Samstag , 31. Oktober 2020
Christian Gohde war 38 Jahre lang Pastor in Dahlenburg. Am Sonntag, 6. Januar, wird der 65-Jährige in einem Gottesdienst in den Ruhestand verabschiedet. (Foto: t&w)

Abschied von der Kirchenkanzel

Dahlenburg. Seine Dienstwohnung hat Christian Gohde schon vor Wochen weitestgehend leergeräumt. Vor allem Kleinteile und Bücher warten noch darauf, ebenfalls in Umzugskisten verpackt zu werden. Genauso wie die Gitarre in der Ecke. Christian Gohde, der großgewachsene Pastor aus Dahlenburg, macht Platz für seinen Nachfolger. In der Dienstwohnung, aber auch auf der Kanzel der Johanneskirche und im kirchlichen Gemeindeleben. Denn Pastor Gohde verabschiedet sich in den Ruhestand.

Für den 65-Jährigen beginnt schon in der nächsten Woche ein neuer Lebensabschnitt – als Ruheständler. Am Sonntag, 6. Januar, wird der Seelsorger von der Leitenden Superintendentin Christine Schmid in einem Gottesdienst um 14 Uhr von seinen Aufgaben als Pastor entpflichtet. Nach mehr als 38 Jahren als Hirte der evangelisch-lutherischen Gemeinde. Damit geht zweifelsohne eine seelsorgerische Ära in Dahlenburg zu Ende.

Denn so lange wie er war keiner vor ihm als Pastor in Dahlenburg im Amt. Fast vier Jahrzehnte hat der gebürtige Hamburger als Pastor gewirkt, Gottesdienste gehalten, Taufen, Konfirmationen, Hochzeiten und Beerdigungen durchgeführt – Trost und Lebensmut gespendet.

„Dass Veränderung gleichbedeutend mit Verbesserung sein soll, habe ich für mich nicht erkennen können.“ – Christian Gohde , Pastor

38 lange Jahre: Aber war in dieser Zeit nie der Wunsch aufgeflammt, in eine andere Stadt zu wechseln? Etwas Neues zu wagen? Eine andere Kirchengemeinde zu übernehmen? Gohde überlegt einen Augenblick lang, ganz so wie das seine Art ist, bevor er im ruhigen Ton antwortet: „Dass Veränderung gleichbedeutend mit Verbesserung sein soll, habe ich für mich nicht erkennen können.“ Auch das ist ein Grund dafür, warum er geblieben ist in Dahlenburg. All die vielen Jahre. Bis jetzt zu seiner Pensionierung.

Für jeden Anlass der richtige Ton

Dahlenburg war seine erste und einzige Pfarrstelle. Seit 1980 kümmerte er sich um das Seelenheil der inzwischen rund 2400 Gemeindemitglieder, hat Kinder- und Jugendfreizeiten geplant und begleitet und deshalb nicht nur einen guten Draht zu Gott, sondern auch zu vielen Dahlenburgern. Denn wer so lange in einer Gemeinde tätig ist, der erfährt viel über die dort lebenden Menschen. Über ihre Freuden und Hoffnungen genauso wie über ihre Ängste, Sorgen und Nöte. „Die Dahlenburger schätzen die Vielseitigkeit ihres Pastors, weil er für jeden Anlass den richtigen Ton zu finden scheint“, schreibt Kirchenvorsteher Sascha Prause im jüngsten Gemeindebrief, – „… weil er als sehr guter Zuhörer Trost spenden kann bei Trauerfällen, ganz unterschiedlich Kinder- und Seniorennachmittage gestalten, aber auch eine Schützenversammlung bei Laune halten kann – dies alles höchst eloquent und häufig mit einem Augenzwinkern versehen.“

Neue Wohnung im Kloster Lüne

Umgekehrt hat sich aber auch Pastor Gohde immer wohlgefühlt in Dahlenburg: „Es hat mich nie von hier weggezogen“, sagt er im Gespräch mit der LZ. Ganz im Gegenteil: „Ich war jeden Tag gerne in Dahlenburg, habe mit vielen guten haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern zusammenarbeiten dürfen“, zieht er Bilanz.

Seinen Alterssitz aber wird der 65-Jährige trotzdem nicht im Flecken einrichten: Der künftige Pastor i.R. bezieht eine Wohnung im Kloster Lüne. Den Weg frei machen für seinen Nachfolger – auch räumlich. Der neue Pastor soll seine eigenen Pflöcke einschlagen dürfen. Ohne dabei Gefahr zu laufen, ständig an seinem Vorgänger gemessen zu werden. Christian Gohde ist auch in dieser Hinsicht geradlinig.

Das kleine große Leben

Dass er sich, der gebürtiger Hamburger, aufgewachsen vor den Toren Hamburgs in Stelle, im beschaulichen Dahlenburg immer wohlgefühlt hat, das mag manchen verwundern, doch der scheidende Pastor hat eine Erklärung dafür. „Hier hat immer auch das kleine, große Leben stattgefunden“, ganz so, wie es der Amerikaner Thornton Wilder in seinem Theaterstück „Unsere kleine Stadt“ beschrieben habe.

Und auch, wenn Dahlenburg wohl eher am Rande des Weltgeschehens liege, das „große Geschehen“, so Gohde in seinen Abschiedsworten, das habe man auch hier zu spüren bekommen: Ob Castor-Transporte, Wiedervereinigung, Elbe-Hochwasser oder Flüchtlingskrise. Die Dahlenburger haben diese Ereignisse gemeistert. Auch darauf ist Pastor Gohde stolz.

Wer seinen Platz als Nachfolger, oder Nachfolgerin, einnehmen wird, steht noch nicht fest: „Die Pfarrstelle ist ausgeschrieben“, sagt Gohde. Als Vakanzvertreter werden solange Pastor Ingo Reimann und seine Kollegin Kristin Bogenschneider das kirchliche Leben aufrechterhalten.

Von Klaus Reschke