Samstag , 8. August 2020
Das Rekordhochwasser 2013 kam auch dem Flecken Artlenburg sehr nahe. Jetzt soll dort ein Naturschutzgebiet entstehen. Foto: Boldt

Sorge um den Hochwasserschutz

Artlenburg/Hohnstorf. Mit Argusaugen verfolgt Hartmut Burmester die Planungen für das neue Naturschutzgebiet zwischen Hohnstorf/Elbe und Artlenburg. Der Deichha uptmann des Artlenburger Deichverbands sorgt sich um einen möglichen Konflikt mit dem Hochwasserschutz an der Elbe. Wie berichtet, muss der Landkreis Lüneburg sich beeilen, EU-Vorgaben umzusetzen und das dort festgelegte Fauna-Flora-Schutz-Habitat (FFH-Gebiet) zu sichern. Burmester äußert auf LZ-Nachfrage die Bedenken des Deichverbands: „Wir sind nach wie vor der Meinung, dass die Ausweisung eines Landschaftsschutzgebiets vollkommen ausreichen würde, um das FFH-Gebiet zu sichern. Ich frage mich, warum man immer gleich die ganz große Keule nimmt, anstatt sich vorsichtig an das heranzutasten, was man wirklich schützen will.“ Die LZ hakte beim zuständigen Fachdienst Umwelt des Landkreises Lüneburg nach.

Kreis Harburg ist ebenfalls dabei

Der Fachdienstleiter Stefan Bartscht sagt: „Aus unserer Sicht macht es inhaltlich keinen großen Unterschied, ob eine Fläche als Naturschutz- oder als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen wird. Kurz zusammengefasst: In einem Naturschutzgebiet ist alles verboten, was nicht erlaubt ist – in einem Landschaftsschutzgebiet ist alles erlaubt, was nicht verboten ist. Das bedeutet: Die Verbotsliste ist wesentlich kürzer und für die Menschen verständlicher.“ Gleichzeitig sei es sinnvoll, Naturschutzgebiete einheitlich auszuweisen. Bartscht verweist darauf, dass der Kreis Harburg ebenfalls dabei ist, in seinem Abschnitt von Rönne bis zur Bunthäuser Spitze bei Geesthacht ein Naturschutzgebiet einzurichten. Und flussaufwärts liege bereits das Biosphärenreservat mit einem sogenannten C-Gebiet, „also auch ein Schutzgebiet der höchsten Kategorie“. Bartscht weiter: „Deshalb sollte auch die aktuell besprochene Fläche ein Naturschutzgebiet sein.“

„Die Ablagerungen summieren sich über die Jahre“

Burmester hingegen verweist darauf, dass in der anderen Richtung auf Hamburger Seite die meisten Flächen entlang der Elbe als Landschaftsschutzgebiete festgelegt worden seien, und nur einzelne Schwerpunkte als Naturschutzgebiete. Burmester: „Natürlich macht so eine Differenzierung bei der Ausweisung mehr Arbeit.“ Viel schwerwiegender könnte hingegen der folgende Mehraufwand für den aktiven Hochwasserschutz sein. Der Deichhauptmann sagt: „Durch das Naturschutzgebiet befürchten wir Einschränkungen bei der wirtschaftlichen Unterhaltung und Nutzung der Deiche.“ Weiter die Elbe rauf könne man im Biosphärenreservat bereits verfolgen, welche Konflikte zwischen Naturschutz und Hochwasserschutz entstehen können. Burmester: „Wenn die Natur sich selbst überlassen bleibt, können sich dort Pflanzengesellschaften einstellen, mit denen wir nachher nur schwer umgehen können. Wir wollen zum Beispiel nicht, dass die Landschaft plötzlich mit Bäumen und Büschen zuwächst, die den Hochwasserabfluss behindern.“ Ein weiteres Problem seien die Sedimentablagerungen im Deichvorland. Burmester: „Die Ablagerungen summieren sich über die Jahre. Da müsste eigentlich eine ganz deutliche Regelung her, dass Sedimente dem Deichvorland wieder entnommen werden können.“

„Hochwasserschutz steht an erster Stelle“

Auf LZ-Nachfrage sagt Bartscht zu dem angesprochenen Problem: „Hochwasserschutzmaßnahmen im Vorland sind völlig unabhängig von unserem aktuellen Verfahren zu klären. Das betrifft sowohl Sedimentrückführungen als auch Gehölzrückschnitt.“ Zudem müsse entlang der gesamten Elbe immer die FFH-Verträglichkeit geprüft werden, so Bartscht.

Und auch mit Blick auf möglicherweise notwendige Bauarbeiten zur Deich-Erweiterung, sagt der Leiter der Unteren Naturschutzbehörde: „Grundsätzlich steht der Hochwasserschutz an erster Stelle, das heißt: Wenn der Deich tatsächlich in Richtung Naturschutzgebiet verbreitert werden muss, und es dazu keine Alternative gibt, dann wird es auch geschehen. Gibt es hingegen Wege, die in Einklang mit dem FFH-Gebiet umgesetzt werden können, hat das Vorrang.“ Und: „Allgemein sehen wir das Zusammenwirken von Deich- und Naturschutz völlig unproblematisch: Die Unterhaltung des Deiches ist gänzlich freigestellt, dort bedarf es zum Beispiel beim Mähen oder Ausbessern von unserer Seite keiner Zustimmung.“ Das hätte der Deichverband laut Burmester am liebsten schriftlich.

Von Dennis Thomas

Mehr dazu:

https://www.landeszeitung.de/a/30111-neues-naturschutzgebiet-kommt