Donnerstag , 24. September 2020
Hier an der Reitenden-Diener-Straße soll ein „Haus des Jugendrechts“ entstehen. In anderen Städten gibt es solche Einrichtungen schon, jetzt hat auch Lüneburg den Zuschlag erhalten. (Foto: t&w)

Schnelles Mittel gegen Jugendkriminalität

Lüneburg. Über allem steht das Ziel, die Jugendkriminalität zu bekämpfen: Ermittlungsverfahren, die manchmal Monate oder auch ein Jahr dauern, sollen optimiert werden. Auch geht es darum, dass Jugendliche, die eine Straftat begangen haben, nicht lange auf eine entsprechende Maßnahme warten müssen, ihre Sozialstunden also zum Beispiel so zeitnah wie möglich ableisten können. Die Hoffnung ist, dass so die Rückfallquoten verringert werden.

Schnelle Strafen wirken stärker

Ermöglicht werden soll all das in einem Gebäude der Staatsanwaltschaft in der Reitenden-Diener-Straße: Dort ist ein „Haus des Jugendrechts“ geplant, es könnte schon im Frühjahr eröffnen. Darüber haben jetzt Jugendamtsleiterin Angela Lütjohann und Karin Bringewat von der Jugendgerichtshilfe im Jugendhilfeausschuss des Rates informiert. Die Mitglieder sprachen sich einstimmig für die Kooperationsvereinbarung aus.

Das erste Haus dieser Art ist im Jahr 1999 in Stuttgart an den Start gegangen, das bundesweite Projekt wurde konzipiert, nachdem Mitte der 90er-Jahre die Jugendkriminalität in Deutschland einen neuen Höhepunkt erreicht hatte. Heute gilt es als Erfolgsmodell: Entsprechende Einrichtungen sind in etlichen Bundesländern zu finden. Im Juli hat auch das Niedersächsische Justizministerium das „Grundkonzept zur Förderung der intensiven und effektiveren Zusammenarbeit in Ermittlungs- und Strafverfahren gegen Jugendliche und Heranwachsende“ veröffentlicht. Lüneburg ist zum Standort eines Hauses des Jugendrechts ernannt worden.

Es zeichnet sich dadurch aus, dass die zuständigen Sachbearbeiter von Polizei, Staatsanwaltschaft, Jugendämtern und Amtsgericht unter einem Dach untergebracht sind. Durch die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit sollen Kommunikationswege verkürzt, Prozesse beschleunigt und Maßnahmen der Kriminalprävention verbessert werden. Die Lüneburger Variante sieht so aus: Die Beteiligten sollen ihre aktuellen Arbeitsplätze beibehalten, aber zumindest einige ihrer Aufgaben in die Reitende-Diener-Straße 7 verlegen.

Verkürzte Dienstwege

Diese städtischen und staatlichen Stellen haben gemeinsam das Grundkonzept erstellt. „Feinheiten werden zurzeit noch ausgearbeitet“, teilt Stadtpressesprecherin Ann-Cathrin Behnck auf Nachfrage mit. Sobald ein solches Haus in der Lüneburger Altstadt eingerichtet ist, sollen die Kooperationspartner an Fortbildungen teilnehmen, sich wöchentlich in den Büroräumen zu Fallkonferenzen treffen, um möglichst früh konkrete Verfahrensschritte absprechen zu können.

„Da geht es beispielsweise auch darum, gemeinsam zu überlegen, welche Möglichkeiten es für einen Jugendlichen gibt“, erklärt Behnck. Sitzungen mit den jungen Erwachsenen, die straffällig geworden oder sozial auffällig sind, aber auch mit Zwölf- oder 13-Jährigen, die kurz vor der Strafmündigkeit stehen, sollen vor allem ein Ziel haben: „Im besten Fall soll man zum Hörer greifen und sie direkt in eine Maßnahme vermitteln können.“

Gleichzeitig würden die verschiedenen Bereiche aber nicht miteinander verschmelzen. Polizei, Staatsanwaltschaft, Jugendämter und die Gerichte seien nach wie vor getrennt voneinander zu sehen. „Jugendliche müssen also keine Angst haben, dass sie sich niemandem mehr anvertrauen können.“

Von Anna Paarmann