Mittwoch , 28. Oktober 2020
Im Sportboothafen in Neu Darchau lagen die Boote auf dem Trockenen. Der Elbepegel fiel auf einen Rekordtiefstand. (Foto: t&w)

Wetterextreme am laufenden Band

Deutsch Evern. Ein einzigartiges Wetterjahr geht zu Ende. Die Kombination von extremer Trockenheit, zahlreichen Temperaturrekorden und einer geradezu mediterranen Sonnenscheindauer machten 2018 zu einem Jahrhundert-, wenn nicht gar Jahrtausendereignis. Neben unfassbaren Bestmarken in Sachen Sommer- und Hitzetagen wurden auch bei den Regen- und heiteren Tagen (mindestens 1 mm Niederschlag, beziehungsweise 80 Prozent Sonne) in den Klimareihen erste oder zweite Plätze erobert.

Januar: Einer der Wärmsten seit 20 Jahren

Anhaltende Westwinde lassen im Nordöstlichen Niedersachsen meist nur leichte Minusgrade zu. Pünktlich zum 11. Jahrestag von Orkantief „Kyrill“ sorgt „Friederike“ am 18. Januar für stürmische Windböen. Insgesamt endet der Monat viel zu warm und fast ohne Schnee.

Februar: Der Winter zeigt seine Zähne

Ein so genannter Polarwirbel-Splitt bringt eine nachhaltige Umstellung der Großwetterlage. Dies leitet letztendlich eine der längsten Trockenperioden in der Klimageschichte Deutschlands ein. Durch nördliche bis östliche Winden gibt es 26 Frosttage in Folge mit Tiefstwerten bis minus 14 Grad. Die Kälte macht den Februar zum ersten richtigen Wintermonat der Saison und verleiht ihm gegen Ende eine dünne Schneedecke. Spärliche Niederschläge und die höchste Sonnenscheindauer jemals (120 Std.) runden das Bild ab.

März – Der Winter geht in die Verlängerung

In den ersten Märztagen hält die strenge Kälte mit wenigen Zentimetern Schnee zunächst an, bevor kräftiges Tauwetter einsetzt. Ab Monatsmitte startet Väterchen Frost einen letzten Anlauf, was die aufkeimende Vegetation um über zwei Wochen zurückwirft. Trotz des kalten Wetters bleibt eine neuerliche Schneeauflage aus.

April – Vom Winter in den Sommer

Im April setzt sich ein blockierendes Hoch über Osteuropa fest. Damit kann heiße Saharaluft Norddeutschland aus dem Winter direkt in den Sommer katapultieren. Unsere Region bringt es auf zwei Sommertage und Wendisch Evern am 20. April auf fast 29 Grad.

Mai – Hitze und Trockenheit breiten sich aus

Im Mai bleiben die heißen Südwinde stabil. Örtlich entwickeln sich kräftige Gewittergüsse, die am 11. des Monats insbesondere Stadt und Landkreis Lüneburg treffen. Insgesamt 15 Sommer-, darunter vier Hitzetage (mindestens 30 Grad), sorgen in den Freibädern für volle Kassen, bei den Landwirten aber für Sorgenfalten. Mit einem Wärmeplus von 3,8 Grad geht der Mai als wärmster seit Messbeginn (1853) durchs Ziel.

Juni – Unverändert warm und trocken

Am Südrand eines Skandinavienhochs dominiert im Juni eine östliche Strömung. Der böige und sehr trockene Wind dörrt die Böden weiter aus. Vielerorts hat es seit Anfang Mai kaum geregnet.

Wetterextreme
LZ-Wetterexperte Reinhard Zakrzewski aus Wendisch Evern. (Foto: Mahler)

Juli – Der Steppenmonat

In dem für den Hochsommer wichtigen Siebenschläferzeitraum Anfang Juli hält das trockenwarme Wetter an. Sommer- und Hitzetage erreichen mit 23 beziehungsweise neun ihr monatliches Maximum. Die Vegetation trocknet weiter aus. In der Folge greifen Wald- und Flächenbrände um sich. Eine solche Witterung lässt sich durchaus mit dem ungarischen Steppenklima vergleichen. Pünktlich zu den Hundstagen setzt im letzten Monatsdrittel eine enorme Hitzewelle ein, die uns am 31. Juli über 35 Grad bringt.

August – Dürre und Hitze halten an

Im ersten Augustdrittel bleiben die Temperaturen hoch. Heißluftattacken aus der Sahara sorgen am 7. August für die Toptemperatur des Jahres von 36,7 Grad. Gewitterstörungen bringen danach kurze Erfischungen und punktuell auch mal ergiebigen Regen. Doch schon zur Monatsmitte fasten Wärme und Trockenheit wieder Fuß. Erst zum Monatsende geht dem Sommer die Puste aus.

September – Der Sommer startet nochmals durch

Nach einer kleinen Delle Anfang September geht der Dürresommer 2018 dann noch einmal in die Verlängerung. Dabei markiert Exhurrikan „Helen“ den Höhepunkt der Wärmewelle. Auf seiner Vorderseite werden – äußerst spät im Jahr – am 18. September in Wendisch Evern noch 31,3 Grad gemessen.

Oktober – Noch ein goldener „Sommermonat“

Nach einem unterkühlten und recht feuchten Start rastet die auf Wärme, Trockenheit und Sonne getrimmte Wetterlage wieder ein. Am 15. Oktober verzeichnet der Landkreis den letzten von drei Sommertagen. Das sind so viele und so späte wie noch nie, mit so hohen Werten wie noch nie (Maximum 27,5 Grad/13. Oktober). Danach nahen endlich durchschnittliche Temperaturen mit örtlich leichten Nachtfrösten.

November – Warten auf den großen Regen

Das Hoch über Osteuropa regeneriert sich und dehnt seinen Einfluss nach Norddeutschland aus. Fehlender Regen und die bis Monatsmitte ungewöhnliche Wärme trocknen die Böden regional auf über einen Meter Tiefe aus. Erst in der letzten Woche stellen sich die üblichen Fröste ein. Trotzdem ist der November zu warm und zu trocken.

Dezember – Die Westwinde sind da

Pünktlich zum 1. Dezember kommen die ersehnten Atlantikwinde auf. Das erste Mal seit Anfang Mai sorgen sie für übernormale Niederschläge. Die Meeresluft beschert uns viel Dauergrau – auch zu Weihnachten.

Unter dem Strich wird 2018 als das wärmste, zweittrockenste (nach 1959) und sonnigste Jahr in die Lüneburger Wetteranalen eingehen.

Von Reinhard Zakrzewski