler auch das Handy, fanden die Nachricht an den Minderjährigen. Wie schon bei der Polizei gestand der 26-Jährige die Tat am Donnerstag auch vor Gericht: „Ich wollte zunächst nur 8, später 13 Gramm. Wir trafen uns an einer Sonderschule, ich gab ihm das Geld. Später kam er mit den Drogen zurück.“ Dabei wurde er allerdings von dem Jungen übers Ohr gehauen: Für seine 130 Euro bekam er nicht 13, sondern nur etwa 11 Gramm. Warum er sich den 15-Jährigen ausgesucht hatte? „Es war für mich der einfachste Weg. Ich ahnte, dass er was mit Drogen zu tun hat, er sprach auch mit seinen Kumpels darüber.“

Im Leben des 26-Jährigen hat sich nach dem Unfall einiges zum Guten gewendet: „Ich habe das Traineramt abgegeben, lebe inzwischen mit einer neuen Freundin und deren Sohn zusammen. Und Marihuana geraucht habe ich seitdem nicht.“ Auch das honorierte das Gericht im Urteil, das bereits rechtskräftig ist.

Von Rainer Schubert