Sonntag , 27. September 2020
Der selbstgebaute Eisberg der Hohnstorfer Wettpaten hat Lauenburg verfehlt. Foto: phs

Eisberg steuert auf Hohnstorf zu

Hohnstorf/Elbe. Womit würden Thomas Lohmann und Eckhard Panz anlässlich der Hohns-torfer Eiswette wohl dieses Mal die Elbe überqueren, um dem Publikum zu erklären, ob der Fluss fließt oder doch zugefroren ist? Als ein Motor-Paragleiter über die Eiswetten-Gesellschaft am Elbufer hinwegflog, beeilte sich Bürgermeister André Feit zu erklären: „Das sind nicht unsere Wettpaten!“ Die näherten sich eher langsam, aber stoisch wie ein dahintreibender Eisberg, der Lauenburg am gegenüberliegenden Ufer nur knapp verfehlte und dann auf Hohnstorf mit fünf PS zusteuerte.

Verlorener Eisberg in warmer Elbe

Von den Amts- und Würdenträger aus Kreis, Kommunen und Landtag waren viele der Einladung zur Hohnstorfer Eiswette gefolgt. Nur aus Berlin konnte Bürgermeister Feit niemanden zu dem besonderen Neujahrsempfang begrüßen. Feit sagte, er solle die Bundestagsabgeordneten Julia Verlinden, Norbert Brackmann und Eckhard Pols entschuldigen, „sie wären furchtbar gerne gekommen, aber die leiden noch furchtbar unter massivem Datenklau-Kater“.

Schließlich machte auf der Elbe ein weißes, kastenförmiges Objekt mit ein paar Feuerwerksraketen auf sich aufmerksam. Es war kein havarierter Hochsee-container, sondern der selbstgebaute Eisberg von Lohmann und Panz. Da Manövrieren durch nur vier Gucklöcher in der Außenhülle eine Herausforderung war. Als sie schließlich das Ufer erreichten, zeigte sich Wettpate Panz zufrieden, dass trotz der abschmelzenen Pole zumindest Hohnstorf noch einen Eisberg sein Eigen nennen dürfte. Nach fachmännischem Blick durch ein großes und dann ein sehr großes Fernrohr kamen die Wettpaten zu dem Schluss: „De Elv geit!“

Der lebende Bären-Teppich

Anschließend sollte sich Feit im Saal des nahen Gasthauses ein Rededuell mit einem Überraschungsgast liefern – und sorgte vor rund 200 Zuhörern zunächst für eine ganz andere Überraschung: Der CDU-Bürgermeister stellte exklusiv die SPD-Herausfordererin von Scharnebecks Samtgemeindebürgermeister Laars Gerstenkorn vor: Anne-Carin Büttner (siehe Text rechts). Feit bewarb sich seinerseits als Mitglied gleich für beide Wahlkampfteams, „damit der Wahlkampf auch richtig zündet!“. Ein paar Slogans hatte er auch schon parat: „Laars Gerstenkorn trägt keine Superman-Unterhosen. Superman trägt die Unterhosen von Laars Gerstenkorn.“ Oder: „Anne-Carin Büttner hat einen Grizzly-Bär-Teppich. Der Bär lebt, hat aber Angst sich zu bewegen.“

Schließlich nahm Feit seinen Überraschungsgast aus „Psycho-Pannenberg“ (Lüchow-Dannenberg) aufs Korn, den CDU-Landtagsabgeordneten Uwe Dorendorf. Der war in seinem ersten Berufsleben beim Bundesgrenzschutz und der „Horror für alle Hippies, Gammler, Kiffer und Berufsdemonstranten“. Vor seinem Landtagsmandat verdiente Dorendorf sein Geld als Versicherungsvertreter. Feit wollte nicht beurteilen, „ob es nun eine Verbesserung oder Verschlechterung ist, wenn sich ein Versicherungsvertreter in einen Politiker verwandelt“. Dorendorf konterte: Er sei angeblich als Überraschungsgast nur eingesprungen. Eigentlich sollte Kanzlerin Angela Merkel in Hohnstorf auftreten, scherzte er. Doch aus Angst, Merkel könnte als „ungelernte Hilfskraft“ in die Hände des Berufsberaters Feit bei der Agentur für Arbeit fallen, habe er sie in Clenze abgefangen. Er schwindelte weiter: „Sie verkauft jetzt Versicherungen in Lüchow-Dannenberg.“

„Die Veranstaltung hat sehr viel Spaß gemacht“

Von den nunmehr 26 Hohnstorfer Eiswetten war Manfred Nahrstedt insgesamt 13 Mal als Landrat dabei. Feit bedankte sich beim scheidenden Chef der Lüneburger Kreisverwaltung für die Treue. Nahrstedt sei auch nach seinem Amtsende ein gern gesehener Gast, sagte Feit, „schließlich sind die Karten für die Teilnahme an der Eiswette auch käuflich zu erwerben“.

Die erste Eiswette war es hingegen für Sebastian Drossel. Er ist seit Juli Inhaber des ehemaligen Hohnstorfer Fährhauses, jetzt „Hohnstorfer Likedeeler“. Er sagt: „Die Veranstaltung hat sehr viel Spaß gemacht.“ Trotz oder wegen des Stresses: Immerhin verköstigte er rund um die Eiswette etwa 200 Gäste.

Von Dennis Thomas