Freitag , 18. September 2020
Ein E-Auto steht an einer Stromtankstelle. Die Gemeinde Südergellersen diskutiert, ob für sie ein E-Auto samt Ladestation Sinn macht. (Foto: rnd/dpa)

Elektromobilität für alle

Heiligenthal. Das Angebot ist verlockend: Um die Zahl der Ladestationen für Elektroautos deutlich zu steigern, gibt es für Kommunen satte Fördermittel. Etwa 10 000 Euro kostet eine E-Ladestation, 7000 Euro steuern aktuell Landkreis und Bund als Zuschuss bei. Mit 3000 Euro also eine überschaubare Investition, die im Gemeinderat Südergellersen jetzt allerdings eine Debatte auslöste. Das Ergebnis: Zunächst soll mittels Umfrage der Bedarf für ein Car-Sharing-Angebot bei den Bürgern erhoben werden. Danach will der Rat erörtern, ob ein E-Auto und eine entsprechende Ladestation dafür in Frage kommen.

System hat sich woanders bewährt

Der Haushaltsplan für 2019 sieht bei den Investitionen 10 000 Euro für eine Ladesäule mit zwei Anschlüssen vor. Bürgermeister Steffen Gärtner (CDU) reicht das so nicht. „Es ist nicht sinnvoll, das Ding einfach in die Prärie zu stellen und dann zu warten, dass mal ein E-Auto vorbeikommt.“ Seine Idee: Ein Car-Sharing-Angebot auf dem Lande, für das die Gemeinde ein Elektroauto anschaffen müsste. Dann mache auch die Ladestation Sinn. Weil er befürchtet habe, „der Rat hält mich für endgültig bekloppt, wenn ich das vorschlage“, hatte sich Gärtner schlau gemacht und die Plattform „mobilesdorf“ entdeckt. Mit dem Dienstleister für Car-Sharing-Angebote auf dem Land haben etliche kleine Gemeinden bereits eine Ergänzung zum ÖPNV etabliert, die gut nachgefragt wird. „Zum Teil wird das auch mit einem Seniorenabholservice verbunden“, erklärte Gärtner.

Skepsis und Begeisterung hielten sich beim Rat die Waage. „Bevor wir den Bedarf nicht abgefragt haben, hat das keinen Sinn“, sagte Manfred Illmer (FDP), der die Ladestation am liebsten aus dem Haushalt streichen wollte. „Ich bezweifle, dass E-Autos die Zukunftstechnologie sind.“ Auch Barbara von Düring (CDU) warnte: „Wir sollten uns nicht von dem Sonderangebot blenden lassen.“ Dagegen warb Angela Kopff-Fuhrberg (Grüne) für die Ladesäule: „Ich finde wichtig, dass wir ein Signal setzen.“ Malte Fuhrberg (Grüne) schlug vor, noch „zwei bis drei E-Bikes dazuzustellen“. Peter Schindler (CDU) fand die Idee des Bürgermeisters gut: „Das wäre auch eine Chance, zu sehen, wie Elektromobilität funktioniert. Ich würde mich sofort reinsetzen.“ Der Rat einigte sich auf einen Kompromiss: Der Haushaltsposten für die Ladesäule bleibt. Zuvor wird eine Umfrage zum Car-Sharing-Konzept durchgeführt, und zwar unabhängig von der Antriebsart des Fahrzeugs. Die Verwaltung wird sich zudem um Fördermöglichkeiten bemühen.

Von Ute Klingberg-Strunk