Montag , 28. September 2020
In Kitas wird die Vielfalt bei Vornamen oft schon im Eingangsbereich deutlich. Foto: Archiv

Emma entthront Marie

Lüneburg. Endlich, „Emma“ hat‘s geschafft. Lange Zeit nahm der Mädchenname in Lüneburg einen der vorderen Plätze in der Beliebtheitsskala der weiblichen Vornamen ein, für die Spitzenführung aber reichte es – anders als im Bundesgebiet – bislang nicht. Nun aber führt Emma die Top 10 für das Jahr 2018 bei den beliebtesten Mädchennamen auch in Lüneburg an. Und auch bei den Jungs gab es Veränderungen.

Leon hängt den Rest ab

Maximilian, der in 2017 noch den Sprung von Platz 8 (2016) auf Platz 1 schaffte, muss sich im jetzt abgelaufenen Jahr Leon (zuvor Platz 4) geschlagen geben. Er rutschte aus der Zehner-Hitliste bei den Jungs sogar ganz heraus, dafür gab es mit Emil, Theo und Jakob gleich drei Listenstürmer, die auf Anhieb die Plätze 2 und 3 belegten. Ebenfalls neu unter den ersten Zehn sind Ole und Anton.

In der Gunst der Lüneburger Eltern stieg bei den Mädchennamen auch Ella. Mit Platz 2 landete sie ganz weit oben, nachdem sie im Jahr zuvor noch nicht auf der Hitliste zu finden war. Dafür mussten Marie und Sophie, die beide lange Zeit mit zu den beliebtesten Mädchenvornamen gehörten, die oberen Plätze räumen, ebenso Charlotte. Alle drei wurden gleich heftig nach unten durchgereicht. Überhaupt gab es mit den Newcomern Amelie, Lotta, Mila, Juna und Lea gleich fünf neue Namen im oberen Bereich.

In die Liste 2018 wurden die Vornamen von 1749 Kindern aufgenommen, die bis zum 27. Dezember beim Standesamt der Stadt beurkundet wurden. Damit sind es gut 100 Kinder weniger als noch im Jahr zuvor und 131 Kinder weniger als im Spitzenjahr 2016. Insgesamt 1071 Kinder erhielten von ihren Eltern im vergangenen Jahr einen Vornamen, 614 Kinder durften sich über zwei und 58 Kinder sogar über drei Vornamen freuen. Mit mehr als drei Vornamen wurden sechs Kinder bedacht.

Namensvielfalt hat stark zugenommen

„Vor allem bei Afrikanern ist es offenbar Brauch, ihren Kindern besonders viele Vornamen zu geben“, weiß Standesamtsleiterin Susanne Twesten. Überhaupt hätte die Namensvielfalt in den letzten Jahren deutlich zugenommen, auch wenn gegenwärtig wieder ein Trend zu traditionelleren Vornamen erkennbar sei.

In der Wahl der Vornamen für ihr Kind seien Eltern heute „ziemlich frei“, erläutert Twesten. Grenzen würden allerdings dort gesetzt, wo der Vorname anzüglich oder anstößig wirken könnte oder das Kind mit seinem Namen der Lächerlichkeit preisgegeben würde. „Wo aber ist die Grenze zu ziehen, das ist oft nicht einfach“, sagt Twesten. Doch im Gespräch mit den Eltern finde man in solchen Fällen in aller Regel schnell Einigkeit, „denn die Eltern sind doch meist überglücklich und wollen ihrem Kind einen schönen Namen geben“. Sollte es dennoch problematisch werden, müsste ein Gutachten der Gesellschaft für deutsche Sprache eingeholt werden, „doch dazu kommt es eigentlich nie“.

Von Ulf Stüwe

Beliebt in Lüneburg

Top 10 Mädchen

1. Emma 17
2. Ella 15
2. Mia 15
4. Amelie 11
4. Emilia 11
4. Lotta 11
4. Mila 11
8. Leni 10
9. Juna 8
10. Lea 8

Beliebt in Lüneburg

Top 10 Jungen

1. Leon 22
2. Ben 20
3. Emil 13
3. Theo 13
5. Jakob 12
5. Jonas 12
5. Ole 12
8. Anton 11
8. Luca 11
8. Paul 11

Andere Regeln

Einfach den Namen ändern

In Deutschland gelten ziemlich strenge Regeln für Namen. Einfach mal ändern darf man seinen Vornamen und Nachnamen nicht. In manchen Ländern ist das allerdings anders. Ein Überblick:

Spanien: Sie können ziemlich lange Namen haben, etwa zwei Vornamen und zwei Nachnamen. Zum Beispiel: José Luis Rodríguez Zapatero. Dabei ist ein Nachname vom Vater, einer von der Mutter. Heiraten sie, behält jeder seinen ganzen Namen. Die Kinder bekommen immer den ersten Familiennamen von der Mutter und den ersten Familiennamen vom Vater.

Russland: Russische Namen bestehen aus drei Teilen, einem Vornamen, dem Vornamen des Vaters und dem Familiennamen. Dabei bekommt der Name des Vaters noch eine Endung rangehängt, je nachdem, ob es ein Mädchen oder ein Junge ist. Der Sohn von Wladimir heißt dann zum Beispiel Wladimirowitsch, die Tochter Wladimirowna.

Großbritannien: Die Briten dürfen ihre Namen jederzeit ändern. Einige Paare entscheiden sich dann, zusammen einen ganz neuen Familiennamen zu wählen. Oder ihre beiden Nachnamen zu mischen. Heißen sie zum Beispiel Harland und Anderson, dann kann daraus Harlanderson werden.

Island: Isländische Telefonbücher sind nach Vornamen sortiert, denn es gibt quasi keine Nachnamen. Jeder hat stattdessen zwei Vornamen. Den ersten suchen die Eltern aus, der zweite ist der Name der Mutter oder des Vaters plus eine Endung. Die lautet -dottir für Töchter und -son für Söhne. Die Kinder von Gunnar heißen also Gunnarsson und Gunnarsdottir.